Universität Bielefeld

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Wintersemester 2008/2009


Konzert des Hochschulorchesters


Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Klavierkonzert Nr. 1 b-moll op. 23 (1874)
César Auguste Jean Guillaume Hubert Franck (1822-1890): Sinfonie in d-Moll, FMV 48 (1886-1888)

Ausführende

Jan-Christoph Homann, Klavier
Hochschulorchester Bielefeld
Leitung: Michael Hoyer

Programm

Programmheft (download im PDF-Format).

Rezensionen


Neue Westfälische vom 4.2.2009

    Abgedroschenen Konzertreißer lyrisch beseelt
    Jan-Christoph Homann beeindruckt beim Konzert des Hochschulorchesters Bielefeld

    VON MATTHIAS GANS
    Bielefeld. War es das populäre Programm oder der Auftritt eines international preisgekrönten Klaviersolisten, der das Audimax beim Konzert des Hochschulorchesters Bielefeld zum Abschluss des Wintersemesters überaus respektabel füllte?
    Unverdient war diese Aufmerksamkeit indes nicht. Denn was der am Ende mit wahren Applaus-Salven gefeierte Pianist Jan-Christoph Homann in Peter Tschaikowskys b-Moll-Konzert leistete, ließ erkennen, was diesem oftmals zu purem Virtuosenfutter degradierten Werk zu oft abgeht: ein beseelter Lyrismus.
    Der 27 Jahre alte Musiker ist weniger ein Vertreter vordergründig funkelnden Skalenspiels und wuchtigen Akkordgewitters, auch wenn ihm die Doppeloktavketten, die Tschaikowsky von seinen Interpreten hier im Übermaß verlangt, durchaus donnernd-vibrierend von der Hand gehen. Homann weiß vor allem die lyrischen Seiten dieser Partitur mit differenziertem Anschlag auszukosten, ohne darüber die große Linie zu verlieren.
    Beispielhaft, wie er im langsamen Satz die Kantilene zu „singen“ versteht, um im Wirbelwind des Trio-Walzers das Thema duftig-filigran zu umspielen. Homanns Tschaikowsky-Konzert „schwitzt“ nicht, in den besten Momenten lässt er vergessen, wie ungemein schwierig das Stück zu spielen ist.
    Das Hochschulorchester Bielefeld unter Michael Hoyer spielt, bei nur leicht gedrosseltem Tempo, höchst aufmerksam, beeindruckt an einzelnen Pulten mit guten solistischen Leistungen und lässt nur selten im nicht einfachen Wechselspiel mit dem auswendig spielen Solisten leichte Schwächen erkennen.
    Michael Hoyers im Programmheft festgehaltenes Unbehagen an César Francks Sinfonie d-Moll lässt sich nachvollziehen. Was der Dirigent allerdings als „entpersönlichte Melodien“ mit geringem Wiedererkennungswert bezeichnet, ist zumindest diskussionswürdig. Ist es nicht eher so, dass der Hörer schon nach dem Kopfsatz des kaum veränderten Themenvorrats überdrüssig ist?
    Ungeachtet solcher Fragen führte Hoyer die 55 Musiker seines Orchesters weitgehend gut ausbalanciert durch das Werk, auch wenn sich der etwas knapp besetzte Streicherapparat nicht ganz gegen den wohlkonturierten Blechbläsersatz der Kollegen durchsetzen konnte. Vorzügliches war vom Englischhorn im langsamen Satz zu hören, überhaupt war von der skeptischen Grundhaltung des Dirigenten wie auch des Orchesters in der engagierten Interpretation dieses Werks nichts zu vernehmen. Vielleicht wäre so viel Enthusiasmus in einem anderen Meisterwerk der französischen Spätromantik, der allzu sehr vernachlässigten Sinfonie B-Dur von Ernest Chausson, besser aufgehoben gewesen.
    Am verdient anhaltenden Beifall am Schluss änderte diese Programm-Entscheidung indes nichts.
    © 2009 Neue Westfälische