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AG 10: Migrations­pädagogik und Rassismus­kritik

AG 10 - Migrationspädagogik und Rassismuskritik

Noch nie waren weltweit so viele Menschen bereit, aufgrund von Kriegen, Umweltkatastrophen, Bürgerkriegen und anderen Bedrohungen gezwungen und aufgrund der technologisch bedingten Veränderung von Raum und Zeit in der Lage, ihren Arbeits- oder Lebensmittelpunkt, sei es vorübergehend oder auf Dauer, zu verändern: Wir leben in einem Zeitalter, für das Phänomene der Migration konstitutiv sind. Das Wissen um diese Phänomene und die Auseinandersetzung mit ihnen stellt damit eine der zentralen Aufgaben für pädagogisches Handeln dar.

Mit der Perspektive „Migrationspädagogik“ verbindet sich eine bestimmte pädagogische Auseinandersetzung mit der migrationsgesellschaftlichen Wirklichkeit, wobei Begriffe wie „Zugehörigkeitsordnung“, „Subjektivierung“ oder „Othering“ verwendet werden.

In migrationspädagogischer Perspektive ist es für Pädagog*innen erstens zentral, über Wissen um migrationsgesellschaftliche Zugehörigkeitsordnungen zu verfügen, in denen zwischen legitimer und weniger legitimer Zugehörigkeit unterschieden wird. Zweitens ist es von Bedeutung, sich Wissen über die historischen Hintergründe dieser Ordnungen anzueignen. Drittens ist es von Bedeutung, sich in ein kritisch-reflexives Verhältnis zu der Frage zu begeben/zu setzen, welchen Beitrag pädagogische Institutionen und Handlungsformen zur Reproduktion und Veränderung migrationsgesellschaftlicher Zugehörigkeitsordnungen leisten (können).

Migrationspädagogisches Können umfasst zudem neben einer Differenzfreundlichkeit im Sinne einer Anerkennung der Pluralität von Lebensformen und -äußerungen auch eine Dominanz- bzw. Herrschaftskritik. Diese bezieht sich sowohl auf das Erkennen der Formen, in denen sich Herrschaftsverhältnisse von Menschen über andere Menschen ausdrücken als auch auf ein Nachdenken über Möglichkeiten der Schwächung dieser Verhältnisse und den gesellschaftlichen Benachteiligungen, die daraus für einzelne Subjekte und soziale Gruppen entstehen.

Die Kritik rassistisch kodierter Herrschaftsformen ist hierbei besonders wichtig. „Rassismuskritik“ fragt danach, wie, unter welchen Bedingungen und mit welchen Konsequenzen Selbstverständnisse von Einzelnen, sozialen Gruppen, Institutionen und Strukturen durch Rassekonstruktionen vermittelt sind. Die Analyse, Thematisierung und Kritik von auf Rassekonstruktionen beruhenden einschränkenden und ermächtigenden, gewaltvollen und disziplinierenden Unterscheidungspraktiken sowie die Bedingung der Möglichkeit von alternativen Denk- und Handlungsformen stehen im Zentrum rassismuskritischer Professionalität.