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Bielefeld Graduate School

in History and Sociology

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Miriram Bröckel

E-Mail: miriam.broeckel@uni-osnabrueck.de

Web: https://www.sozialwissenschaften.uni-osnabrueck.de/institut/fachgebiete/methoden_sozialstruktur/mitarbeiterinnen.html

Rücken- oder Gegenwind? - Die Rolle des Partners für den Erwerbsverlauf

Frauen sind heutzutage im Durchschnitt schulisch und beruflich besser ausgebildet als Männer und schließen häufiger ihr Studium ab. Trotzdem sind Frauen in Managementpositionen der Privatwirtschaft mit 27% im Vergleich zu Männern deutlich unterrepräsentiert (Holst und Busch 2010) und verdienen in gleichwertigen Positionen häufig weniger (Kleinert et al. 2007). Frauen stoßen hier immer wieder an die sogenannte "gläserne Decke", die den Zugang zu Führungspositionen versperrt (Morrison und von Glinow 1990).

Geschlechtsspezifische Unterschiede finden sich aber nicht erst beim letzten Schritt der Karriereleiter, dem Aufstieg in Führungspositionen, sondern beginnen bereits bei den Berufsfindungsprozessen und verstärken sich im Laufe des Erwerbslebens noch durch die Segregation des Arbeitsmarkts: Frauenberufe sind meist schlechter bezahlt und statusniedriger, haben geringere Arbeitsmarktchancen und bieten schlechtere Karrieremöglichkeiten als Männerberufe. Die Arbeitsmarktsegregation führt so zu einer kumulativen Benachteiligung von Personen in Frauenberufen und kann als Schlüsselmechanismus verstanden werden, der soziale Ungleichheit zwischen Männern und Frauen erzeugt und reproduziert.

Die meisten Untersuchungen ziehen zur Erklärung der Chancenungleichheit der Geschlechter wichtige erklärende Faktoren wie Unterschiede im Humankapital, institutionelle und politische Rahmenbedin-gungen oder allgemeine Familienmerkmale heran. Vernachlässigt wird in diesem Zusammenhang jedoch häufig die Tatsache, dass der Lebenslauf und die Lebensentscheidungen eines Menschen nicht isoliert zu betrachten sind, sondern immer beeinflusst werden von den Lebensläufen und Lebensent-scheidungen der Menschen, mit denen man in sozialer Beziehung steht. Das von Elder (1994) entwickelte Konzept der "linked lives" und das daraus weiterentwickelte Konzept der ?coupled careers? von Moen (Han und Moen 1999) helfen, familiale Zusammenhänge und Kontexte, die beim Karrierever-lauf eine Rolle spielen, umfassender zu betrachten, wobei insbesondere dem Lebens- oder Ehepartner eine zentrale Bedeutung zukommt. Bisherige Studien behandeln den Partner meist als Kontextvariable, anstatt das Paar als "Handlungseinheit und die Verflechtung der Erwerbsverläufe der Partner als Produkt gesellschaftlich strukturierter Geschlechterbiografien sowie innerpartnerschaftlicher Beziehungs- und Koordinierungsarrangements zu berücksichtigen (Solga und Wimbauer 2005: 17). Orientiert an dem Dreiebenenmodell von Solga und Rusconi (Solga und Rusconi 2011), geht das vorliegende Promotionsvorhaben davon aus, dass verschiedene Mechanismen auf der 1) individuellen, 2) paarexternen und 3) paarinternen Ebene zur Genese von Ungleichheiten bezüglich der Arbeitsmarktchancen von Männern und Frauen führen können.

Um die auf der internen Paarebene stattfindenden Verhandlungsprozesse zu verstehen, wird auf etablierte Theorien zurückgegriffen, die unterschiedliche Annahmen beinhalten, wie die Ressourcen des Partners die berufliche Karriere beeinflussen können. Je nach Theorie kann ein positiver oder auch negativer Effekt der Partner-Ressourcen erwartet werden. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Ho-mogamie zwischen den Partnern und soziale Unterstützungsleistungen Einfluss auf die Karriere des Partners nehmen.

Die zentrale Fragestellung des hier vorgestellten Dissertationsvorhabens ist, ob ein Partner den Erwerbsverlauf des anderen Partners positiv beeinflusst und Rückenwind gibt oder ob ein Partner wichtige Ressourcen zurückhält und so eher mit Gegenwind zu rechnen ist. Zwei Besonderheiten sind dabei hervorzuheben: Zum einen verfolgt die Arbeit einen relationalen Ansatz, in dem verschiedene Partnerschaftskonstellationen (z.B. Berufskonstellationen, Bildungsrelation, innerfamiliäre Arbeitsteilung) berücksichtigt werden. Zum anderen geht das Dissertationsvorhaben über die Betrachtung reiner "Dual Career Couples" - wie in vielen Studien gängig - hinaus, indem auch Partnerkonstellationen berücksichtigt werden, in denen beispielsweise einer der Partner dauerhaft oder temporär nicht erwerbstätig, nur in Teilzeit oder geringfügig berufstätig ist. Um die Forschungsfrage zu beantworten, wird für das Dissertationsvorhaben eine Sekundäranalyse mit dem Sozio-ökonomischen Panel (kurz SOEP) durchgeführt (vgl. Wagner et al. 2008). Mit dem SOEP können Personen über einen längeren Zeitraum hinweg und somit auch die Entwicklung im Erwerbsverlauf beobachtet werden. Gleichzeitig liegen auch Informatio-nen über den Partner, die Geburt und Alter der Kinder etc. vor, so dass eine umfassende Analyse des Kontexts ermöglicht wird.






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