Universität Bielefeld

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Interdisciplinary Centre
for Health Literacy
Research

Gesundheitskompetenz: Gutes Corona-Wissen in der Bevölkerung

Aber Verunsicherung durch ein Übermaß an Fehlinformationen

 

"Ergebnisbericht Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung"

"Englischer Fachartikel zur Studie"

"Veröffentlichung im Monitor Versorgungsforschung"

 

Die große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland fühlt sich über die Corona-Pandemie gut oder sogar sehr gut informiert. Das ergibt eine repräsentative Befragung von 1.000 Personen ab 16 Jahren, die im Auftrag des Interdisziplinären Zentrums für Gesundheitskompetenzforschung der Universität Bielefeld und des Department of Public Health and Education der Hertie School of Governance in Berlin vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde. Schwerpunkt der Befragung war die ?Gesundheitskompetenz? der Bürgerinnen und Bürger, worunter ihre Einschätzung verstanden wird, wie gut es gelingt, die Informationen zur Corona-Pandemie zu finden, zu verstehen und auf dieser Basis Konsequenzen für das eigene Verhalten zu ziehen. Die insgesamt positive Einschätzung der Bevölkerung ist nach Ansicht des Forschungsteams auf die klaren Entscheidungen der politischen Akteurinnen und Akteure und die Maßnahmen der behördlichen Einrichtungen zurückzuführen, die insgesamt als verständlich und nützlich wahrgenommen werden.

Wie die Studie zeigt, fühlen sich 29 Prozent der Befragten sehr gut informiert, weitere 61 Prozent gut. Lediglich neun Prozent halten sich für weniger gut informiert, nur ein Prozent der Bevölkerung für gar nicht gut. Annähernd 90 Prozent beurteilen es als einfach oder sehr einfach, im Internet Informationen über Verhaltensweisen zu finden, die helfen, einer Infektion mit dem Coronavirus vorzubeugen oder die Anweisungen des eigenen Arztes, Apothekers oder von Pflegekräften zu Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus zu verstehen.

Das Forschungsteam war von diesem positiven Ergebnis überrascht, weil bisherige Untersuchungen ergeben hatten, dass über die Hälfte der Bevölkerung grundsätzlich große Schwierigkeiten hat, die nötigen Informationen über gesundheitliche Vorbeugung und den Umgang mit Krankheiten zu finden und richtig einzuordnen. ?Über das Krankheitsbild von Corona haben die Menschen aber offenbar so viele Informationen und über die Beschlüsse von Bund und Ländern so viele konkrete Verhaltensanweisungen erhalten, dass sie sich sicher fühlen?, so der Koordinator des Forschungsteams Dr. Orkan Okan von der Universität Bielefeld. Die Ergebnisse dieser Studie müssten vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass Informationen zum Coronavirus den Lebensalltag gegenwärtig sozial und digital vollumfänglich durchdringen und eine hohe Alltagsrelevanz besitzen.

Allerdings kommt die Studie auch zu einem problematischen Befund: Eine Mehrheit der Bevölkerung (56 Prozent der Befragten) fühlt sich in der gegenwärtigen Krise durch die Vielfalt an Informationen zum Thema COVID-19 verunsichert und weiß nicht mehr genau, welchen Informationen sie trauen sollen. Die Verunsicherung ist in der jungen Bevölkerung verbreiteter als unter Älteren: Personen unter 45 Jahren empfinden zu 14 Prozent große Verunsicherung, weitere 47 Prozent sind etwas verunsichert. Ab 60-Jährige sind dagegen zu sieben Prozent sehr und zu 39 Prozent etwas verunsichert, welchen Informationen sie im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie trauen sollen.

 

Autorinnen und Autoren: Orkan Okan, Steffen de Sombre, Klaus Hurrelmann, Eva-Maria Berens, Ullrich Bauer, Doris Schaeffer

 

Dr. Orkan Okan ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzfor-schung an der Universität Bielefeld.

Dr. Steffen de Sombre ist Projektleiter am Institut für Demoskopie Allensbach.

Dr. Klaus Hurrelmann ist Professor für Public Health and Education an der Hertie School, The University of Gov-ernance in Berlin

Dr. Eva-Maria Berens ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenz-forschung.

Dr. Ullrich Bauer ist Professor für Sozialisationsforschung und Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Gesund-heitskompetenzforschung (IZGK) an der Universität Bielefeld.

Dr. Doris Schaeffer ist Senior-Professorin für Versorgungsforschung und Leiterin des Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung an der Universität Bielefeld.

 

 

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