Forschungsbericht 1997/98 - Inhalt Forschungsbericht 1997/98

Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft

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Klinische Psychologie/Rehabilitationspsychologie Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie

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Pädagogische Psychologie (AE 9)


I. Forschungsarbeiten

(a) Beteiligte Wissenschaftler/innen:
 
Hochschullehrer: Prof. Dr. Harald Marx, Prof. Dr. Helmut Skowronek
Wiss. Mitarbeiter/innen: Dr. Manfred Beck, Dipl.-Psych. Alexandra Berglez, Dipl.-Psych. Gudrun Donicht, Dr. Gisela Gundlach, Dr. Heiner Jansen, Dipl.-Psych. Veronika Koch, Dr. Gerd Mannhaupt, Dipl.-Psych. Birgit Schmitz, Dipl.-Psych. Marion Tigges-Gruhn

(b) Darstellung

In der Arbeitseinheit wurde an sechs Teilprojekten gearbeitet, von denen die ersten fünf inhaltlich aufeinander bezogen sind, während das letzte thematisch mit dem vierten Teilprojekt in Zusammenhang steht. Die ersten beiden sowie das letzte Teilprojekt konnten 1998 abgeschlossen werden.

Teilprojekt 1: Diagnostik von Vorläuferfertigkeiten zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Mit dem 'Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (BISC)' wurde ein Testverfahren fertiggestellt, das zu zwei Zeitpunkten im Vorschulalter (zehn und vier Monate vor Einschulung) eine differenzierte, individuelle Vorhersage des zukünftigen Erfolgs bzw. Versagens im Schriftspracherwerb erlaubt. Das Verfahren erfaßt die Merkmalsbereiche 'Phonologische Bewußtheit' und 'Aufmerksamkeit und Gedächtnis'.

Teilprojekt 2: Diagnostik von Lesefertigkeiten. Die Entwicklung des Gruppenlesetests 'Knuspels Leseaufgaben' wurde mit umfangreichen Reliabilitäts- und Validitätsstudien und einer schulstufen- und lesefertigkeitsbezogenen Normierung (beginnend mit dem Ende des ersten Schuljahres in Halbjahresschritten bis Ende des vierten Schuljahres) abgeschlossen. Der Test mißt in ökonomischer Weise sowohl grundlegende Lesefertigkeiten (Rekodieren, Dekodieren) als auch zwei korrespondierende Verstehensaspekte (Hör- und Lesenverstehen) und weist eine hohe ökologische und prognostische Validität auf.

Teilprojekt 3: Diagnostik von Rechtschreibfertigkeiten. Mit dem seit 1996 in der Entwicklung befindlichen Rechtschreibtest 'Knuspels Schreibaufgaben' wird nicht nur rein quantitativ der Rechtschreibleistungsstand festgehalten, sondern auch qualitativ die Rechtschreibentwicklung anhand der Konsistenz der Schreibung abzubilden versucht und die Wechselbeziehung von Lesen und Rechtschreiben aufgedeckt. Die bisherigen Untersuchungen erbrachten (gemessen in Halbjahresschritten beginnend Mitte des zweiten bis Ende des vierten Schuljahres) bei hoher Re- und Paralleltestreliabilität gleichbleibend hohe Übereinstimmungen mit Lehrerurteil, Schulnoten und anderen Rechtschreibtests. Derzeit steht eine Itemrevision und die Auswertung der qualitativen Aspekte an.

Teilprojekt 4: Rechtschreibfördermaßnahmen im Sekundarstufenbereich. Obwohl nach den ministeriellen Erlassen die Förderung rechtschreibschwacher Sekundarstufenschüler geregelt erscheint, ergeben sich bei lediglich zwei veröffentlichten Trainingsprogrammen mit unzureichender Evaluierung erhebliche Probleme in der Umsetzung. Eine eigene Trainingsstudie an Realschülern der fünften Klasse mit einem dieser Programme ist inzwischen abgeschlossen, aber noch nicht ausgewertet.

Teilprojekt 5: Förderung der Benennungsgeschwindigkeit. Betrachtet man die präventive Interventionsforschung im Lese- und Rechtschreibbereich, so zeigt sich im deutschen Sprachraum eine eindeutige Fokussierung auf die Förderung der phonologischen Bewußtheit, deren Bedeutung als Vorläuferfertigkeit des Lesen- und Schreibenlernens inzwischen unbestritten ist. Neuere Konzepte legen nahe, daß nicht nur diese ein wichtiger Einflußfaktor ist, sondern auch die Benennungsgeschwindigkeit. Zur Überprüfung dieser Annahme werden eigene Diagnoseinstrumente und Trainingsmaterialien entwickelt, die in kurzen Trainingsexperimenten bei Vor- und Schulkindern eingesetzt werden sollen.

Teilprojekt 6: Evaluation von Trainingsprogrammen. Im Rahmen der pädagogisch-psychologischen Beratung wurden seit 1992 verschiedene Trainingsprogramme (Denktraining I und II, Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern) in Einzel- und Kleingruppensitzungen evaluiert; hierzu wurde eine Buchpublikation erstellt.



II. Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Teilprojekt 1:>Jansen, H., Mannhaupt, G., Marx, H. & Skowronek, H. (1999). Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (BISC). Göttingen: Hogrefe.

Marx, H. (in Druck, a). Vorhersage von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in Theorie und Anwendung. Göttingen: Hogrefe.

Marx, H. & Jansen, H. (in Druck, a). Wirkung von Bildvorlagen beim Testen von Vorschulkindern. Diagnostica.

Marx, H. & Jansen, H. (in Druck, b). Möglichkeiten und Grenzen der Früherkennung und Vorhersage von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Forum Logopädie.

Jansen, H. & Marx, H. (1999). Phonologische Bewußtheit im Vor- und Grundschulalter und ihre Bedeutung für den Schriftspracherwerb. Forum Logopädie, 13 (2), 5-11.

Jansen, H. & Thomé, G. (1998). Entwicklung der /e?/-Phonemanalyse im ersten Schuljahr und ihr Zusammenhang mit der Wortschreibung. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 30, 20-25.

Mannhaupt, G., Jansen, H. & Marx, H. (1997). Cultural influences on literacy development. In C.K. Leong & R.M. Joshi (Eds.), Cross-language studies of learning to read and spell (161-173). Dordrecht: Kluwer.

Teilprojekt 2:

Marx, H. (1997). Erwerb des Lesens und Rechtschreibens: Literaturüberblick. In F. E. Weinert & A. Helmke (Hrsg.), Entwicklung im Grundschulalter (83-111). Weinheim: PVU.

Marx, H. (1998). Knuspels Leseaufgaben. Gruppenlesetest für Kinder Ende des ersten bis vierten Schuljahres. Göttingen: Hogrefe.

Marx, H. & Jungmann, T. (in Druck). Abhängigkeit der Entwicklung des Leseverstehens von Hörverstehen und grundlegenden Lesefertigkeiten im Grundschulalter. Eine Prüfung des 'Simple View of Reading'-Ansatzes. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

Teilprojekt 3:

Marx, H. (in Druck, b). Rechtschreibleistung vor und nach der Rechtschreibreform: Was ändert sich bei Grundschulkindern? Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

Teilprojekt 4:

Marx, H. (in Druck, c). Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten im Sekundarstufenbereich. Kindheit und Entwicklung

Marx, H. (in Druck, d). Anspruch, Notwendigkeit, Realisierung und Alternativkonzeption der Schriftsprachförderung im Sekundarstufenbereich. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie.

Mannhaupt, G. (1998). Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschwierigkeiten: Stand der empirischen Forschung. In M. Beck (Hrsg.), Evaluation als Maßnahme der Qualitätssicherung: pädagogisch-psychologische Interventionen auf dem Prüfstand (101-119). Tübingen: Dgvt-Verlag.

Teilprojekt 5:

Schneider, W., Küspert, P., Roth, E. & Visé, M., & Marx, H. (1997). Short- and long-term effects of training phonological awareness in kindergarten: Evidence from two German studies. Journal of Experimental Child Psychology, 66, 311-340.

Teilprojekt 6:

Beck, M. (1998) (Hrsg.). Evaluation als Maßnahme der Qualitätssicherung: pädagogisch-psychologische Interventionen auf dem Prüfstand. Tübingen: Dgvt-Verlag.

Beck, M. (1998). Therapiebaukasten oder Trainingsprogramm? Das Aufmerksamkeitstraining von Lauth & Schlottke als schulische Intervention. In M. Beck (Hrsg.), Evaluation als Maßnahme der Qualitätssicherung: pädagogisch-psychologische Interventionen auf dem Prüfstand (161-172). Tübingen: Dgvt-Verlag.



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