Arbeitsbereich III 'Sport und Gesellschaft'
 
 
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Aktuelle Forschungsprojekte des Arbeitsbereichs III

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Bosman-Urteil und Nachwuchsförderung

Folgen der Abschaffung von Ausländerklauseln für die Nachwuchsrekrutierung in den Sportspielen

Projektleitung:
Prof. Dr. Klaus Cachay

Mitarbeiter:
Dr. Lars Riedl

Laufzeit:
01.07.1998- 31.12.2000

Auftraggeber / Finanzierung:
Bundesinstitut für Sportwissenschaft

In Reaktion auf das sog. "Bosman-Urteils" vom 15.12.1995 und dem Wegfall der Ausländerklauseln rekrutierten die deutschen Vereine zur Steigerung ihrer Erfolgschancen massenhaft ausländische Spieler. Auf Grund des Erfolgsdrucks setzen die Vereine primär fertige ausländische Stars ein, anstatt das Risiko einzugehen, talentierte Nachwuchsspieler langfristig aufzubauen. Das Resultat ist, dass in den Bundesligamannschaften kaum noch Nachwuchsspieler vertreten sind. Dies führt nicht nur zu einer offensichtlichen Schwächung der Nationalmannschaften, sondern hat vermutlich auch negative Auswirkungen auf die Nachwuchsarbeit in den Vereinen. So lohnt es sich aus einer Kosten-Nutzen-Perspektive gesehen für die Vereine nicht, Spieler auszubilden, die sie dann nicht einsetzen. Darüber hinaus besteht langfristig die Gefahr, dass der nationale Spitzennachwuchs mangels Perspektive mit dem Leistungssport aufhört, was angesichts der generellen Nachwuchsprobleme für viele Sportarten bedeuten würde, dass ihnen nicht nur die Masse sondern zukünftig auch die Klasse fehlen wird.

Deshalb sind die zentralen Fragestellungen des Projekts: Welche Veränderungen sind in der Nachwuchsarbeit durch das Bosman-Urteil ausgelöst worden, und was sind die (in-)direkten Folgen für das Sportsystem und seine verschiedenen Akteure? Die Untersuchung erfasst alle für diese Problematik relevanten Akteure. Dies sind auf der Ebene der Organisationen zum einen die Vereine, die bislang die basalen Institutionen der nationalen Nachwuchsförderung waren. Zum anderen sind es die nationalen Sportverbände, die auf die Kooperation mit den Vereinen, welche jetzt auf Grund der Globalisierung des Sports aber international Spieler rekrutieren, angewiesen sind. Weiterhin werden die verschiedenen Trainer untersucht. Dies sind zunächst die Herrentrainer, die über einen potentiellen Einsatz von Nachwuchsspielern entscheiden. Weiterhin sind es die Bundestrainer, die zur Sicherung leistungsstarker Nationalmannschaften auf eine kontinuierliche nationale Nachwuchsförderung angewiesen sind. Schließlich die Jugendtrainer, die sich vor Ort mit der drohenden Perspektivlosigkeit der Nachwuchsspieler auseinandersetzen müssen. Die wichtigsten Akteure sind die Nachwuchsspieler. Hier geht es darum, welche Ziele sie sich hinsichtlich ihrer sportlichen Karriere stellen (können), wie sie ihre Chancen beurteilen, oder ob sie ihre Laufbahn vorzeitig abbrechen. Dabei wird unterschieden zwischen Nachwuchsspielern, die bereits Erfahrungen im Herrenbereich gemacht haben (Junioren), und denen, die noch vor der Wahl stehen, ob sie diese Erfahrungen machen wollen (A-Jugend).

Die theoretische Konstruktion des Forschungsproblem erfolgt im Rahmen der soziologischen Systemtheorie, die durch ein generelles Modell der Akteur-Struktur-Dynamiken ergänzt wird. Damit werden so neben den systemischen Restriktionen auch die jeweils spezifischen Handlungsmöglichkeiten der relevanten Akteure, die zwar durch das System präfiguriert aber nicht determiniert sind, elaboriert.

Die Untersuchung erfolgt in der Leistungsspitze der vier großen Spielsportarten der Männer (Handball, Fußball, Eishockey, Basketball), weil hier die Kommerzialisierungsprozesse am weitesten fortgeschritten sind. Zur Datenerhebung werden quantitative und qualitative Methoden verwendet. Mit unterschiedlichen, auf der Grundlage des theoretischen Ansatzes abgeleiteten Fragebögen sollen die A-Jugendlichen aus den Nachwuchsmannschaften der Bundesligavereine, die Junioren in den Herren-Bundesligamannschaften sowie die Spieler der A-Jugend- und Juniorennationalmannschaften befragt werden. Das gleiche Verfahren wird auch für die Vereinstrainer (Herren/Jugend) und die Vertreter des Vereinsmanagement (Manager/Präsident) verwendet. Mit Leitfadeninterviews werden die Verbandsvertreter und Nationaltrainer (Herren, Junioren, Jugend) erfasst.

 

 

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