• Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZG)

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Prof. Dr. Tomke König - Sprecherin (Soziologie)

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Tomke König forscht über Mechanismen der Reproduktion und Transformation von Klassen- und Geschlechterverhältnissen. In ihren mikrosoziologischen Untersuchungen hat sie sich mit Fragen der Macht, der Arbeitsteilung sowie der Vergeschlechtlichung von Subjekten auseinandergesetzt. Das Thema des GRK steht in direktem Zusammenhang mit einem zentralen Befund ihrer empirischen Untersuchungen zu Familie: Geschlecht und Geschlechterverhältnisse sind in einer Umbruchsituation, in der alte Muster zwar fortbestehen, aber nicht mehr ohne weiteres funktionieren. Gleichzeitig fehlen für die neuen Vorstellungen davon, was es heißt, ein Geschlecht zu existieren, häufig (noch) die Worte. Das Neue ist implizit spürbar, wahrnehmbar, aber die Begriffe und Konzepte, die bislang in der Sprache vorhanden sind, reichen nicht aus, um es auszudrücken. Dieser Befund wurde zum Ausgangspunkt einer gemeinsam mit Ulle Jäger entwickelten „erlebensbezogenen Geschlechterforschung“, die auf einer Theorie des Impliziten und Methoden der Versprachlichung des noch nicht Sagbaren basiert.

Prof. Dr. Walter Erhart (Germanistische Literaturwissenschaft)

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Walter Erhart forscht und publiziert über literaturwissenschaftliche Themen der Gender Studies, über Theorien der Geschlechterforschung und ihre Weiterentwicklung, aber auch über literarische Inszenierungen von Männlichkeiten seit dem 18. Jahrhundert. Ein besonderes Anliegen ist dabei die Verbindung von historischen und gegenwärtigen Erfahrungswelten von Geschlecht mit literarisch-ästhetischen und narrativen Formen. Aus dieser Perspektive wird vor allem ein genuin ästhetischer und literaturwissenschaftlicher Beitrag zum GRK vorbereitet und gesichert: Dabei geht es um den Erkenntniswert historisch und ästhetisch inszenierter Geschlechterpraktiken sowie um die auch literaturtheoretisch erneuerte Frage, inwieweit Kunst und Literatur eine direkte Erfahrbarkeit des fremden und eigenen Geschlechts ermöglichen.  

Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen (Politische Theorie und Ideengeschichte)

Oliver Flügel-Martinsen hat in zahlreichen Arbeiten theoretisch-konzeptionell zu Theorieansätzen (u.a. Poststrukturalismus, Diskurstheorien, Subjektivierungstheorien, kritische Gesellschafts- und Politische Theorie) und Autor*innen (u.a. Judith Butler, Michel Foucault, Iris M. Young, Wendy Brown) publiziert, die für das Forschungsprogramm maßgeblich sind. Methodologisch arbeitet er mit hermeneutischen, diskursanalytischen, dekonstruktiven und genealogischen Verfahren, die zudem interdisziplinär ausgerichtet sind. Diese starke interdisziplinäre Dimension (u.a. Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Kulturwissenschaft) seiner Forschung ist generell für das Forschungs- und Ausbildungsprogramm des GRK von großer Bedeutung. Thematisch hat er u.a. umfangreich und unter Einbeziehung geschlechtertheoretischer Dimensionen zu Theorien der Subjektivierung, des Widerstands und der politisch-sozialen Transformation gearbeitet, die im GRK eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere ist in diesen Forschungen das Spannungsverhältnis verschiedener Dimensionen der Subjektivität/subjektiven Identität und sozialen Ordnungen wichtig.

Prof. Dr. Valerie Kastrup (Sportwissenschaft)

Valerie Kastrup arbeitet im Rahmen der empirischen Schul- und Unterrichtsforschung zu Fragen der Professionalisierung von Sportlehrer*innen, zu Kommunikations- und Interaktionsprozesse im Sportunterricht sowie zum beruflichen Gesundheitsmanagement und Fragen des Umgangs mit verschiedenen Heterogenitätsdimensionen im Schulsport. Beforscht hat sie den Zusammenhang von Geschlechtszugehörigkeit von Sportlehrkräften und zugeschriebener Kompetenz sowie die hierarchisierenden Dynamiken des von Männern dominierten Berufs des Schulsports.

Prof. Dr. Petra Kolip (Gesundheitswissenschaften)

Petra Kolip setzt sich in ihren Forschungsprojekten u.a. mit der Medikalisierung körperlicher Umbruchphasen (Schwangerschaft/Geburt, Wechseljahre) sowie mit der Relevanz von Gender in der Praxis der Prävention und Gesundheitsförderung auseinander. In den Projekten steht die Frage im Zentrum, welche Relevanz die theoretischen und empirischen Erkenntnisse für die Praxis haben, sei es in der gesundheitlichen Versorgung oder in der Konzeption und Durchführung von Prävention und Gesundheitsförderung. Der Theorie-Praxis-Transfer ist konstituierendes Element in den Gesundheitswissenschaften und der gelebte (geschlechtliche) Körper ist zentral.

Prof. Dr. Diana Lengersdorf (Soziologie)

Diana Lengersdorf forscht zu Fragen von Ereignen, Erleben und Erfahren in einer praxistheoretischen Perspektive und ist hier sowohl an den theoretischen als auch methodischen Diskussionen beteiligt. Lengersdorfs zentrales Forschungsfeld ist der Wandel von Männlichkeitspraxen, u.a. hinsichtlich von Digitalisierungsprozessen, von Familie und Vaterschaft sowie Erwerbsarbeit. Zudem arbeitet Lengersdorf zum Verhältnis von Männlichkeiten und Macht-/Herrschaftskonstellationen.

Prof. Dr. Julia Roth (American Studies)

Julia Roth hat Vorarbeiten zum Konzept der Intersektionalität – insbesondere in transnationalen und postkolonialen Kontexten – geleistet. Darüber hinaus beschäftigt sie sich in ihrer Forschung und Lehre mit Hip Hop als intersektionalem Erfahrungs- und Wissensraum. Zuletzt hat sie zu Geschlecht und Rechtspopulismus geforscht, insbesondere zur Rolle von Geschlecht als „affektive Brücke“ (Gabriele Dietze) für Kämpfe um Hegemonie im neoliberalen Kontext sowie zu feministischen Protesten gegen den rechten Trend als Praktiken der „embodied intersectionality“. Weiterhin hat sie zu Geschlecht und Staatsbürgerschaft als zentrale Dimensionen globaler Ungleichheit publiziert sowie zu den daraus resultierenden „practices of embodiment“ von Frauen und marginalisierten Menschen.

Prof. Dr. Rainer Schützeichel (Soziologie)

Rainer Schützeichel hat graduiertenkollegsrelevante Schwerpunkte auf dem Gebiet der soziologischen Theorie sowie der Wissens-, Professions- und Emotionssoziologie. Er hat sich in seinen theoretischen Forschungsarbeiten mit der epistemischen Kategorie der Erfahrung befasst und untersucht auf der Basis enaktivistischer Theoriedispositionen die affektiven Bedingungen und Konsequenzen von Erfahrungsordnungen in verschiedenen gesellschaftlichen Funktionsfeldern, insbesondere von professionalisierten Funktionsfeldern und in ihren Institutionen.

Prof. Dr. Heidemarie Winkel (Soziologie)

Heidemarie Winkel forscht im Schnittpunkt von globaler Religions- und transkultureller Geschlechtersoziologie. Sie hat systematisch zum Wandel religiöser Sinn- und Wissensordnungen zu Geschlecht und den damit verknüpften symbolischen Re-Codierungen von Geschlecht gearbeitet. Gegenstandsbereiche sind u.a. feministische religiöse Bewegungen sowie Religion als Sinnressource von Gleichheits- und Gerechtigkeitsvorstellungen. Ein primärer empirischer Bezugspunkt ihrer Forschung ist der Mashriq. In jüngeren Arbeiten hat sich Winkel der Thematik situierter, erfahrungsbasierter Wissensproduktion über Geschlecht vermehrt aus postkolonialer Perspektive gewidmet. Der Beitrag zum GRK wird neben der Expertise in interpretativer, phänomenologisch orientierter Sozialforschung vor allem darin bestehen, sich religiös basierten Existenzweisen von Geschlecht aus erfahrungs- und wissenssoziologischer Perspektive zu nähern und das Verständnis für Geschlecht als kolonialer Wissens- und Erfahrungskategorie zu vertiefen.

Dr. Benedikt Wolf (Germanistische Literaturwissenschaft)

Benedikt Wolf beschäftigt sich in seiner Forschung zentral mit dem Zusammenhang von Geschlecht und Sexualität und dessen Verhältnis zu Literatur. Dabei nimmt er eine methodologische und theoretische Position ein, die sich für die Erscheinungen des literarischen Textes selbst und deren sexuelle und geschlechtliche Dimensionen interessiert. Dadurch tritt das Verhältnis der in den Text eingehenden Erfahrungen und der Erfahrungen, die im Text selbst und seiner Lektüre gemacht werden, ins Zentrum des Interesses. In diesem Sinne hat er sich in seiner Dissertation Penetrierte Männlichkeit mit der Diskursivierung von Körpern und der Körperlichkeit von Texten auseinandergesetzt. Die sexuelle Körperlichkeit von narrativen und lyrischen Texten hat er in Aufsätzen zu Wolfgang Borchert, Dinos Christianopoulos, Hubert Fichte und der anonymen pornographischen Lyriksammlung Die braune Blume weiterverfolgt. Besonders befasst er sich außerdem mit der Literatur der 1970er Jahre.