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Längsschnitts-Untersuchung religiöser Stil-Entwicklung in Deutschland und den U.S.A.

Abstract

Dieses Projekt untersucht religiöse Entwicklung in einem Längsschnitt-Design und im Kulturvergleich zwischen Deutschland und den U.S.A.. Forschungsteams in Chattanooga (Tennessee, U.S.A.) und in Bielefeld arbeiten zusammen an einer empirischen Untersuchung, in deren Mittelpunkt das wiederholte Befragung derselben Personen mit einem Fragebogen und einem Interview steht. Mit diesem Forschungsprojekt wird die erfolgreiche Kooperation zwischen der Forschungsstelle biographische Religionsforschung an der Universität Bielefeld und dem Psychology Department der University of Tennessee at Chattanooga fortgesetzt. Eine inzwischen abgeschlossene Forschungsphase wurde für die USA von der John Templeton Foundation, für Deutschland von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die nun laufende Forschungsphase wird von der John Templeton Foundation finanziert.

Fowlers Theorie, von der unsere Sicht auf religiöse Entwicklung inspiriert ist, hat viele Forschungsprojekte angeregt, die das von ihm entworfene Interview-Format verwendet haben. Jedoch gibt es in dieser respektablen Forschungstradition keine größere Studie mit einem Längsschnittdesign - weshalb man genau genommen nicht davon sprechen kann, dass religiöse Entwicklung empirisch überprüft oder gar bewiesen wurde. Vielmehr rekurrieren alle empirischen Ergebnisse über religiöse Entwicklung auf altersspezifische Präferenzen für bestimmte religiöse Stile, die dann im Rahmen theoretischer Annahmen, wie sie in der strukturgenetischen Tradition entwickelt worden sind, interpretiert werden.

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Religiöse Entwicklung

Der Forschungsschwerpunkt auf religiösen Stilen und Schemata geht auf die theoretische und methodologische Auseinandersetzung mit der Faith Development Theory James W. Fowlers (1981; 1996) zurück. Daraus hat Streib (1991; 1997; 2001; 2003; 2005; 2013) unter Einbeziehung der neueren Diskussion der Entwicklungspsychologie ein Modell der religiösen Stile und Schemata entwickelt, an dem wir theoretisch, methodologisch und empirisch weiterarbeiten. Dieses Modell führt zur Wahrnehmung größerer Komplexität und Varianz der religiösen Entwicklung und zur Verabschiedung vom Modell einer Entwicklungslogik, wie diese vor allem Lawrence Kohlberg vertreten hat, und stattdessen zu einem offeneren, heuristischen Konzept von religiöser Stile und Schemata.

Leitfragen

Das Projekt geht folgenden Fragen nach:

  • Entwickelt sich Religiosität - offener gefragt: entwickeln sich Weltanschauungen - über die Lebensspanne?
  • Verläuft Entwicklung unumkehrbar in eine Richtung? Gibt es Regression in der Entwicklung?
  • Wie zeigt sich diese Entwicklung in den Interviews?
  • Wie stellt sich diese Veränderung im Modell der Entwicklung religiöser Stile und religiöser Schemata dar?
  • Wie bezieht sich religiöse Entwicklung auf biographische und mikro-soziologische Kontexte?
  • Wie hängen bei der religiösen Entwicklung die emotionale und die kognitive Entwicklung zusammen?
  • Wie hängt religiöse Entwicklung mit psychologischen Merkmalen (Persönlichkeit; Werte; Bindungsstile; Ambiguitätstoleranz; Generativität; psychisches Wohlbefinden und Wachstum) zusammen?
Methode

Zu unserem Forschungsdesign gehört die konsequente Verknüpfung (Triangulierung) von qualitativen und quantitativen Daten: Alle TeilnehmerInnen, die an einem Interview teilnehmen, füllen auch einen umfangreichen Fragebogen aus, in dem außer detaillierten Demographie-Fragen eine ganze Reihe von Skalen wie z.B. zur Persönlichkeit, Zentralität von Religiosität, religiösen Schemata, mystischen Erfahrungen, Gottesvorstellungen, Fundamentalismus, Pluralismus, Ambiguitätsintoleranz, psychologischem Wohlbefinden und Wachstum und zur Generativität enthalten sind.

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Triangulierung

Wir laden dazu ein, einen Fragebogen mit einer Reihe von psychometrischen Skalen auszufüllen und führen mit ausgewählten Probanden ein persönliches Interview; dann tauschen wir wechselseitig qualitative und quantitative Daten aus, indem wir die Ergebnisse von Interview-Evaluationen in den quantitativen Datensatz importieren, um sie in die statistische Analysen einzubeziehen, und, im Gegenzug, verwenden wir fallspezifische Fragebogen-Antworten für Fallstudien.

Für die Interview-Forschung verwenden wir das Faith Development Interview. Die Auswertung folgt primär einem qualitativen, interpretativen Verfahren, das sich am Manual for Religious Styles Reseach (der vierten Auflage des Manual for Faith Development Research) orientiert. Die Ergebnisse dieser Evaluation können quantifiziert werden. Dies ermöglicht deren Verknüpfung mit Fragebogendaten. Auf der Basis unseres Fragebogens mit detaillierten demografischen Angaben und einer Reihe von Skalen, können Prädiktoren und Korrelate für religiöse Entwicklung analysiert werden.

Die Untersuchung kombiniert (trianguliert) also quantitative und qualitative Verfahren und nimmt dabei Erfahrungen auf, die wir in früheren Forschungsprojekten gesammelt und angewandt haben.

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