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Das Oberstufen-Kolleg trauert um seinen ehemaligen Wissenschaftlichen Leiter Ludwig Huber

BildProf. Dr. Dr. h.c. Ludwig Huber war dem Oberstufen-Kolleg seit seiner Gründung eng verbunden. Er war ein wichtiger Impulsgeber für unsere pädagogische Arbeit, zunächst als Wissenschaftlicher Assistent und Mitglied der Aufbaukommission, dann - nach seiner Professur an der Universität Hamburg - als Professor an der Universität Bielefeld und zugleich Wissenschaftlicher Leiter der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg. Diese Position hat er bis zu seiner Emeritierung 2002 wahrgenommen.
Auch danach war er ein häufiger und gern gesehener Gast in unserem Haus, das er so maßgeblich mitgestaltet hat. Eine regelmäßige Kooperation, die ihm sehr am Herzen lag, verband ihn mit der Staatlichen Universität Novgorod, von der er 2001 die Ehrendoktorwürde erhielt.

Von seinen vielen Arbeitsschwerpunkten hat sein Konzept der basalen Fähigkeiten (gemeint sind instrumentelle Qualifikationen wie deutsche Sprachkompetenz, Kommunikationsfähigkeit in Englisch und Verständnis mathematischer Themen) die Entwicklung des Oberstufen-Kollegs entscheidend beeinflusst. Die Entwicklung der Kursart "Basiskurs" beruht ganz wesentlich auf seinen konzeptionellen Überlegungen.

Es ist sicher sehr bezeichnend, dass der Titel der Festschrift zu seiner Emeritierung "Bildung im Medium der Wissenschaft" lautet. Mit dieser Formel hat er dem Oberstufen-Kolleg eine Leitlinie gegeben, die auch konstitutiv für die Arbeit an den "Eckpunkten der zukünftigen Konzeption für das Oberstufen-Kolleg" im Jahr 2000 war. Er zielte damit über die Wissenschaftspropädeutik hinaus auch auf politische Partizipation in einer modernen Wissensgesellschaft. Wahlfreiheit, Interessenorientierung und individuelle Schwerpunktsetzung waren Stichworte, die seinen von echtem Interesse und Wohlwollen getragenen Blick auf Bildungsverläufe von Schüler*innen und Kollegiat*innen geleitet haben. Insofern war die Frage nach "Kanon oder Interesse" für ihn eine Schlüsselfrage der Oberstufen-Reform.

Als Wissenschaftlicher Leiter war er uns nicht nur in den bildungspolitischen Diskursen, sondern auch in den "Mühen der Ebene" einer alltäglichen konzeptionellen Arbeit der Versuchsschule Oberstufen-Kolleg ein wertvoller Begleiter, Anreger und über die Emeritierung hinaus im besten Sinne kritischer Freund.

Dass ihm Bildung nicht nur ein wissenschaftliches und schulisches Anliegen war, sondern auch seine Vorstellungen praktischen Zusammenlebens geprägt hat, zeigte sich auch in seinem ehrenamtlichen Engagement: Er war im Vorstand des Gemeinnützigen Vereins für Jugendliche "Wohngemeinschaften e. V.", der Bürgerinitiative für Bildung TABULA, des Vereins der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld e. V. und hat dort den "Dialog in Deutsch" als Gesprächsangebot "für alle Menschen, die in den letzten Jahren nach Deutschland zugewandert sind" initiiert.

Viele von uns verbinden auch persönliche Erinnerungen mit Ludwig Huber, dem großen Musikfreund und Bachkenner, leidenschaftlichen Leser und für einige von uns und unseren Ehemaligen auch dem Freund, den wir schmerzlich vermissen werden.

Für das Kollegium des Oberstufen-Kollegs
Dr. Jutta Obbelode, Dr. Michaele Geweke, Ian Voß