Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Unterschwellige Reize
· Bielefelder Forschung zum Thema
· Maskierte Testreize
· Dissoziationen zwischen Handlung und Bewusstsein
· Hat die Legende doch Recht?
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Die erste Bestätigung dafür, dass die Verarbeitung unsichtbarer Testreize von unseren Absichten kontrolliert wird, lieferten Forschungsergebnisse von Neumann und Klotz (2).

In ihren Untersuchungen wurde den Versuchspersonen erst kurz vor dem unsichtbaren Testreiz mitgeteilt, nach welcher Reiz-Reaktions-Regel sie ihre Reaktion auszuführen hatten. Der Handlungsplan wurde also in jedem Durchgang - unvorhersehbar - neu festgelegt. Der Zeitraum zwischen der Mitteilung und dem Beginn der Reize betrug 250, 750 oder 1250 Millisekunden. Hatten die Versuchspersonen viel Zeit, um den Handlungsplan festzulegen (750 oder 1250 Millisekunden), fanden sich die typischen Reaktionszeitunterschiede zwischen der kongruenten, neutralen und inkongruenten Bedingung. Beim kürzesten Zeitraum zwischen Mitteilung und Reizen (250 Millisekunden) war ein Reaktionszeitunterschied hingegen nicht nachweisbar. 250 Millisekunden genügen also nicht, um einen Handlungsplan festzulegen, und ohne Handlungsplan wirkt sich ein unsichtbarer Testreiz nicht aus.

Für die Frage nach unterschwelliger Werbung ist dies ein wichtiges Ergebnis: Unterschwellige Werbung soll nämlich gerade dann wirken, wenn Menschen keinen bestimmten Handlungsplan haben - vor allem gerade dann, wenn man nicht die Absicht hat, ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Das ist nicht möglich!

Außerdem hat unser Kollege Peter Wolff von der Universität Osnabrück gezeigt, dass der Handlungsplan nicht zu kompliziert sein darf, wenn sich nicht-bewusste Information auswirken soll. Hat die Versuchsperson nur zwei Handlungsalternativen (beispielsweise die rechte oder die linke Hand zu bewegen), dann wirkt sich die nicht-bewusste Information aus. Hat sie aber vier Handlungsalternativen (beispielsweise den Zeige- oder Ringfinger der rechten oder linken Hand zu bewegen), dann ist die Wirkung schon viel kleiner (3,4).




pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Ingrid Scharlau & Dr. Ulrich Ansorge