Faculty of Linguistics and Literary Studies

 
 
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Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten

Br

Bremen Rathaus, obere Halle; heute Focke-Museum      
Umfang 35 Inschriften des Ratsgestühls in Bremen
Datierung Anfang 15. Jh.  - Fassung des 16. Jh.: Br(2)
Schreiber -
Schreibsprache -
Inhalt Autoritäteninschriften des Ratsgestühls des Bremer Rathauses (abgebrochen Anfang des19. Jahrhunderts). Erhalten sind die hölzernen Außenwangen (im Focke-Museum, Inv.-Nr. 00294-00297, mit Relief-Darstellungen Karls des Großen, des Hl. Willehad, Bischofs von Bremen, Petrus und Paulus), nicht die Inschriften selbst.
Abschriftlich überliefert in der "Rennerschen Chronik" (Johann Renner[gest. 1583]: Chronica der Stadt Bremen), SuUB Bremen, Brem. a.79, Bl. 688-693. - Abb. der Seiten 689-691 und 693 im Marburger Repertorium. Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen: S. 688, S. 689, S. 690, S. 691, S. 692, S. 693.
Anzahl und Form 6 Prosasprüche; 18 Zweizeiler; 11 Vierzeiler (zwei weitere Vierzeiler auf der vierten Bank überliefert nur Hermann von Post: s. Nr. 24a und 24b
Autoritäten-Freidanke Marburger Repertorium (Sigle Br)
Katalog -
Archivbeschreibung -
Literatur
  • Albrecht, Stephan: Das Bremer Rathaus im Zeichen städtischer Selbstdarstellung vor dem 30-jährigen Krieg. Marburg 1993 (Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland 7), S. 45-51 (mit Teilabdruck der Sprüche [die 4 Bänke im Innern], nach Denkmale der Geschichte, Version A der Rennerschen Chronik).
  • Altensleben, Stephan: Politische Ethik im späten Mittelalter: Kurfürstenreime, Autoritätensprüche und Stadtregimentslehren im Kölner Rathaus. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 64 (2003), S. 125-185, hier S. 149-151.
  • Denkmale der Geschichte und Kunst der Freien Hansestadt Bremen. Hrsg. von der Abtheilung des Künstlervereins für Bremische Geschichte und Alterthümer. Erste Abtheilung. Bremen 1862, S. 11-24 (mit Edition der "Inschriften am Rathsstuhel" A. nach der Rennerschen Chronik, S. 12-16, B. nach den Aufzeichnungen von Hermann Post, Mitte 18. Jh., S. 16-18).
  • Gramatzki, Rolf: Das Rathaus in Bremen. Versuch zu seiner Ikonologie. Bremen 1994, S. 50-62 (Der Ratsstuhl, mit einer Rekonstruktionszeichnung, Abbildungen der hölzernen Wangen und einer Edition nach der Rennerschen Chronik - die bei der Wiedergabe der Quelle zuverlässigste aller vorliegenden Editionen), Edition S. 55 f.
  • Heiser, Ines: Freidank-Inschriften II. In: ZfdA 132 (2003), S. 239-248, hier S. 241 f. (S. 242 Paralleldruck der auf Freidank basierenden Sprüche; alle Freidankverse sind bereits bei Meyer angeführt).
  • Heiser, Ines: Autorität Freidank. Studien zur Rezeption eines Spruchdichters im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Tübingen 2006 (Hermeae NF 110), S.113-115.
  • Meyer, Elard Hugo: Ueber die Sprüche der Rathauschalle in Bremen. In: Bremisches Jahrbuch 1 (1864), S. 68-93 (mit Abdruck der Sprüche und Identifizierung der Freidank-Stellen).
  • Meyer, Elard Hugo: Die Sprüche des Bremischen Ratsstuhls. In: ZfdA 27 (1883), S. 33-49 (Abdruck S. 36-38 u. Identifizierung der Quellen)
Anschrift Focke-Museum
Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schwachhauser Heerstraße 240
28213 Bremen

Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Handschriften und Rara
Bibliotheksstraße
28359 Bremen
 Bearbeiter Kathrin Wenzel, U. Seelbach (13.5.2010)

 

Transkription

(nach der Rennerschen Chronik, Ms. Brem. a. 79, Bd. 1, S. 688-693)

<688>
<Oberste Bank im Norden>

(1) MOJSES.
Hebbe Rechtferdicheit vor Gott dinem Heren. <689>

(2) JSAJS.
Sonder vertoch doth recht Richten

(3) DAVJD.
Salich sind, de dar dohn, rechtferdicheit tho allen tiden

(4) SALOMON.
Gaven verblinden de Ogen der Richtere.

(5) EZECHJEL.
Rechtferdicheit vorlöset de Seelen, und iuwe Richte sy apenbar

(6) ECCLESJASTJCUS.
Vor de Rechtferdicheit Kive beth in den doht

<Zweite Bank, innen>

(7) ARJSTOTELES.
Ein Richter sy tho voren Recht.
De Richte den Heren sambt den Knecht.

(8) PLATO.
We im Rechte beschonet sinen frund.
De is der Ehren und Sinnen Blind.

(9) SENECA.
Jm Rahde nemande temet.
De Gut vor Ehre nemet                [= Freidank 72,7 f.]

(11) CATO.
Jm Torne richte nene Sake.
Hoet dy vor hetischer Wrake

(12) SOCRATES.
Richte nicht eines Mannes Word. <690>
De wedder redt sy den gehört.

(13) BOETJUS
Wat mach Saken haet und Nieht
De richte jo in korter thid.
 
ANGELUS.
Richtet jo in der rechtferdicheit.

<Unterste Bank, innen >

(13) VJRGJLJUS
Wo de Richters sint in der Stede
So sind de Borgers gerne mede.
 
(14) OVJDJUS
Wor Dwanck is dar is Ehre.
So segget uns der Meister Lehre. 

(15) HORATJUS
Land und Lüde irret sint.
Wo de Richter is ein Kind.            [= Freidank 72,1 f.]

(16) TERENTJUS
Der Stede Eindrechticheit.
Js öhr beste Ummekleid.

(17) ALANUS.
Wolde sinem Rechte unrecht doht.
Dar werd dat Ende selden goht.        [= Freidank 106,20 f.]

ANGELUS
Jm richtende provet juw sulven

<Vierte Bank an der Wand>

(18) PETRUS
Wes Gnädig und Guth
De Gnade dy nicht vorderven duht <691>

(19) PAULUS
Nemand doht Unrecht.
Wen der Sunden Knecht.                [= Freidank 36,25 f.]

(20) JACOBUS.
Doht jo Barmhertigkeit.
Dat hemmelrike juw apensteit.

(21) GREGORJUS
Folget der Barmhertigkeit,
So sind de Engele juw bereit.

(22) AMBROSJUS
Woll Unrecht will tho rechte han,
De mot vor Gade tho rechte stahn.        [= Freidank 50,16 f.]

(23) HJERONJMUS
Nein Levend is so guht
Als dar men recht in duht                    [= Freidank 31,22 f.]

(24) AUGUSTJNUS.
Laht dy Unrecht nicht mede gahn.
Wiltu na guht und Ehren stahn.

                       [(24a) JOHANNES.
                       Gelovestu God jummer,
                       Du vordarvest nummer.

                       (24b) CHRYSOSTOMUS.
                       Heffstu herschup und gud,
                       Sachte dinen overmut.

ANGELUS
Bekennet juw tho der Wyßheit

<Unterste Bank, außen>

(25) JULJUS
Woll will tho wilder Selschup gahn.
De schall idt wieslick annefahn.
Gelick und heel, up rechten Sinn
Dat werd in Ehren din Gewin.

(26) TOBJAS.
Ahne frage jo weinig sprick. 
Wes woll bescheden, des Rahde ick.
Des Menschen Witte een end hat <692>
Wann öhme de grote Torne bestaet        [= Freidank 64,16 f.]

(27) TULLJUS.
Woll will na höger Ehren streven
De schall gar Dögentlick leven.
Wol kan vormiden bösen Rahd
Dem werd vorhöget woll sin Grad,

(28) PRJMAS
Dwinge dinen sin, up wise Word,
So werd din Rede woll gehort,
flithe dy an Othmödigheit
Alle Dögede sint dy bereit

(29) DANJEL  <es folgt ein H>
Höht dy vor hoferdige Daht,
Nieth, Haet Torn van dy gaht.
Tein Gades Gott beschreven stat        [lies: Gades Bott]
De holdet baven alle Raht


<Zweite Bank, außen>

(30) SECUNDUS
Höd dy vor dunckel guden sinn
Dat werd in Ehren din Gewinn
De Armen schalstu nicht vorschmaen
Mit hulpe dat is woll gedahn.

(31) VULCANUS
Truwe unde Wyßheit schaltu minnen
Darmede Gades hulpe winnen. <693>
Dat beste vor de Meinschafft
Schall wercken diner Witte Krafft

(32) CJCERO.
Ein  hövisch hert mit niede beseten.                 [lies: hetisch hert]
Dar is recht und vele döget an vorgehten
He is Dumm, woll wreket sinen Tohrn
So dat he sulven werd vorlohren.

(33) MACER.
Ein Richter sunder Schäm und Ehr.
Richtet recht nummermehr
Des Uns gut bilde scholden geven
De felschen gemeinlich öhres sulves leven        [= Freidank 69,21 f.]

(34) FRJJDANCK.
Wer Döget hat, is wol gebaren
Ahne Döget is de Adel gar vorlaren             [= Freidank 54,6 f.]
Ein jewelick Mann tho scherme gaht.
Lügene vor sine Mißedaht.                            [= Freidank 171,3 f.]

(35) MACROBJUS
We gerne frede maket.
Vaken he dat beste raket.
Folge jo der besten Lehre
Dinen Muht van Boßheit kehre.