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E-Health und Telemedizin

Relevanz und Auswirkungen finanzieller Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von Telemonitoring-Anwendungen bei Leistungserbringern (2013)

Für die Implementierung des Telemonitorings sind die Akzeptanz aller Akteure und insbesondere der Leistungserbringer im Gesundheitswesen von maßgeblicher Bedeutung. Diese wird ihrerseits durch ein breites Spektrum an Einflussfaktoren bestimmt. Hierbei scheinen u.a. finanzielle Aspekte entscheidende Determinanten für die langfristige Akzeptanz darzustellen.

Im Rahmen der Studie wurden aus relevanten wissenschaftlichen Publikationen grundlegende Determinanten der Adoption und Akzeptanz der Telemedizin extrahiert und in einen Fragebogen überführt. Mit Hilfe des entwickelten Instrumentes wurden 5.746 Ärztinnen und Ärzte per E-Mail angeschrieben und zu ihren Erfahrungen, Einstellungen sowie möglichen wirtschaftlichen Potenzialen zu Telemonitoring-Anwendungen befragt.

An der Befragung nahmen 201 Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachdisziplinen teil. Lediglich 14,5% der Befragten nutzen bereits Telemonitoring in ihrem Berufsalltag, und nur 40% fühlen sich über Telemonitoring und dessen Vorteile (eher) ausreichend informiert. Die Befragten sehen gerade durch die Möglichkeiten der fächerübergreifenden Zusammenarbeit eine erhöhte Versorgungsqualität, mehr Patientenzufriedenheit und mögliche eigene Zeitersparnisse sowie Potenziale für einen langfristigen wirtschaftlichen Vorteil. Allerdings ist der Großteil nur bereit in Telemonitoring-Anwendungen zu investieren, wenn die Investitionskosten sicher amortisiert werden können. Zusätzliche Prämien spielen dabei aber nicht die Hauptrolle. Entsprechend wirken sich meistens die Kosten für die Implementierung (97% Zustimmung), fehlende Finanzierungsvereinbarungen mit den Kostenträgern (96% Zustimmung) und ein unklarer eigener finanzieller Vorteil (90% Zustimmung) sich (eher) negativ auf die Einführung in der eigenen Praxis aus.

Anhand der Ergebnisse zeigt sich die besondere Relevanz von Finanzierungsaspekten für Leistungserbringer. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Leistungserbringer eher finanzielle Belastungen als wirtschaftliche Vorteile in Bezug auf Telemonitoring-Anwendungen wahrnehmen.

Die Studie wurde in Kooperation mit der AG 5 „Gesundheitsökonomie und -management“ der Fakultät für Gesundheitswissenschaften durchgeführt und publiziert in:

Leppert, F.; Dockweiler, C.; Eggers, N.; Webel, K.; Hornberg, C.; Greiner W (2013): Relevanz und Auswirkungen finanzieller Einflussfaktoren auf die Akzeptanz von Telemonitoring-Anwendungen bei Leistungserbringern. In: Duesberg, F. (Hrsg.). e-Health 2014 – Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen, Solingen: 289-297.

Einstellungen und Wissensbestände von Studierenden der Humanmedizin zur Telemedizin in Deutschland (2013 - 2014)

Telemedizinische Leistungen werden verstärkt innerhalb von Modellprojekten erprobt und in die Regelversorgung integriert. Einer der primären Gründe für das Scheitern derartiger Innovationsprozesse ist die fehlende Nutzerinnen- und Nutzerakzeptanz. Dies betrifft von Seiten der Arztinnen und Ärzte insbesondere die Generationen, die zukünftig mit dem flächendeckenden Einsatz der Telemedizin konfrontiert werden. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen des Forschungsprojektes Wissensbestände und Einstellungen von Studierenden der Humanmedizin in Deutschland erhoben und deren Einfluss auf die individuelle Einschätzung der Relevanz für die spätere Berufspraxis modelliert.

Mit Hilfe eines onlinegestützten Verfahrens wurden deutschlandweit 524 Studierenden der Humanmedizin befragt. Die Teilnehmenden (63,6 Prozent Frauen und 36,4 Prozent Männern; Altersdurchschnitt 25 Jahre) wurden zufällig ausgewählt. Korrelationen wurden u.a. innerhalb eines linearen Regressionsmodells zwischen den geäußerten Erwartungshaltungen (unabhängige Variablen) und der allgemeinen Einschätzung zur Wertigkeit der Telemedizin für die spätere Berufspraxis (abhängige Variable) getestet.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Interesse an der Telemedizin bei der untersuchten Zielgruppe groß ist. Assoziationen mit einer zunehmenden Technisierung von Versorgungsprozessen sind im Allgemeinen positiv besetzt. Je eher Studierende eine positive Einstellung zum Einfluss der Telemedizin auf die Behandlungsmöglichkeiten (p=0,006), die Diagnose- und Therapieeffizienz (p=0,008) und die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen (p=0,002) besitzen, desto eher schreiben sie dem Technikeinsatz eine hohe Wertigkeit für ihre spätere Berufspraxis zu. Allerdings zeigt sich in weiten Bereichen auch ein Mangel an Informationen bei der Zielgruppe.
Der Ausgleich vorhandener Wissensdefizite erscheint dringend notwendig für die Weiterentwicklung behandlungsbezogener Telemedizinleistungen. Hierzu gehört nicht nur eine Forcierung im Bereich von Fachpublikationen und Weiterbildungen, sondern auch die verstärkte Bearbeitung in der Medizinerausbildung in Deutschland.

Die Studie wurde publiziert in:

Dockweiler, C; Hornberg, C (2014): Knowledge and Attitudes as Influencing Factors For Adopting Health Care Technology Among Medical Students in Germany. Journal of the International Society for Telemedicine and eHealth 2(1):64-70.

Adoption telemedizinischer Leistungen in der poststationären Schlaganfallversorgung: Eine qualitative Analyse der Adoptionsfaktoren aus Sicht von Patientinnen und Patienten (2014 - 2015)

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit, eine der zentralen indikationsbezogenen Ursachen für Behinderung und damit eine wesentliche Herausforderung für die Gesundheitsversorgung. Teleneurologische Ansätze zeigen in der präklinischen, klinischen und rehabilitativen Versorgung ihre Wirksamkeit mit Blick auf die Verbesserung gesundheitsbezogener Endpunkte sowie die Reduktion der Versorgungskosten. Entscheidend für die nachhaltige Implementierung telemedizinischer Versorgung ist die Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer.

Der gewählte qualitative Ansatz des Forschungsprojektes untersucht, welche Haltungen, Motive und Einstellungen die Verhaltensintention zur Nutzung telemedizinischer Versorgungskonzepte in der Sekundärprävention nach Schlaganfall bei Patientinnen und Patienten beeinflussen.

Im Rahmen der stationären Rehabilitation wurden acht Fokusgruppen mit insgesamt 40 Patientinnen und Patienten durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Als strukturgebende Theorie in der Erhebung des Materials rekurriert die vorliegende Studie auf die Unified Theory of Acceptance and Use of Technology (UTAUT).

Die Analysen zeigen, dass Haltungen und Einstellung zur Nutzung telemedizinischer Verfahren in der poststationären Versorgung bei Patientinnen und Patienten eindeutig nutzwertorientiert sind - auch wenn latente Ängste (z.B. hinsichtlich des Datenschutzes oder eines zu unpersönlichen Kontaktes zu den Ärztinnen und Ärzten) vorliegen. Der Prozess der Entscheidungsbildung lässt sich durch die Adoptoren „Leistungserwartung“, „Aufwandserwartung“, „soziale Einflüsse“ und „handlungserleichternde Rahmenbedingungen“ charakterisieren.

Aufgrund der klaren Nutzwertorientierung kommt der evidenzbasierten Entwicklung und Implementierung der Telemedizin ein besonderer Stellenwert zu.

Eine Publikation ist in Vorbereitung.

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