Fakultät für Soziologie
 
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Workshop: Medienwandel als Wandel von Interaktionsformen (11.-12. Januar 2007)

Von frühen europäischen Medienkulturen zu virtuellen Agenten und dem Web 2.0
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Alexander Mehler

Kurzbeschreibung

Der beschleunigte Wandel von Kommunikationsmedien stellt eine Herausforderung für die Medienwissenschaft dar, und zwar im Hinblick auf die qualitative und quantitative Strukturanalyse dieses Wandels — ausgehend von frühen europäischen Medienkulturen bis hin zum so genannten Web 2.0. Dieser Aspekt der Medienforschung soll im Zentrum der Tagung stehen. Dabei kommen erstens Entwicklungen im Wechsel von Massenmedien zu neuen, "interaktiven" Medien in den Blick. Dies betrifft den Wandel von den alten Medien in Form von Einwegkommunikation zu den neuen Medien in Form von Netzkommunikation. Im Unterschied zur einseitigen Kommunikationsform der Massenmedien sollen neue, computergestützte Formen der Medienkommunikation "interaktiv" sein, d.h. gesteigerte Rückkopplungs- und Eingriffsmöglichkeiten für die Adressaten und Nutzer bieten. Sozialwissenschaftlich bedeutsam ist dabei die Einschätzung der Qualität dieser Möglichkeiten.

Mit dem Aufkommen des Web 2.0 vollzieht sich zweitens ein weiterer, kaum vorhergesehener Medienwandel. An die Stelle des klassischen WWW-Nutzers in Form des passiven Informationskonsumenten tritt vielfach der aktive Informationsproduzent, der sein Informationsangebot als Mitglied sozio-technischer Gemeinschaften und somit in Kooperation mit Gleichgesinnten erbringt. Das Web formiert sich in einigen Bereichen als ein Medium der verteilten Kognition, und zwar unter Verwendung von so genannter Social Software ausgehend von Newsgroups über vernetzte Weblogs bis hin zu den unzähligen Wikis u. a. der Wissens- und Technikkommunikation — in allen diesen Fällen weitgehend ohne jede zentrale Kontrollinstanz. Parallel zu dieser Entwicklung der Netzkommunikation etablieren sich über die Grenzen der Informatik hinweg künstliche Agenten und Roboter als dienstbare Lebensgefährten, deren Vernetzung zu künstlichen Gemeinschaften (Beispiel Robocup 2006) die Grundlage eines neuen Wissenschaftsparadigmas bildet, und zwar in Form von Multiagenten-Simulationen. Aus dieser Ko-Evolution von Social Software als Grundlage der Netzkommunikation und künstlichen Agenten ergibt sich die Perspektive auf die Herausbildung sozio-technischer Gemeinschaften, an denen natürliche oder künstliche Agenten zum Zweck der kooperativen/konkurrierenden Aufgabenbewältigung teilhaben.

Damit stehen wir vor der Frage, welche Konsequenzen aus dieser Entwicklung für den Begriffsapparat der Medienwissenschaft resultieren. Dies betrifft insbesondere den Begriff der Interaktion, welcher nicht mehr nur unter Loslösung von der Face-to-Face-Kommunikation zu untersuchen ist, sondern die Integration künstlicher Agenten wie auch die medienbasierte Vernetzung zu großen sozio-technischen Gemeinschaften zu bewältigen hat. Der Wandel von Interaktionsformen lässt sich dabei generell auf fünf, teils konkurrierenden Ebenen beschreiben: Vor diesem Hintergrund stellen sich unter anderem folgende Forschungsfragen: Was kann die "Interaktivität" neuer Medien bedeuten und welche neuen Möglichkeiten können damit realistischerweise verbunden werden? Welche Möglichkeiten und Grenzen besitzen die im Zuge des Medienwandels aufkommenden Interaktionsformen? Wie sind sie tradiert und inwiefern übersteigen sie althergebrachte Interaktionsformen? Die Beantwortung dieser Fragen erfordert ein interdisziplinäres Vorgehen, das unter anderem folgende Bereiche integriert, ohne auf diese beschränkt zu sein.


 

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