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Interdisciplinary Centre
for Health Literacy
Research

HLS-Ger 2: Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland
 

Gesundheitskompetenz im Jahr 2020

"Ergebnisbericht HLS-Ger 2"

"English Summary HLS-Ger 2"

 

Mit dem zweiten Health Literacy Survey Germany (HLS-GER 2) erfolgte eine erneute, methodisch weiterentwickelte Messung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland und ein Vergleich der Gesundheitskompetenz vor und während der Corona Pandemie. Er ist Teil des internationalen Health Literacy-Surveys (HLS19). Erstmals wurden außerdem die digitale, die navigationale und kommunikative Gesundheitskompetenz untersucht. Diese Studie bestätigt die Verschlechterung der Gesundheitskompetenz in Deutschland und zeigt außerdem, dass die digitale Gesundheitskompetenz wie auch die Kompetenz im Bereich der Navigation in Deutschland sehr schwach ausgeprägt sind. Bei vielen der untersuchten Themen zeichnen sich während der Corona Pandemie leichte Verbesserungstendenzen ab; das gilt besonders für die digitale Gesundheitskompetenz. Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich, wie wichtig es ist, die Förderung der Gesundheitskompetenz und die dazu nötige Interventionsentwicklung zu intensivieren.

Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 58,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland weisen nach dem HLS-GER 2 eine geringe Gesundheitskompetenz auf. Während der Corona Pandemie hat sich die Gesundheitskompetenz um 3 Prozentpunkte verbessert.
  • Zu den Personengruppen mit durchschnittlich geringerer Gesundheitskompetenz gehören Menschen mit niedrigem Bildungsniveau (78,3 Prozent), mit niedrigem Sozialstatus (71,9 Prozent), ab 65 Jahren (65,1 Prozent), mit chronischer Erkrankung (62,3 Prozent), mit Migrationshintergrund (63,1 Prozent) und im Alter zwischen 18 und 29 Jahren (60,7 Prozent).
  • Die Beurteilung von Informationen fällt der Bevölkerung am schwersten: 74,9 Prozent der Befragten verfügen hier über eine geringe Gesundheitskompetenz. Auch bei der Anwendung von Gesundheitsinformation ist der Anteil geringer Gesundheitskompetenz mit 53,7 Prozent relativ hoch. Nach Ausbruch der Corona Pandemie hat sich die Gesundheitskompetenz bei allen Schritten der Informationsverarbeitung tendenziell verbessert.
  • Im Bereich Gesundheitsförderung ist mit 67,7 Prozent der höchste Anteil an geringer Gesundheitskompetenz vorzufinden. Im Bereich Prävention beläuft er sich auf 54,8 Prozent, im Bereich Krankheitsbewältigung/Versorgung auf 45,2 Prozent. Während der Corona Pandemie hat sich die Gesundheitskompetenz hier tendenziell verbessert.
  • Geringe Gesundheitskompetenz hat zahlreiche negative Folgen und ist mit ungesundem Verhalten wie geringerer Bewegung, schlechterer Ernährung, häufigerem Übergewicht, schlechterer subjektiver Gesundheit, mehr Fehltagen am Arbeitsplatz und intensiverer Nutzung des Gesundheitssystems verbunden. Diese Zusammenhänge sind während der Corona Pandemie noch stärker geworden.
  • Die digitale Gesundheitskompetenz der Befragten ist sehr schwach ausgeprägt. Drei Viertel der Befragten weist eine geringe digitale Gesundheitskompetenz auf und hat große Schwierigkeiten, mit digitaler Information umzugehen. Während der Corona Pandemie hat sich die digitale Gesundheitskompetenz verbessert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Nutzung digitaler Informationsmöglichkeiten zum Thema Gesundheit, die der Studie zufolge nicht sehr hoch ist. Seit der Corona Pandemie ist die Nutzung digitaler Informationsmöglichkeiten gestiegen.
  • Nahezu vier Fünftel der Bevölkerung haben eine geringe navigationale Gesundheitskompetenz und sehen sich vor Schwierigkeiten im Umgang mit Informationen zur Navigation und Orientierung gestellt – besonders, wenn es um die Funktionsweise des Gesundheitssystems, das Verstehen von Gesundheitsreformen, Patientenrechte und Qualitätsfragen geht. Während der Corona Pandemie hat sich die navigationale Gesundheitskompetenz kaum verändert.
  • Die kommunikative Gesundheitskompetenz ist besser ausgeprägt. Der Anteil geringer Gesundheitskompetenz beträgt hier 35,7 Prozent.
  • Autorinnen und Autoren:

    Doris Schaeffer, Eva-Maria Berens, Svea Gille, Lennert Griese, Julia Klinger, Steffen de Sombre, Dominique Vogt, Klaus Hurrelmann

    Prof. Dr. Doris Schaeffer ist Senior-Professorin für Versorgungsforschung und Leiterin des Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung an der Universität Bielefeld.

    Dr. Eva Maria Berens ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) der Universität Bielefeld.

    Svea Gille ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) der Universität Bielefeld.

    Lennert Griese ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) der Universität Bielefeld.

    M.Sc. Dr. Julia Klinger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) der Universität Bielefeld.

    Dr. Steffen de Sombre ist Projektleiter beim Institut für Demoskopie Allensbach (IfD).

    Dr. Dominique Vogt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) der Universität Bielefeld.

    Prof. Dr. Klaus Hurrelmann ist Professor für Public Health and Education an der Hertie School, The University of Governance in Berlin.

     

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