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Aktuelles

 ZiF Conference: Responsible Research and Innovation: (RRI): Coming to Grips
with a Contentious Concept, 30.03.17 - 01.04.17
 John-G.-Diefenbaker-Preis für Prof. Martin Carrier
Auszeichnung für Prof. Martin Carrier:  "Blaise Pascal Medal in Social Sciences and Humanities" der Europäischen Akademie der Wissenschaften
Studiengang:  HEPS
Das I²SoS wurde am 3. Juli 2013 als neue Einrichtung in der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie gegründet.

 

'The Lived Genome' and Myocardial Infarction.

Experiences of a high-risk family with genome studies. Ethical implications for genome studies, Informed Consent and clinical translation of research findings

Die Studie soll untersuchen, wie sich die Genetik von Herz-Kreislauf-Krankheiten, speziell Herzinfarkt aus der Sicht von Betroffenen und deren Familien darstellt und wie diese die genetische Komponente ihrer Erkrankungsgefahr innerhalb eines multifaktoriellen Spektrums interpretieren.

Die Ansichten der Betroffenen und ihrer Angehörigen sollen mit den Ansichten von Ärzten und Wissenschaftlern über die genetischen 'Faktoren' und 'Risiken' verglichen und vermittelt werden. Ferner sollen die Studienergebnisse mit denjenigen der am Exzellenzcluster Entzündungsforschung (Schleswig-Holstein) angesiedelten Projektgruppe 'The Lived Genome and Chronic Inflammatory Diseases' verglichen werden. Dies soll für Unterschiede und Besonderheiten in den Betroffenen-Interpretationen unterschiedlicher genetisch mitbedingter Krankheiten sensibilisieren. Darüber hinaus soll die Studie den Charakter einer sozialwissenschaftlich-ethischen Ergänzung einer kürzlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) durchgeführten genetischen Durchforschung einer Großfamilie mit mutationsbedingt stark erhöhten Herzinfarktrisiko dienen (Erdmann et al. 2013). Das Vorhaben soll ferner Licht auf die ethischen Implikationen der Zustimmungsverfahren (Informed Consent) für Ganzgenomstudien und für die klinische Translation von neuen Forschungsergebnissen werfen, denn die Interpretationen der Betroffenen sind für sie entscheidungsrelevant

Mithilfe des sozialwissenschaftlichen Grounded-Theory-Ansatzes sucht die Studie die folgenden Forschungsfragen zu klären:

  1. Wie stellt sich die Genetik von Myokardinfarkten aus der Sicht der Betroffenen und ihrer Angehörigen dar?
  2. Wirkt sich die Feststellung einer Mutation (oder einer Kombination von Mutationen) und die damit verbundene erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Myokardinfarkt auf den Alltag der Betroffenen und deren Angehörigen aus, und wenn ja, auf welche Weise?
  3. Wie interagieren die Interpretationen der Genetik von Myokardinfarkten von Betroffenen und deren Angehörigen mit den Ansichten und Wissensbeständen von behandelnden Ärzten und Wissenschaftlern?
  4. Inwieweit lassen sich Aspekte dieses Wechselspiels für die biomedizinische Forschung, für die (translationale) medizinische Praxis sowie die Alltagsbewältigung der Betroffenen nutzbar machen?

Die Studie wird von Dominik Mahr in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jeanette Erdmann sowie Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter (beide Universität zu Lübeck) durchgeführt.

Dominik Mahr ist assoziierter Forscher am Institut für interdisziplinäre Wissenschaftsforschung (I²SoS) der Universität Bielefeld. Zugleich ist er Postdoktorand am Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung (IMGWF) an der Universität zu Lübeck sowie assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters Entzündungsforschung. Ferner ist er Teil des Kompetenz-Netzwerks des Kompetenzzentrums Soziale Dienste (kom.sd) und als freiberuflicher Wissenschaftler sowie Lehrbeauftragter für diverse bundesdeutsche Universitäten, Forschungseinrichtungen und Stiftungen tätig.

Nach dem Erwerb eines Studienabschlusses in Theologie und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel sowie der Universität Bielefeld studierte er Wissenschaftsforschung im Kontext des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT). Nach dem Erwerb seines Masterabschlusses trat er der am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) sowie der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) angesiedelten Junior Research Group "Science, Values and Democracy" bei und wurde in diesem Kontext im Jahr 2013 zum Dr. phil (Prädikat: summa cum laude) promoviert. Er hat sich in seiner Forschung auf das Gebiet der Geschichte, Philosophie und Soziologie der Lebenswissenschaften und die Methodik der Sozialwissenschaften (qualitative Methoden, Interviewführung und phänomenologisch-hermeneutische Analysen) spezialisiert.

Zusammen mit Christoph Rehmann-Sutter erforscht er gegenwärtig unter anderem die Bedeutung die die "Genetisierung" chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen in den lebensweltlichen Zusammenhängen von Betroffenen und deren Familien entfaltet. Darüber hinaus lehrt er in diesem Semester (WiSe 2013/2014) Medizinsoziologie und Wissenschaftsgeschichte an den Universitäten Lübeck und Bielefeld.

Kontakt: Dr. Dominik Mahr