Faculty of Linguistics and Literary Studies

 
 
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Fach: Deutsch als Fremdsprache - KOOPERATIONEN: MADAGASKAR

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

Es "deutscht" gewaltig in der Heimat von Pfeffer und Vanille

Zehn Vertreter der Bielefelder Universität derzeit auf Madagaskar / Erste Eindrücke: Warnschüsse, Tränengas, Taschendiebe und Tropensturm / Aber auch viele schöne Begegnungen.
Von Klaus Heimer, Antananarivo

Von ihrer unfreundlichen und stürmischen Seite präsentierte sich die seit dem Putsch im März 2009 von einem Politchaos gekennzeichnete ferne Tropeninsel Madagaskar gerade neun Studentinnen der Bielefelder Universität kurz nach der Ankunft in der Heimat von Pfeffer und Vanille.

Die Tutorinnen Katharina Girndt (23) und Julia Viering (22), die Deutsch als Fremdsprache und Linguistik bzw. Germanistik studieren und derzeit an der Universität in Antananarivo mehrere Wochen tätig sind, mussten bei einer Fahrt in einem innerstädtischen Bus auf Tauchstation gehen. Das mit etlichen Passagieren, besetzte Fahrzeug geriet in eine friedliche Demonstration von Regimegegnern, die vom Militär gewaltsam aufgelöst wurde. Mehrere Warnschüsse in die Luft und wahllos in die Menge gefeuerte Tränengaspatronen ließ das Bielefelder Duo in ein 5 Sterne-Hotel am See Anosy flüchten. Kurze Zeit später war der Spuk dann vorbei. Im Kinderkrankenhaus in der Innenstadt hatten die Ärzte nach der Militäraktion dagegen einmal mehr Schwerstarbeit zu leisten, als junge Patienten, die das aggressive Gas eingeatmet hatten, mit schlimmen Atembeschwerden eingeliefert wurden.

Für die sechs Bielefelder Studentinnen Svenja Hammer, Heike Bullermann, Anna Herter, Ann-Kristin Rüther, Marina Micke und Ellinor Tittel, die dieser Tage auf dem einst paradiesischen Eiland landeten, wurde die Eingewöhnungsphase auf der viertgrößten Insel der Welt beim Einkaufsbummel auf dem Markt in der City empfindlich gestört. Beim allerersten Streifzug hatte es eine der im Zentrum agierenden Kinderbanden auf die Tasche eines Gruppenmitgliedes abgesehen, was jedoch im letzten Moment erkannt wurde. Einen Tag später hatte ein Madagasse Erfolg, der einer Studentin beim Bezahlen den Geldbeutel entreißen konnte. Trotz einer kurzen Verfolgungsjagd konnte nur noch das leere Portemonnaie zurückerobert werden.

Glück hatte dagegen bisher die 25-jährige Ceylan Erdogan von der Bielefelder Uni, die zwei Monate lang am Goethe Zentrum in Antananarivo unterrichtet und bisher von negativen Erfahrungen verschont blieb. Sie erlebte jedoch die stürmischen und feuchten Auswirkungen des Tropensturmes "Hubert", der an der Südostküste 54 Todesopfer forderte und Zehntausende obdachlos machte.

Bereits seit den 80er Jahren besteht laut Dr. Lutz Köster von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Uni Bielefeld ein Kooperationsvertrag mit der Universität im 8000 Kilometer entfernten Antananarivo, der besonders die Bereiche Mathematik und Deutsch als Fremdsprache betrifft. Regelmäßig halten sich madagassische Studierende und Doktoranden mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Bonn (DAAD) in Bielefeld auf. Deutsche Studierende arbeiten als Tutoren in Antananarivo, madagassische Doktoranden und Dozenten forschen in Bielefeld, deutsche Dozenten kommen zu Fortbildungsmassnahmen auf die Afrika vorgelagerte Gewürzinsel.

Hauptziele seien, so Dr. Lutz Köster weiter, die Entwicklung neuer Lehrinhalte und -formen, eine bessere Berücksichtigung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken während des Studiums, das zudem stärker berufsorientiert ausgelegt werden soll, die Förderung junger Wissenschaftler und nicht zuletzt studentische Mobilität in beide Richtungen.

Diese Institutspartnerschaft solle zur weiteren Förderung der deutschen Sprache im nach wie vor französisch orientierten Madagaskar beitragen. Neben der Universität gibt es dort noch ein erfolgreich agierendes Goethe Zentrum und zwei Gymnasien in Andohalo/Antananarivo sowie in Ambositra im südlichen Hochland, die im Rahmen der Afrika-Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" unterstützt werden. Mehrere hundert junge Leute lernen in diesen Einrichtungen mit viel Begeisterung Deutsch.

Überaus positiv bewertet wird von der von Professor Dr. Uwe Koreik (Bielefeld) geleiteten sechsköpfigen Studentinnengruppe (die letzte war 2004 in Madagaskar) der hautnahe Kontakt mit jungen Einheimischen, für die "Made in Germany" einen derart guten Ruf hat, dass sie die Sprache Goethes als Unterrichtsfach gewählt haben. An der Universität der Hauptstadt wurden Popmusikinterpreten und Liedtexte beider Länder in einem Workshop ausgetauscht, an den Gymnasien drückten die deutschen Gäste die Schulbank und erlernten spielerisch die ersten Brocken in der Landessprache Malagasy und beide Seiten kamen sich zudem bei Dialogen sprachlich näher. Und im Goethe Zentrum wurde in den Sprachkursen hospitiert. Also Bielefelder überall wo es "deutscht".

Derzeit ist die Gruppe auf der Nationalstrasse 7 Richtung Süden unterwegs, um die Besonderheiten der Insel sowie deren einzigartige Fauna und Flora kennen zu lernen. Auch dabei stehen etliche Begegnungen auf dem Programm, bevor es nach Ostern dann wieder zurück Richtung Bielefeld geht.


[Pressespiegel 21.3.2010 © Klaus Heimer, Antananarivo]