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Jahrgang 38, Heft 2, April 2009 / Volume 38, Number 2, April 2009

Ökonomische Selbstständigkeit von Migranten in Deutschland: Effekte der sozialen Einbettung in Nachbarschaft und Haushalt
Self-Employment of Immigrants in Germany: Effects of Social Embeddedness within Neighborhood and Household

Reinhard Schunck
Universität Bremen, Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS), Postfach 330440, 28334 Bremen, Germany
E-Mail: rschunck@bigsss.uni-bremen.de

Michael Windzio
Universität Bremen, FB 08, Postfach 330440, 28334 Bremen, Germany
E-Mail: mwindzio@uni-bremen.de

Zusammenfassung: Dieser Beitrag untersucht mit Daten des Mikrozensus 2004 den Einfluss sozialer Einbettung auf die ökonomische Selbstständigkeit von Migranten in Deutschland. Für Migranten ist die Selbstständigkeit in vielen Aufnahmeländern ein wichtiger Modus der ökonomischen Integration. In Deutschland war die unternehmerische Aktivität von Migranten bis Ende der 1990er Jahre eher schwach ausgeprägt, seither steigen die Selbstständigenquoten von Migranten jedoch deutlich. In unserer Analyse von Pseudo-Paneldaten des Mikrozensus werden Statusübergänge in die Selbstständigkeit sowie Abstromprozesse aus der Selbstständigkeit untersucht. Ausgehend vom Konzept der „mixed embeddedness“ legen wir besonderes Augenmerk auf Effekte der sozialen Einbettung in Nachbarschaft und Haushalt. Die Analysen zeigen, dass sozialökologische Bedingungen für Gründungen und Überlebenschancen der Unternehmen von Migranten bedeutsam sind. Insbesondere wohlhabende Nachbarschaften mit einer hohen Konzentration von Migranten sind durch eine hohe Gründungsintensität, aber auch durch ein erhöhtes Risiko der Unternehmensaufgabe gekennzeichnet. Darüber hinaus zeigt sich, dass die ökonomische Aktivität in der Nachbarschaft sowohl Gründungen fördert als auch Unternehmensaufgaben entgegen wirkt.

Summary: This paper examines the effect of social embeddedness on migrants' self-employment in Germany using data from the 2004 microcensus. In many receiving countries, self-employment is an important mode of economic integration. Yet, in Germany the level of entrepreneurial activities among immigrants has been comparably low. Since the end of the 1990ies, however, self-employment rates among immigrants have been rising. Using the pseudo-panel structure of the microcensus, our analysis focuses on transitions into and out of self-employment. Using the “mixed embeddedness” concept as a theoretical frame, we analyze how an actor’s embeddedness in the neighborhood and the household influences the transition process. Our analysis shows that ecological conditions do indeed significantly affect the founding and survival chances of immigrant businesses. In particular, within wealthy neighborhoods with a high concentration of immigrants, we find a high turnover of businesses with many launchings and cessations. Furthermore, the neighborhood’s economic activity increases the frequency of business launching and decreases business cessation.

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