Interviews & Features    

 
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Überschrift
Die wirtschaftliche Lage der Risikogruppen "alleinerziehende Frauen" und "ältere Frauen" (und die vieler anderer Frauen) wäre besser, würden sie ausreichende und verlässliche Unterhaltszahlungen erhalten, wenn schon nicht für sie selbst, dann doch zumindest für ihre Kinder.

Eine Analyse der Ursachen unzureichender Unterhaltszahlungen macht deutlich, dass Unterhaltsprobleme nicht nur ein Resultat mangelnder Zahlungsbereitschaft , sondern auch auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten eines Teils der Unterhaltspflichtigen zurückzuführen sind.

Diese Erkenntnis verweist schließlich auf eine dritte Risikogruppe: Die nicht leistungsfähigen Männer. Es ist schwierig, diese Gruppe genauer einzugrenzen, da man für die Abbildung der unterhaltsrechtlichen Bestimmungen genaue Angaben über die Einkommen und finanziellen Belastungen der Unterhaltspflichtigen haben muss, die im Rahmen einer Umfrage nur schwer in der notwendigen Detaillierung erfragt werden können.

In der Untersuchung beschränken sich die Autoren daher auf eine sehr vereinfachte Simulation der rechtlichen Grundlagen: Es wird untersucht, ob die befragten unterhaltspflichtigen Männer, gemessen an ihren persönlichen Einkommen vor der Trennung (andere Informationen standen nicht zur Verfügung), überhaupt leistungsfähig sind. Konkret wird überprüft, ob ihre um eine Pauschale für ehebedingte finanzielle Belastungen verminderten Nettoeinkommen vor der Trennung den Geldbetrag überschreiten, der einem Unterhaltspflichtigen nach Abzug der Unterhaltszahlungen rechtlich noch verbleiben muss (so genannter Selbstbehalt).

Diese Frage musste in mehr als 80 Prozent der Fälle bejaht werden. Auf der Basis dieses sehr groben Indikators muss der Anteil der nicht leistungsfähigen Männer also auf 10 bis 20 Prozent geschätzt werden.

Dass die häufig unzureichenden Unterhaltszahlungen (siehe
Tabelle 2) nicht nur dem Unwillen der Unterhaltspflichtigen sondern auch ihren geringen Einkommen geschuldet sind, wird indirekt auch aus anderen Indikatoren deutlich. So zeigt die Untersuchung beispielsweise, dass Unterhaltsprobleme in Ostdeutschland sehr viel häufiger auftreten als in Westdeutschland, was sicherlich nicht damit zu tun hat, dass die ostdeutschen Männer unwilliger als ihre westdeutschen Geschlechtsgenossen sind, sondern dass sie durch die schlechtere wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland ihren Zahlungspflichten stellenweise nur mit großer Mühe nachkommen können.

Auch die befragten unterhaltsberechtigten Frauen nennen an zweiter Stelle hinter der mangelnden Zahlungsbereitschaft immer das zu geringe Einkommen des getrennt lebenden oder geschiedenen Partners. Ähnliche Hinweise kommen auch von den befragten Richtern und Rechtsanwälten, insbesondere in Ostdeutschland. Von ihnen wird auch die pauschale Festsetzung des Selbstbehalts kritisiert, die von den lokal sehr unterschiedlichen Miet- und Lebenshaltungskosten kritisiert, welche die regional sehr unterschiedlichen Miet- und Lebenshaltungskosten nicht berücksichtigt. Die Untersuchung stellt daher fest, dass angesichts von Arbeitslosigkeit und geringen Erwerbseinkommen ein Teil der Männer seinen Zahlungspflichten nur mit großer Mühe nachkommen kann und dabei selbst in eine ökonomisch prekäre Lage gerät.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß, Dipl.-Soz. Barbara Borgloh, Dipl.-Soz. Miriam Güllner