
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland und weltweit. Über die Teilnahme von betroffenen Frauen an der Brustkrebs-Nachsorge (in Anschluss an die akute Versorgung) ist wenig bekannt. Auch ist unklar, ob sich die Erfahrungen bestimmter Gruppen, wie z.B. von Menschen mit Einwanderungsgeschichte, von denen der Allgemeinbevölkerung unterscheiden.
Türkeistämmige Frauen sind die größte Gruppe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland. Das Projekt „BruNa+“ (BruNa steht für Brustkrebs-Nachsorge) hat zum Ziel, die Erfahrungen türkeistämmiger Frauen mit der Brustkrebsnachsorge zu erfassen und Verbesserungsmöglichkeiten für die Angebote zu machen. Möglicherweise erschweren sprachliche und kulturelle Unterschiede sowie familiäre oder gemeinschaftliche Einstellungen die Teilnahme. Ebenso könnten Faktoren wie Alter, Bildung, Familienstand, Anzahl der Kinder oder der allgemeine Gesundheitszustand sowie mögliche andere Erkrankungen die Teilnahme an Nachsorgeangeboten beeinflussen. Die Gruppe der türkeistämmigen Frauen besteht aus verschiedenen Generationen, die sich in ihren Lebensumständen stark unterscheiden können (z.B. hinsichtlich Kultur und Sprachkenntnissen). Aufgrund dieser Vielfalt können die Antworten auf die Forschungsfragen teilweise auch auf Frauen mit ähnlichem soziokulturellen Migrationshintergrund aus anderen Herkunftsländern zutreffen.
“Bruna+” ist eine sogenannte Mixed-Methods-Studie, bei der qualitative und quantitative
Untersuchungsmethoden genutzt werden. Im qualitativen Teil werden Einzel- und Gruppengespräche mit türkeistämmigen Frauen geführt. Dabei geht es um ihre Erfahrungen mit der Brustkrebsnachsorge. Das umfasst zum einen Faktoren, die eine Teilnahme an Nachsorgeangeboten hindern oder fördern. Zum anderen geht es um Verbesserungen des Angebots, welche die Teilnahme erleichtern könnten. Gruppen von Ärzt*innen werden befragt, wie sie ihre Rolle in der Brustkrebsnachsorge verstehen und wie sie ihre medizinische Versorgung, die Koordination, die Informationsweitergabe und damit die Nachsorge für türkeistämmige Frauen verbessern können.
Im quantitativen Teil werten wir Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung aus. Zusätzlich identifizieren wir betroffene Frauen über das Landeskrebsregister NRW. Mithilfe statistischer Analysen untersuchen wir, wie türkeistämmige Frauen Angebote der Brustkrebsnachsorge nutzen und wie die Nutzung im Vergleich zu nicht-türkeistämmigen Frauen ist. Um zu ermitteln, welche Faktoren die Teilnahme an Nachsorge beeinflussen, werten wir auch soziodemografische und gesundheitsbezogene Daten aus.
Die Studienergebnisse sollen helfen die Brustkrebsnachsorge für türkeistämmige Frauen zu verbessern und Hindernisse für die Teilnahme abzubauen. Wir wollen zudem aufzeigen, wie Ärzt*innen in der Onkologie, der Gynäkologie und der Allgemeinmedizin besser zusammenarbeiten können, um die Versorgung weiter zu verbessern. Eine bessere Nachsorge hilft, die Lebensqualität und den Gesundheitszustand türkeistämmiger Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung zu steigern.
Prof. Dr. Oliver Razum (Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld)
Prof.‘in Dr. Christiane Muth (Medizinische Fakultät OWL, Universität Bielefeld)
Dr. Jürgen Breckenkamp (Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld)
Alisa Dayangan (Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld)
Dr. Svetlana Puzhko (Medizinische Fakultät OWL, Universität Bielefeld)
Cansu Erdoğan Cengiz, M.A. (Medizinische Fakultät OWL, Universität Bielefeld)
Lara Schürmann, M. Sc. (Medizinische Fakultät OWL, Universität Bielefeld)
Alev Nazli Aktan (Medizinische Fakultät OWL, Universität Bielefeld)