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Forschungsprojekt

  • Auftraggeber / Finanzierung

  • Innenminsiterium des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Kurzbeschreibung

  • Italienisch, Russisch, Deutsch oder Türkisch? Kulturelle Unterschiede? Verständigungsschwierigkeiten? - Im Sport offenbar kein Problem, denn für ein gutes Zuspiel bedarf es ja keiner perfekten Grammatik. "Sport spricht alle Sprachen", "Sport verbindet" und "Sport kennt keine Grenzen" lauten denn auch die Slogans, mit denen (sport-)politische Entscheidungsträger nicht müde werden, den besonderen Beitrag des Sports zur Völkerverständigung und -integration zu betonen. Und entsprechend stellt auch der Deutsche Olympische Sportbund (2006) in seiner "Positionierung [...] zum Themenbereich Integration" fest, dass das gemeinsame Sporttreiben nicht allein Formen der Selbstverwirklichung und Selbstbehauptung biete, sondern ebenso zur Fairness, zur Akzeptanz von Regeln und des sportlichen Gegners anhalte, dass es soziale Kompetenzen vermittle, gegenseitiges Vertrauen schaffe, Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen anrege und Möglichkeiten des kulturellen Austauschs eröffne.

    In der Linie dieser selbst formulierten Ansprüche versucht der organisierte Sport seit nunmehr gut drei Jahrzehnten, in Zusammenarbeit mit den Bundes- und den Landesministerien gezielte Integrationsmaßnahmen anzustoßen und dadurch eine Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in und durch den Sport zu erreichen. Und dies lassen sich Bund und Länder einiges kosten. So wird allein das Programm "Integration durch Sport" des Deutschen Olympischen Sportbundes laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble jährlich mit über 5 Millionen Euro ge-fördert.

    Allerdings: Trotz des unbestritten großen Bemühens des Sports, hier einen Beitrag zu leisten, liegen derzeit zur realen Situation der Integration von Migrantinnen und Migranten in und durch den Sport bislang kaum verlässliche Daten vor. Dies betrifft zum einen Informationen darüber, wie groß die Zahl der regelmäßig und or-ganisiert Sport treibenden Menschen mit Migrationshintergrund ist und welche speziell integrationsbezogenen Sportangebote überhaupt existieren. Dies betrifft zum anderen aber auch gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich Integration im Sportverein gegenwärtig darstellt. So weist zwar die Höhe der vom organisierten Sport für entsprechende Maßnahmen aufgewendeten Mittel auf die große Bedeutsamkeit hin, die der Thematik beigemessen wird, jedoch kann hieraus noch lange nicht gefolgert werden, dass tatsächlich die angestrebten Integrationserfolge erzielt werden.

    Da es nun aber zu einer zielgerichteten, langfristigen und vor allem Erfolg versprechenden Implementation und Durchführung von Maßnahmen zur Integration von Migrantinnen und Migranten in und durch den organisierten Sport zumindest eines Grundbestandes an gesicherten Daten über das betreffende Handlungsfeld bedarf, setzt sich die Studie folgende Ziele:
    • Erstens soll ein genereller Überblick über den Status Quo des Sportengagements von Personen mit Migrationshintergrund sowie der Umsetzung von bewegungsbezogenen Integrationsmaßnahmen innerhalb einer Kommune -, insbesondere im organisierten Sport - ermöglicht werden.
    • Zweitens Soll die Wirksamkeit bereits laufender sportbezogener Integrations-maßnahmen untersucht werden.
    Mit Blick auf diese Zielsetzungen ist geplant, zwei regionale Fallstudien in zwei ausgewählten Städten Nordrhein-Westfalens, Bielefeld und Duisburg, durchzuführen. Diese erfolgen zum einen als flächendeckende Totalerhebungen in Form einer postalischen Fragebogenuntersuchung, mittels derer nicht allein alle Sportvereine der beiden Stadtgebiete, sondern ebenso weitere Organisationen, wie z.B. Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Krankenkassen oder auch kommerzielle Sportanbieter, in den Blick genommen werden, um die gesamte Breite des kommunalen Sportangebots erfassen zu können, an dem Migrantinnen und Migranten partizipieren.

    Zum anderen umfassen die geplanten Fallstudien in den beiden ausgewählten Städten je zwei Einzelfalluntersuchungen zu sogenannten "Best-Practice"- Modellen, wobei sowohl deutsche als auch eigenethnische Vereine einbezogen werden. Hier sollen mittels leitfadengestützter Interviews die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Implementation und Realisation sportbezogener Integrationsmaßnahmen vertiefend analysiert werden, um so den zentralen Mechanismen auf die Spur kommen zu können, die einer Integration von Migrantinnen und Migranten in und durch den Sport förderlich beziehungsweise hinderlich sind.

    Ziel der geplanten Studien ist es insgesamt, die Untersuchungsergebnisse in konkrete Empfehlungen für die künftige Weiterentwicklung sportbezogener Integrationsmaßnahmen zu übersetzen.