Spinath, F. M. (1995). Intraklassenkorrelationen und LISREL: Verschiedene Zugänge zur Analyse von Heritabilität und Umwelteffekten bei Temperamentsmerkmalen in Elterneinschätzungen. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 16, 280.

 

Neben der Berechnung von Intraklassenkorrelationen (ICC) zur Bestimmung der Ähnlichkeit von Zwillingen sind Strukturgleichungsmodelle zum allgemeinen Bestandteil von Arbeiten im Bereich der Verhaltensgenetik geworden. Trotz der Etablierung derartiger Standards besteht insbesondere bei der Untersuchung von Kindern die Gefahr, dass Beurteiler- und Targeteffekte, wie sie Kenny (1991) z.B. mit den Konzepten geteilter Bedeutungssysteme oder Überlappung beschreibt, die Ergebnisse verzerren. Derartig grundlegende konzeptuelle Überlegungen gehen jedoch selten in die Bestimmung der Ähnlichkeitswerte und die daraus resultierenden Heritabilitätsschätzungen ein, obwohl die Notwendigkeit der Berücksichtigung solcher Effekte gerade bei der Berechnung von Ähnlichkeitswerten mittels ICC offensichtlich erscheint. Im vorliegenden Papier sollen die Auswirkungen verschiedener methodischer Herangehensweisen bei der Ähnlichkeitsbestimmung empirisch untersucht werden.
In einer Stichprobe von 358 Zwillingspaaren im Alter von 2 bis 14 Jahren (186 eineiig und 172 zweieiig) wurden Elterneinschätzungen auf verschiedenen Temperamentsinventaren eingeholt. Dank des Vorliegens von zwei unabhängigen Einschätzungen für jedes Kind konnten Ähnlichkeitskoeffizienten für die Zwillinge auf verschiedene Arten berechnet werden. Vier dieser Zugänge sollen vorgestellt werden. Die erhaltenen Intraklassenkorrelationen, die klassischerweise als Grundlage zur Bestimmung von Heritabilität und Umwelteffekten herangezogen werden, weichen in Abhängigkeit des verwendeten methodischen Zugangs deutlich voneinander ab. Zusätzlich wurden LISREL Analysen durchgeführt. Die Ergebnisse der verschiedenen Herangehensweisen werden exemplarisch verglichen. Darüber hinaus wird diskutiert, welche Vorgehensweise zur Bestimmung der Ähnlichkeitskoeffizienten als die angemessenste erscheint und ob die Verwendung von Strukturgleichungsmodellen den aufgeworfenen methodischen und konzeptuellen Fragen in befriedigender Weise Rechnung tragen kann.

 

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