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Umwelt, Gesundheit, soziale Lage - Umweltgerechtigkeit

Gleiche Chancen auf Gesundheit sind eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie sollten unabhängig von der materiellen Lage, dem Sozial- und Bildungsstatus oder dem Wohnort sein. Zunehmende Verarmung und soziale Benachteiligung bestimmter Bevölkerungs(teil)gruppen, die in städtischen Ballungsgebieten ein konkretes Gesicht erhalten, zeigen sich immer häufiger in unserer Gesellschaft. Diese Entwicklungen stehen dem Grundrecht auf Chancengleichheit entgegen.

Gesundheitswissenschaftlich bedeutsam erweisen sich in diesem Zusammenhang potenziell gesundheitsbeeinträchtigende Wohn- und Wohnumfeldbedingungen. Dies können im Wohninnenraum (z.B. Schadstoffe in Baumaterialien, Energiearmut) sowie im unmittelbaren Wohnumfeld (z.B. verkehrsbedingte Lärmeinwirkungen, Luftschadstoffe, fehlende Grünräume) vorherrschen. Das Augenmerk liegt hier vorrangig auf Bevölkerungs(teil)gruppen, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Konstitution und/oder sozialen Lage besonders anfällig gegenüber gesundheitsrelevanten umweltbezogenen Einflüssen sind.

Studien legen nahe, dass auch in Deutschland städtische Teilräume mit einer Anhäufung sozialer Problemlagen nicht allein durch den Sozialstatus der Bewohnerschaft von privilegierteren Gebieten unterscheiden. Vielmehr ist zu beobachten, dass zentrale Umweltfaktoren, wie Grünraumverfügbarkeit, infrastrukturelle Anbindung, klimatische Bedingungen etc. ebenfalls einen sozialen Gradienten aufweisen. Unter dem Begriff "Environmental Justice" (Umweltgerechtigkeit) wird dieser Sachverhalt in den anglomamerikanischen Ländern bereits seit Jahrzehnten diskutiert. Vor etwa zehn Jahren begann in Deutschland die thematische Auseinandersetzung mit sozialer Benachteiligung in umweltbezogenen Gesundheitsrisiken und –ressourcen. Hieraus entwickelte sich ein komplett neuer Forschungszweig und ein politisches Handlungsfeld.

Die Arbeitsgruppe Umwelt und Gesundheit hat dieses Feld in den zurückliegenden Jahren gemeinsam mit zahlreichen anderen Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Praxis erschlossen und kommuniziert, so dass es heute entsprechende Aufmerksamkeit erfährt. Ausdruck dessen ist nicht zuletzt die Entscheidung der Landesregierung NRW, Umweltgerechtigkeit als einen Schwerpunkt in den geplanten Masterplan Umwelt und Gesundheit aufzunehmen. Die Arbeitsgruppe 7 nimmt hier beratende und gestaltende Funktionen im Hinblick auf konkrete Handlungsoptionen für chancengerechtere kommunale Lebensumwelten wahr. Dazu zählen eine Reduzierung von Umweltbelastungen und einer gleichzeitigen Stärkung gesundheitsförderlicher Umweltressourcen in der Grün- und Freiraumqualität.

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