Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Forschungs- methoden
· Forschungsfragen
· Wirtschaftliche Situation nach der Trennung
· Umgang mit wirtschaftlichen Folgen
· Risikogruppen
· Risikofaktoren
· Politische Schlussfolgerungen
· Literatur und Links
· Das Projektteam


Überschrift
Alleinerziehende Frauen, die nach der Trennung die gemeinsamen Kinder betreuen, sind nicht per se eine Risikogruppe, jedoch weisen sie zum Teil mehrere Merkmale gleichzeitig auf, die ihnen eine Anpassung an die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen nach einer Trennung erschweren.

Ganz besonders deutlich wird dies bei der Analyse der Erwerbsbeteiligung nach einer Trennung, die sich bei Frauen mit Kindern sehr viel häufiger verändert als bei allen anderen analysierten Gruppen (kinderlose Frauen, Männer). Da Mütter vor der Trennung häufig nicht Vollzeit erwerbstätig und insofern stärker vom Einkommen ihrer Ehemänner abhängig sind, wächst speziell bei ihnen nach der Trennung der Druck und auch der Wunsch zur Ausweitung ihrer Erwerbsbeteiligung. Entsprechend arbeitet etwa ein Drittel von ihnen nach der Trennung mehr, und jede achte Frau mit Kindern (von den nicht Vollzeit erwerbstätigen Frauen jede siebte) würde gerne mehr arbeiten, kann dies aber nicht umsetzen.

Diese letztgenannte Gruppe kann als besondere Risikogruppe bezeichnet werden, da sie aufgrund geringer eigener Einkommen und Unterhaltszahlungen zu einem großen Teil auf Sozialleistungen angewiesen ist: Knapp 60 Prozent müssen Wohngeld beantragen, gut 40 Prozent beziehen Sozialhilfe. Als wesentliche Gründe, die eine Aufnahme oder Ausweitung der Erwerbsbeteiligung verhindern, erweisen sich eine geringe Bildung und noch nicht schulpflichtige Kinder, die zu betreuen sind.

Die schwierige finanzielle Situation spiegelt sich auch in den Einkommensanalysen wieder. Betrachtet man die absoluten Einkommensangaben, dann wird deutlich, dass die Frauen, die die Kinder nach der Trennung betreuen, über die geringsten (bedarfsgewichteten) Pro-Kopf-Einkommen aller Gruppen verfügen (nämlich über 18.056 DM im Jahr nach der Trennung).

Es ist anzunehmen, dass die engen finanziellen Spielräume auch Auswirkungen auf die mittelbar beteiligten Kinder haben. Die Folgen für die betroffenen Kinder waren zwar nicht Gegenstand der Untersuchung, jedoch können die Autoren zeigen, dass die Kinder sehr viel häufiger (nämlich zu 41 Prozent) ihre gewohnte Wohnumgebung verlassen müssen, wenn sie bei der Mutter verbleiben, als wenn sie von ihrem Vater betreut werden (hier beträgt der Anteil 31 Prozent). Hintergrund sind die beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Frauen, die sie häufig dazu zwingen, sich eine kostengünstige Wohnung zu suchen.


:: Auch ältere Frauen gehören zu den Risikogruppen

pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß, Dipl.-Soz. Barbara Borgloh, Dipl.-Soz. Miriam Güllner