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Bielefeld Graduate School

in History and Sociology

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Christian Meyer

Semantiken des Privaten in autobiographischen Deutungen des Nationalsozialismus

Zwar bestehen in der NS-Historiographie durchaus Annahmen über die Rolle des Privatlebens im nationalsozialistischen Alltag, die sich zwischen den Polen einer aufgelösten Privatsphäre und der Schaffung 'hermetisch abgeriegelter' Rückzugsräume bewegen. Den zeitgenössischen Bedeutungshorizonten des Privaten ist jedoch bislang keine Aufmerksamkeit zuteil geworden - und dies, obwohl sich die Relevanz von Begriffen wie "privat", "öffentlich" und "politisch" für das Handeln im nationalsozialistischen Alltag leicht ausmalen lässt. Das zeitgenössische Wissen darüber, ob zum Beispiel eine Kommunikationssituation noch als "privat" im Sinne von "vertraulich" galt oder ob sie bereits öffentlich war, konnte je nach Gesprächsthema für die betroffenen Personen eine zentrale Bedeutung einnehmen. Nicht weniger wichtig war für viele verfolgte und regimekritische Deutsche die Frage, inwieweit eine bestimmte Bemerkung an öffentlichen Orten wie einer Kneipe oder einem Geschäft als "politisch" missdeutet werden könnte.

Die zentrale Frage des Dissertationsprojektes lautet daher, welchen Einfluss die nationalsozialistische Verfolgungs- und Kontrollpolitik auf zeitgenössische Vorstellungen des Privaten in Relation zu den Begriffen des Öffentlichen und Politischen hatte. Es verfolgt die semantischen Konfliktlinien zwischen einem expansiven nationalsozialistischen Politikbegriff sowie den als "privat" vorgestellten Lebensbereichen verfolgter Deutscher und fragt, inwieweit die binär codierte Deutungskategorie "privat" / "öffentlich" die sinnhafte Interpretation biographischer Erfahrungen von Überwachung, Kontrolle und Verfolgung strukturierte.

Eine Studie, die sich spezifischen Sprachgebräuchen zu ausgewählten historischen Zeitpunkten widmet, bedarf entsprechender Quellen. Aus diesem Grund beruht das empirische Fundament des Dissertationsprojektes auf autobiographischen Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es handelt sich um Lebensbeschreibungen emigrierter Frauen und Männer aus den Jahren 1939/40, welche über die semantischen Konfigurationen des Privaten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs Auskunft geben. Das an der Schnittstelle von Sprach- und Geschichtswissenschaft gelegene Forschungsfeld über die Rolle und Funktion von Sprache und Kommunikation im Nationalsozialismus beschäftigte sich lange Zeit vorwiegend mit der Sprache der Täter. Anhand der Quellenauswahl wird hingegen deutlich, dass das Dissertationsprojekt - neuere Forschungstendenzen aufnehmend - nach der Sprache jener Gruppe von Menschen fragt, die entweder direkt der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis ausgesetzt war oder ihr zumindest kritisch gegenüber stand.






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