Universität Bielefeld

© Universität Bielefeld

Versorgung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen vor und nach Einführung von Medizinischen Zentren (MZEB) / MeZEB

(Gesamt)Projektleitung: Prof. Dr. Thorsten Meyer, Dr. Margret Xyländer, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Stiftungsprofessur Rehabilitationswissenschaften | Rehabilitative Versorgungsforschung

Projektmitarbeiterinnen: Cornelia Weiß, Christine Thienel, Jana Stucke und Anna Pieschnik (Wissenschaftliche Hilfskraft)

Beteiligte Einrichtungen/ Konsortialpartner: DIAKOVERE Krankenhaus gGmbH Hannover, Prof. Stephan Martin; Krankenhaus Mara gGmbH Bielefeld, Marcus Vogel

Projektförderung: Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss, Laufzeit: 36 Monate

Foto: Universität Bielefeld

Sitzend von links nach rechts: Dr. Margret Xyländer (Uni Bielefeld), Prof. Dr. Hermann-T. Steffen (FHDD), Marcus Vogel (MZEB Bethel), Kerstin Ledendecker (Bethel). Stehend von links nach rechts: Prof. Dr. Thorsten Meyer (Uni Bielefeld), Dr. Christoph Karlheim (Bethel), Prof. Dr. Stephan Martin (MZEB Bruno-Valentin-Institut, Hannover).

Die UN-Behindertenrechtskonvention (Art. 25, 2006) fordert die gleichberechtigte Gesundheitsversorgung sowohl von behinderten wie nicht-behinderten Menschen. Es gibt jedoch in der Versorgungspraxis deutliche Hinweise darauf, dass für erwachsene Menschen mit Mehrfachbehinderungen substanzielle Probleme in der gesundheitsbezogenen Versorgung existieren.

Während bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) für Kinder und Jugendliche mit frühkindlichen und angeborenen Behinderungen zur Verfügung stehen, brechen diese Versorgungseinrichtungen mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter für die Betroffenen und ihre Angehörigen weg. Sie müssen nun ihre besonderen Bedarfe im Rahmen der regulären ambulanten und stationären Versorgung abdecken. Es gibt in der Versorgungspraxis jedoch deutliche Hinweise darauf, dass die vorhandenen Strukturen und Prozesse nur ungenügend auf Menschen mit besonderen Versorgungsbedarfen vorbereitet sind. Die Ergebnisse bisher vorliegender Studien kontrastieren zweifelsohne Spezifika in der medizinischen Versorgung von Menschen mit Behinderungen, die von der Regelversorgung nicht adäquat abgebildet werden können. ÄrztInnen und TherapeutInnen sind im Umgang mit diesen spezifischen PatientInnengruppen kaum ausgebildet. Auch die Strukturen der medizinischen Versorgung sind nicht auf die Situation von Erwachsenen mit geistigen oder schweren körperlichen bzw. Mehrfachbehinderungen ausgelegt.

In der Krankenhausversorgung ist das medizinische Handeln im Rahmen der DRGs geprägt durch Effizienzmaximierung. Dies führt dazu, dass die Betroffenen in eine Art „Drehtüreffekt“ geraten und frühzeitig entlassen werden. Klinische Erfahrungen verweisen darauf, dass auch die ambulante medizinische Versorgung durch eine Budgetierung von Medikamenten sowie Heil- und Hilfsmitteln bestimmt ist. Der erhöhte Behandlungsaufwand, den die Beeinträchtigungen der Betroffenen mit sich bringen, wird dabei im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) nicht berücksichtig. Vor diesem Hintergrund wird ein dringender Bedarf an der Etablierung von MZEB gesehen.

Dieser Versorgungslücke begegnete der Gesetzgeber im Juli 2015 mit einem Artikel, der die ambulante Behandlung durch Medizinische Zentren für erwachsene Menschen mit Behinderungen (kurz: MZEB) vorschlägt (§119c, §43b SGB V). Bisher wissen wir nur sehr wenig über die Bedeutung dieser neuen Versorgungsform für die Betroffenen, deren Angehörige bzw. Zugehörige, oder auch für die in und mit diesen Einrichtungen arbeitenden Professionellen. Ziel des Projektes ist daher die Beschreibung und Analyse der aktuellen medizinischen Versorgung von Menschen mit geistigen oder Mehrfachbehinderungen sowie Veränderungen dieser Versorgung im Zuge der Einführung von MZEB. Darauf aufbauend entstehen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Das Forschungsprojekt ist als Mixed-Methods-Studie konzipiert, um den Stellenwert der MZEB adäquat erfassen zu können. Dafür ist u.a. der Einsatz von Beobachtungsinstrumenten in den MZEB geplant, eine methodische Herangehensweise, die in bisherigen Untersuchungen noch keine Berücksichtigung gefunden hat. Mit der Anlage der Studie als komparative Studie versuchen wir einen vertieften Einblick in die medizinische Versorgungslage von Menschen mit geistiger oder Mehrfachbehinderungen vor Einführung der MZEB zu erhalten (temporaler Vergleich, regionaler Vergleich). Zudem streben wir danach, vertiefte Einblicke in die Wirkweisen der MZEB und ihrer Effekte zu ermöglichen. Damit wird das Forschungsfeld erweitert, indem erstmalig auf Versorgungssituationen und -leistungen sowie auf Veränderungen für Betroffene fokussiert wird und empirische wie theoriebildende Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten des medizinischen Versorgungssystems gewonnen werden können.

Die Pressemitteilung zum Projektstart finden Sie hier.

 

 

 

 

News

 

Maps and Addresses