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Universitätsgesellschaft
Bielefeld

40 Jahre Westfälisch-Lippische Universitätsgesellschaft

Die Vorgeschichte der Gründung


Am Rande der Sitzung des Arbeitsausschusses zur Bildung der „Gesellschaft der Freunde und Förderer einer Universität in Ostwestfalen" am 29. Dezember 1965, auf der man in „kleinem Kreis" die Gründung der Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft beschloss und Rudolf-August Oetker zum Vorsitzenden wählte. Anwesend waren aus Bielefeld Oberbürgermeister Hinnendahl, Bürgermeister Broelemann, der Bundestagsabgeordnete Dr. Lohmar, der IHK-Präsident und Direktor der Bielefelder Anker-Werke Dr. zur Nieden, Rudolf August Oetker sowie der stellvertretende Landrat des Landkreises Bielefeld, Dr. Köhler; den Raum Herford und damit dem letzten Konkurrenten Bielefelds im Wettstreit um den Standort der „Universität in Ostwestfalen“ vertraten der Herforder Oberbürgermeister Dr. Schober und der Herforder Landrat Albrecht; als Gäste aus dem Bereich der Universität waren die Mitglieder des Gründungsausschusses Prof. Dr. Schelsky und Freiherr von Medem gekommen sowie Rudolf Krüsmann vom Vorstand des Vereins der Freunde der Ruhr-Universität Bochum. Das Bild zeigt von links Herbert Hinnendahl, Dr. Kurt Schober, Prof. Dr. Helmut Schelsky und einen sichtlich gut gelaunten Rudolf August Oetker. (Foto: G. Rudolf / Universitätsarchiv)

 

Das früheste Dokument, das sich mit der Gründung einer Universität in Bielefeld befasst, war das Schreiben des Vorstandsmitglieds der ASTA-Werke in Brackwede, Ewald Kipper, an den Bielefelder Oberstadtdirektor Heinz-Robert Kuhn vom 9. Dezember 1960. Quelle: Stadtarchiv Bielefeld, ???.
Mit Bezug auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Bau neuer Universitäten, u.a. auch im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, wandte sich am 9. Dezember 1960 der Direktor der Brackweder ASTA-Werke, Ewald Kipper, an den Bielefelder Oberstadtdirektor, um für Bielefeld als Standort einer Universität und die Gründung einer Fördergesellschaft zu werben: "... Stadt und Land Bielefeld sollten die größtmögliche Initiative einsetzen, um Herrn Minister Dufhues den Gedanken klarzumachen, daß auch der Raum Bielefeld/Sennestadt/Teutoburger Wald für die Errichtung einer Universitätsstadt als ein geradezu ideales Gebiet geeignet wäre. ... Trotzdem ist es die Ansicht des Unterzeichneten, daß zum mindesten ein Kreis verantwortlicher Wissenschaftler, Juristen und Wirtschafter sich schnell zusammenfinden müßte zu einer ersten unverbindlichen Aussprache, vorläufig unter Ausschluss der Presse, um die Idee zu erörtern und um evtl. konkrete Beschlüsse zu fassen, um diese Angelegenheit zu fördern.”
Forcierung und Begleitung des Vorgeschichte der Gründung der Universitätsgesellschaft in der Bielefelder Lokalpresse. Links: Westfalen-Blatt vom 17. Januar 1964; rechts: Westfälische Zeitung vom 6. Januar 1966.
Die Universitätsplanungen in Ostwestfalen gerieten in der Folgezeit nahezu in Vergessenheit, bis sich drei Jahre später die Pläne der Landesregierung für eine weitere Universität in Ostwestfalen verdichteten und konkretisierten. Die Bielefelder Tageszeitungen forcierten vor dem Hintergrund eines Bewerberwettstreits um den Standort der zu gründenden Universität die Gründung einer Bielefelder Förderergesellschaft und suchten in der Wirtschaft und anderen gesellschaftlich relevanten Gruppen nach Bündnispartnern für eine Universität in Bielefeld. Lange vor der endgültigen Standortentscheidung wurde der Bielefelder Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl im Frühjahr 1965 aktiv und arrangierte zunächst ein Treffen der Förderer in Bielefeld "im kleinen Kreis”. Der sich am 10. Juli 1965 im Bielefelder Bankhaus Lampe formlos konstituierende Arbeitsausschuss sah seine Rolle als parteipolitisch neutraler geistiger und materieller Förderer der Universität in Ostwestfalen und fungierte schon bald als wichtiger Ansprechpartner für die Planer der Universität um Kultusminister Mikat und Helmut Schelsky.
  Rechts: Der Bielefelder Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl ergreift die Initiative. Schreiben an Rudolf August Oetker vom 5. Mai 1965.
Blick auf das noch unbebaute Gelände des Voltmannshofs mit dem Wellensiek im Vordergrund im Jahr 1967. Schreiben des NRW-Kultusministers Paul Mikat vom 29. Oktober 1965 an den designierten Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft Rudolf August Oetker. Westfalen-Blatt vom 9. November 1965 zur „Vorentscheidung“ in der Standortfrage.
Die nicht veröffentlichte Kabinettsvorlage vom 25. Oktober 1965 sprach zwar offiziell nur von einer Entscheidung für den Standort Bielefeld-Herford, doch ließ sie  kaum noch Zweifel zu, dass der Standort Voltmannshof den Zuschlag erhalten würde. Es hieß dort: „Für die Errichtung einer Universität in Ostwestfalen wird der Standort Bielefeld-Großdornberg vorgesehen.“ Unmittelbar nach der Grundsatzentscheidung der Landesregierung für den Standort Bielefeld-Herford am 9. November 1965 drängte Oberbürgermeister Hinnendahl dann auf eine förmliche Konstituierung des Vereins. Hinnendahl schrieb am 18. November 1965 an Rudolf August Oetker: „Nachdem in der Standortfrage der Universität eine erfreuliche Entscheidung gefallen ist, möchte ich Sie hiermit freundlichst um eine Unterredung bitten.“ Ob das Drängen Hinnendahls zu diesem Zeitpunkt bereits seinem Wissen darüber entsprang, dass im Kabinett lediglich die Bielefelder Lösung am heutigen Universitätsstandort verfolgt wurde, ist unklar. Bei der Sitzung des Gründungsausschusses der Universitätsgesellschaft am 29. Dezember 1965 beschloss man einstimmig die Gründung der "Westfälisch-Lippischen Universitätsgesellschaft e.V. – Verein der Freunde und Förderer”, Oetker zu deren Vorsitzenden zu wählen und für den 29. Januar 1966 zur Gründungsversammlung einzuladen.