Universität Bielefeld

Lectures for Future:
Der Mensch in einer begrenzten Umwelt

Coming Up

Wege in die Nachhaltigkeit:
Strom und Stromnetze

Prof. Dr. Walter Pfeiffer
(Universität Bielefeld, Physik)
Prof. Dr. Jens Haubrock
(Fachhochschule Bielefeld, Ingenieurwissenschaften)
Do., 16.07.20, 18-20 Uhr
Online-Seminar (Zoom)

Link und Zugangsdaten Zoom:
https://uni-bielefeld.zoom.us/j/97986828864?pwd=eVRNc1I4Z0JpOThlQ3ZWYTFScHdMUT09 Meeting ID: 97986828864
Passwort: 008038

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld laden zu der neuen interdisziplinären Vortragsreihe "Lectures for Future: Der Mensch in einer begrenzten Umwelt" ein.

Menschliches Handeln führt zu langfristigen Veränderungen auf der Erde, mittlerweile in einem solchen Ausmaß, dass Geologen dafür einen neuen Epochenbegriff, das sogenannte Anthropozän, das Zeitalter des Menschen, vorgeschlagen haben. Erderwärmung, das Massenaussterben von Tier- und Pflanzenarten sowie Ansammlungen von Schadstoffen und Plastikmüll gefährden lokale und globale Lebensgrundlagen.

Interview mit den Organisator*innen der Lectures for Future.

Die Biologin PD Dr. Anne-Kathrin Warzecha, die Historikerin Professorin Dr. Eleonora Rohland und der Physiker Dr. Matthias Schmidt-Rubart sind die Initiatoren der neuen Vortragsreihe "Lectures for Future: Der Mensch in einer begrenzten Umwelt". Sie laden interessierte Menschen aus der Universität und aus Stadt und Region zu den Vorträgen ein. Die Initiatorengruppe freut sich über eine kritische und konstruktive Diskussion mit interessierten Laien und Fachleuten, Studierenden und Bürgerinnen und Bürgern. Insbesondere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und Studierende sind ausdrücklich zur aktiven Teilnahme eingeladen.

Ziel ist die gemeinsame Diskussion über wissenschaftliche Untersuchungen, ihre Bedeutung für die Gesellschaft und auch über mögliche Maßnahmen zur Abwehr der Klima- und Umweltschäden. Ganz bewusst überschreiten die Vorträge die Disziplinengrenzen, insbesondere auch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die Probleme des Anthropozäns, von denen der Klimawandel nur eines ist, seien so komplex, dass weder Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler noch Forschende aus der Soziologie, der Ökonomie oder der Geschichtswissenschaft allein Lösungen für sie finden können, so die Initiatorengruppe. Sie möchte mit dieser Veranstaltungsreihe, die in unregelmäßigen Abständen Vorträge in der Universität Bielefeld und der Bielefelder Innenstadt anbietet, nicht nur die Wissenschaft mit den Bürgerinnen und Bürgern in einen näheren Dialog bringen, sondern auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander.

Im Gespräch mit dem Podcast "Praktisch Theoretisch" berichten die Veranstalter*innen über Ideen und Ziele der Veranstaltungsreihe. Wie kann der Diskurs über Klimawandel und Umweltprobleme eine breite Öffentlichkeit ansprechen und welche Chancen bietet der Austausch von Wissenschaft, Politik und Bevölkerung?

Zum Auftakt spricht der Biologieprofessor Dr. Oliver Krüger am Dienstag, 15. Oktober, um 18.15 Uhr im Hörsaal 5 zu "Klimawandel in der Gefriertruhe der Erde".

"Was hat Nachhaltigkeit mit Billard, Gänseblümchen, Pachinko und dem Papst zu tun?

Weitere Darsteller in diesem Vortrag: Die Erde, diverse Kippelemente, der Meeresspiegel, das Holozän, ein paar planetare Belastungsgrenzen, das Anthropozän, die große Beschleunigung, der Mensch, die Erdsystemforschung, die Komplexität, die Statistik, der globale Organismus, die Hitze, das Boot in dem wir alle sitzen, und ein Trittbrettfahrer-Anreiz. Und am Ende vielleicht ein Rollenspiel.

Hier geht es um's große Ganze: unseren Planeten, auch genannt "das Erdsystem", mit allen seinen natürlichen und menschgemachten Teilen, seinen Zustand insgesamt, unseren Einfluß darauf, und was wir bereits bewirkt haben und noch bewirken können und sollten. Was sind die Planetaren Belastungsgrenzen aus dem Holozän, die wir jetzt im Anthropozän zu überschreiben drohen, und was haben diese mit den ominösen Kippelementen und der großen Beschleunigung im 20. Jahrhundert zu tun? Warum muss die Erdsystemforschung Statistik verwenden und was hat das mit der Komplexität des Systems zu tun? Und schließlich: Was folgt aus alledem und können wir einen Klimavertrag aushandeln?

Der Vortrag wird gehalten von Dr. Jobst Heitzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Geschichte des Klimawandels - und der Beitrag des Menschen

Woher wissen wir eigentlich, wie das Klima in der Vergangenheit war? Wie weit muss man in der Erdgeschichte zurückgehen, um beurteilen zu können, ob wir uns heute wirklich in einer ?Klimakrise? befinden? Und seit wann wissen wir über steigende CO2-Konzentrationen und ihre Relevanz für die menschliche Gesellschaft Bescheid?

Diese Fragen beantworten der Physiker Prof. Dr. Walter Pfeiffer (Bielefeld), der am Beispiel der Eisbohrkerne zeigt, wie CO2-Konzentrationen und Temperaturen aus der Vergangenheit rekonstruiert werden, und der Historiker Dr. Franz Mauelshagen (Wien), der die politische Geschichte des Wissens über steigende CO2-Konzentrationen erläutern wird. Der Abend wird moderiert von Prof. Dr. Eleonora Rohland (Bielefeld) und PD Dr. Anne-Kathrin Warzecha (Bielefeld).

Manche mögen's heiß: Wie die Erderwärmung eine globale Ausbreitung invasiver Aliens in Gang gesetzt hat

Lange Zeit waren Städte Hotspots gebietsfremder Arten. Von dort konnten sich einige wenige Aliens nach der Eingewöhnung auch ins Umland wagen. Mit dem Klimawandel steigt das Invasionspotential nicht-heimischer Arten und Städte werden immer mehr zu Ausbreitungszentren von Exoten in die freie Landschaft. Aber: Klimawandel betrifft alle (Arten)! Aliens haben jedoch meist eine hohe Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen (Hitze, Trockenheit) und ihr Ausbreitungspotential ist enorm. So werden in Zukunft bei uns in Deutschland Probleme mit der hochallergenen Ambrosie, oder der Tigermücke (mit gefährlichen Krankheiten im Gepäck) zum Alltag gehören. In der Natur werden wir uns demnächst am Anblick von Hanfpalmen, Paulownien, Götterbäumen oder Halsbandsittichen erfreuen können und Städtplaner haben schon Ersatzbäume aus Übersee im Gepäck mit denen sie den sich verändernden Bedingungen in unseren Städten begegnen wollen. Jedoch: beide Prozesse sowohl der Klimawandel als auch die Ausbreitung gebietsfremder Arten haben unterschiedliche Ursachen. Sie sind hochkomplex und dynamisch und hängen nicht 1:1 voneinander ab.

Pestizide - Risiken und Nebenwirkungen

Pestizide werden seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft eingesetzt um Pflanzen vor Schädlings-und Pilzbefall sowie vor Konkurrenz durch andere Pflanzen zu schützen. Ernteausfälle sollen damit vermieden und Erträge maximiert werden. Gegen diverse Pestizide wurden jedoch bereits Resistenzen entwickelt und resistente Organismen können sich umso erfolgreicher ausbreiten. Spuren von Pestiziden reichern sich in unseren Ökosystemen an und können bei Nicht-Zielorganismen Schäden auf diversen Ebenen auslösen.

Die Biologin Prof. Dr. Caroline Müller (Uni Bielefeld) wird einige der Risiken und Nebenwirkungen für Lebensgemeinschaften aufzeigen während der Historiker Dr. Jürgen Büschenfeld (Uni Bielefeld) darauf zurückblickt, wie sich die Problemlagen und das Wissen um Pestizide und ihre Nebenfolgen seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben.

Vortrag von Prof. Dr. Johannes Steidle, Universität Hohenheim

Spätestens mit dem Bekanntwerden der "Krefelder Studie" zum Insektenrückgang im Herbst 2017 ist auch der Öffentlichkeit klar geworden, dass das Artensterben nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in Mitteleuropa stattfindet. Seitdem wird über die Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen diskutiert.

In dem Vortrag wird zunächst ein Überblick über die aktuelle Datenlage gegeben. Er belegt, dass der Insektenrückgang real ist und sich mit einer erschreckenden Geschwindigkeit vollzieht. Anschließend wird auf die Folgen des Insektenrückganges eingegangen und die Reihe möglicher Ursachen anhand der aktuell bekannten Daten diskutiert. Schließlich werden Gegenmaßnahmen vorgeschlagen, welche von Seiten der Politik, der Landwirtschaft, Kommunen und von Privatpersonen ergriffen werden sollten, um dieses gesamtgesellschaftliche Problem zu lösen.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
aufgrund eines Problems mit dem Fokus der Kameralinse nimmt die Bildschärfe teilweise deutlich ab. Wir entschuldigen uns für die stellenweise nicht zufriedenstellende Qualität der Aufnahme!

Lectures For Future: Der Mensch in einer begrenzten Umwelt
Wie passen wir uns an den Klimawandel an?

Eine kritische Reflexion über Formen und Herausforderungen

Was ist Anpassung? Woran müssen sich soziale Akteure und Akteurinnen überhaupt anpassen? Wie adaptieren sich Menschen in unterschiedlichen Regionen der Welt an Klimawandel? Was sind die wichtigsten Herausforderungen in der Anpassung an den Klimaveränderungen? Die Beantwortung dieser und ähnlicher Fragen ist vital, um Adaptionsprozesse (u. a. an den Klimawandel) in Gesellschaften besser zu verstehen.

Im Vortrag wird versucht Anpassung an den Klimawandel genauer zu erklären und kritisch zu hinterfragen. Im Einzelnen bedeutet dies, dass zunächst das Konzept der sozialen Anpassung, die Formen und Kontextbedingungen genauer beleuchtet werden. Am Beispiel der regionalen und grenzüberschreitenden Migration wird anschließend aufgezeigt, inwiefern soziale Anpassung Gesellschaften vor diverse Herausforderungen stellt.

Diese Fragen werden nach dem Vortrag im Gespräch mit der Bielefelder Umwelthistorikerin Prof. Dr. Eleonora Rohland vertieft. Die Diskussion wird von Gerd Kurbjuhn (VHS) moderiert.