Leitfäden zu Lehrmethoden
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Leitfaden zur Betreuung von Abschlussarbeiten

Das Schreiben von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten stellt für viele Studierende eine große Herausforderung dar, aber auch für ihre Betreuungspersonen, die den Arbeits- und Schreibprozess der Studierenden wirksam unterstützen wollen.

Dieser Leitfaden soll Ihnen als Betreuer Anregungen geben, die sich für die Betreuung von Abschlussarbeiten als hilfreich und effektiv erweisen können. Neben diesem Übersichtsblatt können Sie zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den einzelnen Teilthemen die entsprechenden Leitfäden nutzen.

Dieser Leitfaden möchte Ihnen Hilfestellungen für folgende Fragen geben:

  1. Was ist unter „Betreuung von Abschlussarbeiten“ zu verstehen?
  2. Wie kann ich die Betreuung von Abschlussarbeiten gestalten? Wo kann ich Schwerpunkte setzen?
  3. Wie kann ich eine effektive Betreuung der Studierenden bei ihrer Abschlussarbeit gewährleisten?
  4. Was sollte ich in meiner Rolle als Betreuer beachten?
  5.  Wo kann ich weitere Informationen finden?

Wenn Sie den Leitfaden im PDF-Format öffnen möchten, klicken Sie hier.

 

1.    Was ist unter „Betreuung von Abschlussarbeiten“ zu verstehen?

Die Betreuung von Abschlussarbeiten umfasst ein Angebot der zuständigen Lehrenden in Form einer unterstützenden Begleitung der Studierenden bei dem Verfassen ihrer Abschlussarbeit. Diese stellt ein umfangreiches, das Studium zumeist abschließendes Schreibprojekt der Studierenden dar, das sich durch besondere Anforderungen an die Qualität dieser Arbeit, der Wissenschaftlichkeit und eine relativ lange Bearbeitungszeit auszeichnet.

Das Betreuen einer solchen Arbeit erfordert von den Betreuenden Kompetenzen, die eine Balance zwischen Förderung der Studierenden einerseits und Forderung der Studierenden andererseits gewährleisten. Denn in erster Linie ist eine Abschlussarbeit eine auf Wissenschaftlichkeit beruhende Eigenleistung der Studierenden, in welcher Studierende ihre im Verlauf des Studiums erworbenen Kompetenzen (zu wissenschaftlichem und selbstständigem Arbeiten) trainieren und unter Beweis stellen sollen und welche der Betreuer durch entsprechende Anregungen, Beratungen und Unterstützungsangebote begleitet (vgl. Theuerkauf / Steinmetz 2009, S. 1 ff. und S. 12 ff.; Bock 2004, S. 6 ff.).

Tipp: Der Abschlussarbeitsprozess untergliedert sich in verschiedene Arbeitsphasen, welche bei der Betreuung berücksichtigt werden sollten (vgl. Theuerkauf / Steinmetz 2009, S. 25 ff.; Frank / Haacke / Lahm 2007, S. 13 ff.). In der „Handreichung zur Gestaltung von Abschlussarbeiten“ finden Sie einige grundlegende Informationen zu den Phasen, in die sich der Schreibprozess untergliedern lässt.

 

2.    Wie kann ich die Betreuung von Abschlussarbeiten gestalten? Wo kann ich Schwerpunkte setzen?

Der Umfang und die Art der Betreuungsleistung werden in den jeweiligen Prüfungsordnungen recht offen geregelt. Die Betreuungsphasen, auf die mehr oder weniger genau eingegangen wird, sind in der Regel: 

Tipp: Auf den Seiten des Prüfungsamts der Fakultät für Erziehungswissenschaft finden Sie eine Übersicht über die jeweiligen Prüfungsordnungen.

Die Betreuung schließt dabei verschiedene Aspekte ein und verläuft zumeist in Form von persönlichen (Beratungs-)Gesprächen, in denen die verschiedenen, für die Abschlussarbeit relevanten Bereiche gemeinsam mit den Studierenden besprochen werden (vgl. ebd., S. 12 ff. und S. 28 ff.).

Für das Verfassen einer Abschlussarbeit sind, ebenso wie für die Betreuung dieser Arbeit selbst, gewisse Vorabsprachen unabdingbar. Diese betreffen sowohl die Anforderungen und Erwartungen des Betreuenden an den Schreibenden und seine Arbeit sowie die Art und den Umfang der Betreuung selbst. Bereits zu Beginn des Schreibprojekts sollten Sie gemeinsam mit dem Studierenden die Erwartungen an die Abschlussarbeit klären (Umfang der Arbeit etc.), die Bewertungskriterien offen legen, die Vorgaben in der Prüfungsordnung hinsichtlich der formalen und qualitativen Anforderungen an eine Abschlussarbeit besprechen und das Verständnis von Wissenschaftlichkeit gemeinsam mit dem Studierenden erörtern. Auch ein Erfragen der bisherigen (Schreib-)Erfahrung des Studierenden, seines Wissens und seiner im Verlauf des Studiums erworbenen Kompetenzen ist von besonderer Bedeutung vor allem für die Themenwahl (vgl. Bock 2004, S.1ff.; Becker 2000, S.52.; Theuerkauf / Steinmetz 2009, S.54ff.).

Die Auswahl und Formulierung eines geeigneten Themas sollte bei Beginn der Betreuung eine besondere Beachtung finden, da ein gut eingegrenztes Thema als erster Schritt im Abschlussarbeitsprozess wesentlich ist. Das Thema sollte dabei nicht nur dem Interesse des Studierenden entsprechen, sondern vor allem bearbeitbar sein. Es bietet sich bspw. ein Thema an, mit dem sich der Studierende schon einmal in einem Seminar oder Ähnlichem auseinandergesetzt hat und zu dem es ausreichend Literatur gibt. Ihre Aufgabe als Betreuer ist es hierbei, den Studierenden bei der Auswahl eines Themas, einer konkreten Fragestellung und Zielsetzung zu unterstützen und damit insbesondere das gewählte Thema zusammen mit dem Studierenden so einzugrenzen, dass es im Laufe der Bearbeitungszeit abgehandelt werden kann. Weiterhin ist das gemeinsame Eingrenzen bzw. Auswählen von Literatur etc. hilfreich, um eine selbstständige Auseinandersetzung mit dem Thema in der vorgegebenen Zeit zu begünstigen (Vgl. Kruse 2002, S. 193; Bock 2004, S. 19 ff.; Theuerkauf / Steinmetz 2009, S. 20ff und S. 39 ff.).

Tipp: In den Leitfäden zur Wissenschaftlichkeit, zur Themenfindung, zur Literaturrecherche und Literaturverwaltung, zum Schreiben einer Hausarbeit sowie in der „Checkliste für die Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten“ finden Sie weitere Informationen, die für die Betreuung von Abschlussarbeiten von Nutzen sein können.

 

3.    Wie kann ich eine effektive Betreuung der Studierenden bei ihrer Abschlussarbeit gewährleisten?

Jeder Studierende verfasst seine Abschlussarbeit auf seine eigene Weise und hat dementsprechend unterschiedlich hohen Betreuungsbedarf. Dies sollten Sie als Betreuer berücksichtigen und sich angesichts der langen Bearbeitungszeit für eine Abschlussarbeit und der demgemäß langen Betreuung bereits vorab überlegen, wie Sie die Betreuung des Studierenden zeitlich gestalten können. Diese Frage stellt sich besonders, wenn Sie mehrere Studierende gleichzeitig betreuen und parallel noch weiteren Verpflichtungen nachgehen müssen. Wichtig ist, dass Sie dem Studierenden Ihre Vorstellungen hinsichtlich der Betreuungsleistung bereits zu Beginn der Betreuung offen legen und gemeinsam mit ihm absprechen. Nur so kann eine Betreuung der Abschlussarbeit gewährleistet werden, die sowohl Ihnen als auch dem Schreibenden gerecht wird (vgl. Theuerkauf / Steinmetz 2009, S. 1 ff., S. 12 ff. und S. 40 ff.).

Grundsätzlich stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten offen, eine Betreuung effektiv zu gestalten, bspw.:

Durch regelmäßige oder nur bei Bedarf vereinbarte Sprechstundentermine können der jeweilige Stand der Abschlussarbeit, ebenso Schwierigkeiten oder Fragen seitens des Studierenden gemeinsam individuell geklärt werden. Bei der gleichzeitigen Betreuung mehrerer Abschlussarbeiten bietet es sich bspw. an, eine regelmäßig stattfindende Begleitveranstaltung für die Schreibenden anzubieten. Innerhalb dieser Veranstaltungen können Problematiken hinsichtlich der Abschlussarbeit gemeinsam mit mehreren Schreibenden gleichzeitig erörtert werden. Der Schreibprozess jedes Einzelnen kann zudem durch die Vorstellung des eigenen Themas und Zwischenstands der Arbeit in der Gruppe, verbunden mit wechselseitigem Feedback und kollegialer Beratung, optimiert werden. Regelmäßige Zwischenberichte, Rücksprachen und Feedback bilden wesentliche Elemente für das Gelingen einer Abschlussarbeit (vgl. ebd., S. 39ff.).

Darüber hinaus empfiehlt es sich, von den Studierenden ein Exposé zu ihrer Abschlussarbeit anfertigen zu lassen. Dies bietet dem Schreibenden die Möglichkeit, sich selbst einen Überblick über die eigene Arbeit (Thema, Fragestellung, Zielsetzung und durchgängiges Beibehalten des roten Fadens) zu verschaffen und gibt Ihnen zugleich die Gelegenheit, die inhaltliche, sprachliche und wissenschaftsgemäße Struktur der Abschlussarbeit zu verfolgen (vgl. ebd., S. 43 ff.). 

Eine weitere Möglichkeit parallel zum Anfertigen eines Exposés ist das Vorlegenlassen einer Gliederung und einer Literaturliste, um den Verlauf der Arbeit, den roten Faden ebenso wie die verwendete Literatur zu überblicken. Hierbei empfiehlt es sich, dem Studierenden vorab zu verdeutlichen, dass es sich bei der Gliederung nur um eine vorläufige Darlegung des Arbeitsverlaufs handeln kann, nicht um eine endgültige, unveränderbare Fassung (vgl. ebd., S. 44 und S. 87 ff.).

Weiterhin kann das Probelesen einzelner Kapitel und/oder der Rohversion als Unterstützungsangebot hilfreich sein. Es bietet sich eine Rückgabe des Gelesenen mit Nachverbesserungsvorschlägen und Anmerkungen an, die der Studierende zur Verbesserung seiner Abschlussarbeit nutzen kann. Auch an dieser Stelle empfiehlt es sich, den Schreibenden darauf hinzuweisen, dass Nachverbesserungsvorschläge als Lernchance zu begreifen sind und nicht als Disqualifizierung (vgl. ebd., S. 29 ff., S. 49 ff., S. 65 ff.; Bock 2004, S. 8).

Tipp: Im „Leitfaden zum Verfassen eines Exposés“ finden Sie weitere Informationen zum Exposé. Die „Handreichung zur Gestaltung von Sprechstunden und Zusammenarbeit mit Studierenden“ bietet Ihnen zudem weitere Anregungen zur Gestaltung des Betreuungsprozesses.

 

4.    Was sollte ich in meiner Rolle als Betreuer beachten?

Um eine Betreuung effektiv zu gestalten, können verschiedene Faktoren berücksichtigt werden: die Studien- und Prüfungsordnung bspw., der individuelle Betreuungsbedarf des einzelnen Studierenden, aber auch die eigene Rolle als Betreuer.

Letztere ist vor allem für eine hilfreiche Umsetzung des Betreuungsangebots wesentlich. Denn die Art und der Umfang des Betreuungsangebots bestimmen zusammen mit dem eigenen Rollenverhalten, den Kompetenzen und Erfahrungen als Betreuer die Effektivität der Betreuung. Demgemäß sollten Sie sich Ihrer eigenen Rolle im Schreibprozess des Studierenden bewusst sein und sich sowie Ihr eigenes Rollenverhalten stets reflektieren. Dazu können Sie sich unter anderem folgende Fragen stellen: Wie sehe ich mich in meiner Rolle als Betreuungsperson? Sehe ich mich eher als Berater, als Prüfer oder als eine Art Nachhilfelehrer? Als Unterstützer und Begleiter oder als Person, die dem Studierenden bei möglichst vielen seiner Aufgaben zur Seite steht? Wie stelle ich mir die Betreuung vor? Was erwarte ich von mir als Betreuer und was erwarte ich von dem Studierenden selbst? Wie effektiv ist meine Vorstellung von Betreuung für den Studierenden und seine Abschlussarbeit? (vgl. Theuerkauf / Steinmetz 2009, S. 1 ff. und S. 12 ff.).

Daneben spielen die eigenen, bisher gemachten Erfahrungen als Betreuer eine Rolle. Je mehr Erfahrungen Sie mit Betreuungssituationen haben, desto routinierter können Sie die Betreuungsleistung angehen und gegebenenfalls optimieren. Doch auch wenn Sie noch nicht so viele Erfahrungen gemacht haben, können Sie die Betreuung effektiv gestalten. Hilfreich hierbei ist neben der Selbstreflexion ein Verständnis von Betreuung als personorientiertes Arbeitsbündnis, in dem Sie die Studierenden individuell dabei unterstützen, ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit selbstständig zu erarbeiten (vgl. ebd., S. 12 ff., S. 40).

Ihre Aufgaben als Betreuender im Abschlussarbeitsprozess der Studierenden sind vielschichtig und können je nach individuellem Betreuungsbedarf der Studierenden variieren. Der individuelle Betreuungsbedarf eines Studierenden sollte dabei mit Ihren eigenen Erwartungen, Vorstellungen und Grenzen als Betreuer in Übereinstimmung gebracht werden. Denn das Gelingen einer Abschlussarbeit hängt auch davon ab, ob und inwiefern Betreuer und Schreiber ihre Erwartungen aufeinander abstimmen können (vgl. ebd., S. 12 ff.).

 

5.    Wo kann ich weitere Informationen finden?

Becker, H.S. 2000: Die Kunst des professionellen Schreibens. Ein Leitfaden für die Geistes- und Sozialwissenschaften. 2. Aufl. Frankfurt am Main.

Bock, Klaus Dieter 2004: Seminar-/Hausarbeiten - …betreut, gezielt als Trainingsfeld für wissenschaftliche Kompetenzen genutzt…ein Schlüssel zur Verbesserung von Lehre und zur Reform von Studiengängen. UVW UniversitätsVerlagWebler. Bielefeld.

Boeglin, Martha 2007: Wissenschaftlich Arbeiten Schritt für Schritt. München.

Bohl, Thorsten 2008: Wissenschaftliches Arbeiten im Studium der Pädagogik. 3. Aufl. Weinheim.

Eco, Umberto 2007: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. 12., unveränd. Aufl. der dt. Ausg. Heidelberg.

Franck, Norbert 2004: Handbuch Wissenschaftliches Arbeiten. Frankfurt am Main.

Frank, Andrea; Haacke, Stefanie; Lahm, Swantje 2007: Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf. Verlag J.B. Metzler Stuttgart. Weimar.

Kruse, Otto 2002: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 9. Auflage. Frankfurt am Main.

Meer, D. 2003: Sprechstundengespräche an der Hochschule. Hohengehren.

Theuerkauf, Judith; Steinmetz, Maria: Leitfaden zur Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten an der TU Berlin. Assis Thesis. Text Labor. www.textlabor.tu-berlin.de.

Tipp:
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