Universität Bielefeld

Umweltgeschichte der Amerikas

Am Center for InterAmerican Studies Bielefeld werden historische Prozesse der Mensch-Natur-Interaktion und -Transformation unter dem Konzept der Verflechtung und einer dekolonialen Perspektive erforscht und gelehrt. Der geographische Fokus liegt dabei klar auf beiden Amerikas und der Karibik und auf den inter-amerikanischen Verbindungslinien zwischen den beiden Subkontinenten und dem karibischen Archipel. Dieser Schwerpunkt ist jedoch nicht ohne die ungleichen transatlantischen Handels-, Wissens-, Kultur- und (Zwangs-)migrationsströme der Europäischen Expansion zu verstehen, die somit immer mitgedacht und sichtbar gemacht werden müssen. Wir betrachten am CIAS folglich historisch gewachsene Prozesse der Mensch-Natur-Interaktion und -Transformation und aus ihnen erwachsende ungleiche Machtstrukturen in interdisziplinärer Perspektive.

Im Zeitalter des Anthropozäns, d.h. dem Zeitalter des menschgemachten Klimawandels, der anhaltenden extraktivistischen Überausbeutung und Zerstörung von Ökosystemen, dem Verlust der Biodiversität und des Ökozids sowie weiterer, Mensch und Natur bedrohender Prozesse, ist es unabdingbar, nicht nur die Probleme der Gegenwart zu studieren und zu verstehen, sondern die komplexen, historischen Prozesse, die zu diesem Punkt geführt haben, zu beleuchten. Denn zum Teil beruhen die wicked problems der Gegenwart (z.B. die sozialverträgliche Transformation fossiler Energiesysteme) auf über die lange Zeitdauer gewachsenen historischen Begebenheiten, die häufig lokale und globale, politische, soziale, wirtschaftliche und naturräumliche Faktoren beinhalten.

Im deutsch-lateinamerikanischen Maria Sibylla Merian Center for Advanced Latin American Studies (CALAS) in Guadalajara, Mexiko, leiten Eleonora Rohland und Olaf Kaltmeier zusammen mit KollegInnen der Universität Guadalajara die interdisziplinäre Forschungslinie "Umweltkrisen bewältigen". Dieses Thema steht für uns ganz im Zeichen des Anthropozäns, des Zeitalters, in dem der Mensch zur planetarischen Kraft geworden ist. Ausgehend vom Konzept der Planetarischen Grenzen untersucht eine Gruppe aus deutschen und lateinamerikanischen Forscher*innen die historischen und sozio-ökologischen Dimensionen dieser bisher vor allem naturwissenschaftlich bestimmten Grenzen aus der besonderen Perspektive Lateinamerikas.

Im Weiteren interessieren uns auch die Faktoren des Naturschutzes und Naturerbes, der Klima- und Katastrophengeschichte, der Gesundheits-, Ernährungs- und Körpergeschichte, des indigenen Umweltwissens, der Ressourcen- und Energiegeschichte sowie der historisch-literarischen Naturwahrnehmung und -darstellung.