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AG 10: Migrations­pädagogik und Rassismus­kritik

Forschung & Projekte

"In-Formelle Möglichkeiten und Grenzen der Hochschulbildung im Spiegel der Erfahrung Geflüchteter an deutschen Hochschulen (ErgeS)" (Förderung: VW-Stiftung)

Informelle Hürden oder Barrieren für Studierende sind in der an Paradigmen sozialer Ungleichheit anschließenden Hochschul­forschung zwar gut untersucht, allerdings nicht mit Bezug auf geflüchtete Studierende und mit Bezug auf hochschulische Normalitätsstrukturen.

Das Forschungsprojekt fragt danach, welche Möglichkeiten und Barrieren des formellen und informellen Zugangs zum Studium sowie der Zugehörigkeit zur Hochschule Geflüchtete vor dem Hintergrund ihrer bildungsbiographischen Erfahrungen im trans­nationalen akademischen Raum erfahren, wie sie diese deuten und bewerten und welche Hinweise ihre Erfahrungen und Deutungen auf allgemeine formelle und informelle Barrieren an Hochschulen geben. Damit steht nicht die Perspektive der Institution in ihrem (administrativen) Umgang mit Geflüchteten im Mittelpunkt, sondern Erfahrungen und Wissen geflüchteter Studierender hinsichtlich Einschließungs- und Ausschließungsphänomene und -mechanismen des Hochschulraums. Mit dieser Fokussierung auf die Wahrnehmung und Deutung des deutschen Hochschulsystems durch Geflüchtete selbst eröffnet das beantragte Forschungsprojekt eine im Kontext von Flucht, globaler Ungleichheit und akademischer Bildung noch eher unbearbeitete Perspektive. Diese zielt auf die Generierung von Erkenntnissen zur (Dis-)Funktionalität des Hochschulsystems im Umgang mit den durch Fluchtmigration einhergehenden, gleichwohl nicht auf diese begrenzten Bildungsherausforderungen des transnationalen akademischen Bildungsraumes.

Das Forschungsprojekt bezieht sich auf das migrationspädagogische Konzept der Zugehörigkeitserfahrung. Erfahrung der Zugehörigkeit im und zum hochschulischen Kontext, die über eine rein formelle Mitgliedschaft hinausgehen, sind für (akademische) Bildungsprozesse - Erweiterung der eigenen akademischen Handlungsfähigkeit sowie des eigenen reflexiv-kritischen Denkens - von zentraler Bedeutung. Als zentrale Datenerhebungsmethode dienen ca. 40 narrativ-biographische Interviews mit geflüchteten Studierenden, denen ein Zugang zur Hochschule gelungen ist. Die Untersuchung wird an jeweils drei Universitäten und Fachhochschulen innerhalb Deutschlands durchgeführt. Ergänzt werden die Einzelinterviews durch Gruppengespräche, welche kulturelle Zugehörigkeitserfahrungen im hochschulischen Kontext zum Thema machen. Die Daten werden so interpretiert, dass mittels der Rekonstruktion der Studien- und Zugehörigkeitserfahrungen Möglichkeiten und Barrieren des formellen und informellen Zugangs zum Studium sowie der Zugehörigkeit zur Hochschule für Geflüchtete identifiziert werden.


Laufzeit:
März 2018 bis Februar 2021

Projektleiter*innen:

  • Prof. Dr. Paul Mecheril (Universität Bielefeld)
  • Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu (Universität Bremen)
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
  • Noelia P. Streicher, Dipl.-Päd. (Universität Bielefeld)
  • Lukas Engelmeier, M.A. (Universität Bremen)

Förderung:
  • VW-Stiftung

Kontakt:
n.streicher@uni-bielefeld.de
"Political Literacy in der Migrationsgesellschaft. Eine ethnografische Studie politischer Praxis in Schulen der Cities Berlin, Wien und Zürich (PLIM)" (Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft, Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Wissenschaftsfonds Österreich)

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts werden die Bedingungen für Bildungsprozesse in Bezug auf die politische Dimension des Sozialen untersucht. Hierzu werden die unterschiedlichen Formen politischer Artikulation von 13- bis 15-jährigen Schüler/innen ausgewählter Schulen der Cities Berlin, Wien und Zürich erhoben, um darüber Formen demokratischer Bildung (Political Literacy), ihre sozialen (Ermöglichungs-)Bedingungen und Effekte empirisch und theoretisch identifizierbar und theoretisierbar zu machen.

Literacy/Bildung wird in dem Projekt allgemein als normativ angemessener, kontextspezifischer Umgang mit sprachlich gefassten, gesellschaftlichen Fragen gefasst. Vor diesem Hintergrund wird Political Literacy als eine spezifische Form einer kontextrelationalen Artikulationspraxis untersucht, die auf Fragen einer ?guten? (migrations-) gesellschaftlichen Ordnung gerichtet ist. Political Literacy zeichnet sich hierbei durch Wissen über politische Sachverhalte, den Grad erfahrungsbezogener Selbstreflexion bezogen auf diese Sachverhalte sowie das Eintreten für angemessene politische Standpunkte aus. Ziel des Projektes ist es einen empirisch-begründeten Beitrag zu einer kontextrelationalen Theoretisierung des Literacy-Begriffes zu leisten.

Mittels der komplementären In-Beziehung-Setzung von Schulen aus drei Global Cities und der Integration unterschiedlicher Forschungsstrategien und -methoden arbeitet das Projekt mit einem innovativen Forschungsdesign, das bereits in der Anlage des Projektes versucht, sowohl methodologische Nationalismen als auch mikrokontextuelle und technologische Reduktionismen von Literacy/Bildung reflektierbar zu machen.


Laufzeit:
1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2020

Wissenschaftliche Leitung:

  • Prof. Dr. Paul Mecheril (Universität Bielefeld, lead)
  • Prof. Dr. Roland Reichenbach (Universität Zürich)
  • Prof. Dr. Michaela Ralser und Prof. Dr. Erol Yildiz (Universität Innsbruck)

Förderung:
Das Projekt wird im Rahmen der D-A-CH Lead-Agency Vereinbarung zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaft­lichen Forschung (SNF) und dem Wissenschaftsfonds (FWF) in Österreich finanziert.

Kooperationspartner:
  • Prof. Dr. Wassilios Baros (Universität Salzburg)
  • Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen an der Universität Bielefeld:
  • Roxana Dauer
  • Daniel Krenz-Dewe
"Pädagogisches Können in der Migrationsgesellschaft" (Förderung: Stiftung Mercator)

Migration prägt gesellschaftliche Kontexte in umfassender Weise. Daher sind migrationsgesellschaftliche Differenz-, Dominanz- und Ungleichheitsverhältnisse sowohl Gegenstand als auch Voraussetzung von (schulischen) Bildungsprozessen. Unter diesen Bedingungen ist ein wesentlicher Bestandteil pädagogischen Könnens von Lehrer/innen, der Pluralität migrationsgesellschaftlicher Positionierungen und (Bildungs-) Biographien Rechnung zu tragen und dabei gleichzeitig stereotypisierende und stigmatisierende Fest- und Zuschreibungen zu reflektieren und zu vermeiden. Differenzsensibilität und Diskriminierungskritik stellen demnach grundlegende Dimensionen pädagogischen Handelns in der Schule der Migrationsgesellschaft dar. Diese Perspektive ist zentral für das Kooperationsprojekt „Pädagogisches Können in der Schule der Migrationsgesellschaft“ der Universitäten Bremen und Bielefeld, welches im Sinne eines langfristigen Entwicklungs- und Transferprozesses der hier skizzierten Perspektive zunächst die folgenden drei Projektphasen umfasst:

Projektphase I (09/2016 bis 10/2017)

Qualitativ-interpretative Untersuchung zu migrationsgesellschaft­lichen Thematisierungspraktiken in relevanten Bezugstexten der Lehrer*innen-Bildung.

Im Mittelpunkt der ersten Projektphase steht die qualitativ-interpretative Untersuchung relevanter Bezugstexte der Lehrer/innen-Bildung (bspw. Curricula, Modulbeschreibungen, KMK-Empfehlungen und rechtliche Vorgaben) im Hinblick auf migrationsgesellschaftliche Thematisierungspraktiken.

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:

  • Saphira Shure (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
  • Dr.'in Anna Aleksandra Wojciechowicz (Universität Bremen)

Finanzierung:

  • Stiftung Mercator
Projektphase II (10/2017 bis 12/2018)

Internationale Tagung „Failing Identities, Schools and Migrations - Teaching in (Trans)National Constellations“ vom 26.10. bis 28.10.2018 an der Universität Bremen

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:

  • Saphira Shure (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
  • Aysun Doğmuş (Universität Bremen)
  • Lydia Heidrich (Universität Bremen)

Finanzierung:

  • Stiftung Mercator
  • DFG
  • Wolfgang-Ritter-Stiftung
  • Hertie-Stiftung
Projektphase III (bis 06/2020)

Internationale Perspektiven auf pädagogisches Können in der Migrationsgesellschaft (Publikationsprojekt)

Im Anschluss an die internationale Konferenz FISM wird ein englischsprachiger Sammelband zu den Konferenzthemen wie Migration, Identität, Zugehörigkeiten, Machtverhältnisse, School, Pädagogik und Lehrer*innenbildung veröffentlicht.