Teilprojekt B 1:

Zur politischen Konstruktion von Rechtsräumen (14. - 16. Jahrhundert)

Mitarbeiter· Abstract

Anhand der Kommunikation über Rechtsnormen soll der Wandel in der politischen Konstruktion von Rechtsräumen in deutschen Städten vom 14. bis zum 16. Jahrhundert untersucht werden. Im Vergleich zur vorangegangenen Zeit, in der weitgehend kom­munikationslos und unbeeinflusst nebeneinander sehr

Freiburger Stadtknecht
in Amtskleidung
(Quelle: Stadtarchiv Freiburg,
M 7771/1)

unterschiedlich entfaltete Rechts­räume bestanden haben, bemühten sich städtische Obrigkeiten im Untersuchungszeitraum zunehmend darum, das eigene rechtspolitische Handeln dem auswärtigen anzupassen. Ein steigendes Bedürfnis, sich umfassend zu informieren und abzustimmen, wird deutlich erkennbar.

Ziel des Teilprojektes ist es, die Ausweitung der Korrespondenz zwischen den Städten über Rechtsfragen und die daraus resultierende Zunahme struktureller Ähnlichkeiten im Bereich städtischer Ordnungsgesetzgebung anhand einiger Fallbeispiele nachzuweisen und die mit diesem Anpassungsprozeß in Zusammenhang stehenden politischen Motive und langfristigen Folgen zu erörtern. Der städtische Rechtsraum wird dabei als politisches Ordnungsprinzip aufgefasst, auf dessen Konstruktion Entscheidungsträger und Betroffene unmittelbar und mittelbar Einfluss nehmen können. Eine umfassende Transformation städtischer Rechtsräume auf der Basis eines zunehmenden Regeltransfers, wie sie hier vorzuliegen scheint, indiziert einschneidende Veränderungen auf dem Gebiet des Politischen, insbesondere im Bereich der politischen In- und Exklusion.

Anhand einer gattungsspezifisch vergleichenden Analyse von normativen Texten in Verbindung mit städtischen Brief-, Rats- und Rechnungsbüchern, in denen die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Motive der Akteure erkennbar werden, wird der im Untersuchungszeitraum immer dichter werdende Austausch von Rechtstexten anhand einiger ausgewählter Städte rekonstruiert. Im Mittelpunkt des Teilprojektes steht zunächst die Reichsstadt Nürnberg als "Nachrichtenzentrum" und gleichzeitig als "Brennpunkt deutschen Rechtslebens".

Seit dem 14. Jahrhundert ist eine deutliche Zunahme der Legitimationsbedürftigkeit rechtspolitischen Handelns in den Städten zu beobachten. Die Akzeptanz Betroffener, sich den Regeln ihres eigenen eng definierten Rechtsraumes zu fügen, nahm ab - und dies mit Hinweis darauf, dass anderswo erlaubt sei, was zu Hause verboten war. Das wirkte sich mitunter auch dahingehend aus, dass Bürger den Herrschaftsverband wechselten, nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus rechtspolitischen Motiven, wie zu vermuten steht. Dieser schwindenden Akzeptanz versuchte man, so eine Hypothese des Teilprojektes, seitens der städtischen Obrigkeit durch einen verstärkten Transfer und eine umfassende Transformation von Regeln Rechnung zu tragen, vereinzelt oder in umfassenden Recherchen. Politisches und rechtliches Handeln wurde aufeinander abgestimmt, um die eigene Vorgehensweise zu decken und abzusichern. Es genügte offenbar nicht mehr, die Ordnungen kraft eigener rechtspolitischer Autorität zu entwerfen und zu erlassen.

Das Teilprojekt erforscht die Motive, die die politischen Akteure zu einer Intensivierung der Kommunikation über Normen und Gesetze bewegt haben. Neben der Ebene der politischen Entscheidungsträger gilt es zu diesem Zweck auch, die Ebene der Betroffenen zu thematisieren. Des Weiteren fragt das Teilprojekt ausdrücklich nach der zunehmenden politischen Einflussnahme der städtischen Bevölkerung, von denen, so steht zu vermuten, politischer Druck auf die Handlungsträger ausging.

Ein maßgebliches Resultat der genannten Aktivitäten war eine zunehmende Modifizierung des eigenen Rechtsraumes auf der Mikroebene. Mit dem Anstieg der Kommunikation ging vermutlich nicht nur ein Abbau lange Zeit trennender rechtlicher Grenzen, sondern auch eine Abnahme der Rechtsspezifika vieler Städte und ein Abbau ihrer Autonomie in Rechtsfragen einher. Es ist wahrscheinlich, dass diese Entwicklung tendenziell zu einer stärkeren Homogenisierung von Rechtsräumen auf der Makroebene führte. Das Bemühen um eine Anpassung des eigenen rechtspolitischen Handelns an auswärtiges Recht als Ergebnis einer sich intensivierenden Kommunikation ebnete, so ist anzunehmen, territorialen Rechtsräumen den Weg.


 

Tagungsbericht
zur SFB-Abschlusstagung "Writing Political History Today" (01.-03.12.2011)

Publikationen

Neu erschienen in der Reihe "Historische Politikforschung":
Susanne Schregel, Der Atomkrieg vor der Wohnungstür


Reihe "Das Politische als Kommunikation"


Reihe "Historische Politikforschung"


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