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Die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld trauert um
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller,
14. Februar 1938 – 28. Februar 2024.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller
Achim Müller

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller wurde am 14. Februar 1938 in Detmold geboren. Er studierte Chemie und Theoretische Physik an der Universität Göttingen und promovierte dort 1965 bei Prof. Dr. Oskar Glemser im Bereich der experimentellen Thermochemie mit der Arbeit „Beiträge zur Untersuchung von Reaktionen zwischen Oxiden und Wasserdampf“. Bereits zwei Jahre später habilitierte er sich 1967 über ein Thema aus dem Bereich der Schwingungsspektroskopie und erhielt die venia legendi von der gleichen Universität. Im Jahr 1971 folgte er einem Ruf an die Universität Dortmund und schließlich 1977 an die Universität Bielefeld, an der er auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 weiter erfolgreich wissenschaftlich tätig war.

Seine Forschungsinteressen in der Anorganischen Chemie waren breit gefächert und reichten von der Übergangsmetallchemie, der Spektroskopie, der Bioanorganischen Chemie, der Magnetochemie und der Nanowissenschaft/Materialwissenschaft bis hin zu Darstellungen chemischer und naturwissenschaftlicher Sachverhalte in allgemein verständlicher Form sowie der Beschäftigung mit wissenschaftsphilosophischen Fragestellungen. Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte er sich in der Anorganischen Chemie vornehmlich mit Übergangsmetall-Thioanionen und Metall-Sulfidocluster.

Seit den frühen 1990er Jahren haben Achim Müller und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spektakuläre Beiträge zur Chemie der Polyoxometallate (kurz POMs) geleistet, beginnend mit einer Reihe von Arbeiten über die Strukturen und magnetischen Eigenschaften von Polyoxovanadat-Anionen. Durch die Erkennung der gemeinsamen Polyoxomolybdat-Bausteine begannen sie Wege zu finden, um noch größere Baugruppen zu konstruieren. Die erste davon war 1995 das als „Bielefelder Riesenrad“ bekannt gewordene Mo154, das zwei Jahre intensiver Arbeit zur Bestimmung von Ladung und Protonierungen und schließlich der korrekten chemischen Formel erforderte. Sie erkannten zudem, dass ähnliche Spezies auch Bestandteil der bis dahin schlecht verstandenen Molybdänblau-Lösungen waren, die bereits seit den frühen Arbeiten von Carl Wilhelm Scheele in den siebziger und achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts bekannt waren. Später beschrieben Achim Müller und seine Arbeitsgruppe den riesigen Cluster Mo368, den sie aufgrund seiner Form „Nano-Igel“ nannten. Ein weiterer spektakulärer Erfolg war die Synthese von hohlen ikosaedrischen Polymolybdaten, den so genannten Kepleraten.

Seit der Entdeckung und Strukturaufklärung dieser Riesencluster war es Achim Müllers Ziel, die Funktionalität solcher Nano-Materialien gezielt durch Variation der Struktur auf Basis der Reaktionsbedingungen und der Reagenzien beeinflussen zu können. Seine Arbeiten zeigen, wie man mit Hilfe der kugelförmigen Keplerate neue Phänomene untersuchen kann, wobei u. a. zelluläre Prozesse und der Ionentransport durch Zellmembranen modelliert werden können. Weitere Arbeiten befassten sich mit der Untersuchung und Kontrolle von Wasserstrukturen im Inneren der Riesenringe und -kugeln und die Existenz von durch Wasserstoffbrückenbindungen gebundenen Polyedern zu zeigen, die als Modelle für bulk Wasser postuliert wurden. Seine späteren Arbeiten befassten sich mit der Bildung von noch nie dagewesenen, mehrere Nanometer großen Vesikeln mit hydrophiler Oberfläche, gebildet aus den Polyoxomolybdatringen und -kugeln – einen neuen gelösten Zustand anorganischer Ionen.

Achim Müller hat die bekannte Chemie der Polyoxometallate in neue Dimensionen geführt und Denkansätze für Eigenschaften und Anwendungen dieser Verbindungen eröffnet. Etwa fünfzig Postdocs, Gastprofessor*innen und sowie Humboldt-Preisträger*innen wurden von Achim Müller nach Bielefeld geholt, um mit ihm gemeinsam interdisziplinär zu forschen. Viel dazu beigetragen hat das „Zentrum für interdisziplinäre Forschung“ (ZiF) an der Universität Bielefeld, das es ihm ermöglichte, Chemiker*innen, Physiker*innen, Biologen*innen, Mathematiker*innen und Philosoph*innen zu einer Reihe von Workshops zusammenzubringen. Seine wissenschaftlichen Ergebnisse sind in mehr als 900 Publikationen dokumentiert.

Achim Müller genoss ein hohes Renommee in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und weltweite Anerkennung, nicht nur ausgedrückt durch eine Ehrenprofessur (La Plata) und fünf Ehrendoktorwürden (Wroclaw, Sibiu, Cluj, Russ. Acad. Sci., Paris), sondern auch durch eine Reihe von Lehraufträgen und Preisen, z. B. an den Universitäten von Arizona, Kentucky, South Carolina und der Texas A&M University, den Emerson Center Award der Emory Universität, Atlanta (USA), der Lewis-Vorlesung an der Universität von Cambridge (UK), den Elhuyar-Goldschmidt-Preis der Spanischen Königlichen Gesellschaft für Chemie, die Wilhelm Manchot-Forschungsprofessur an der Technischen Universität München und die Jean-Perrin-Vorlesung in Paris. Nicht zu vergessen seine Wahl in zahlreiche nationalen und internationalen Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften. So wurde er im Jahr 1994 zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Seit 1998 ist er Mitglied der Academia Europaea und seit 2002 gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. 2000 bekam er den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der GDCh, 2001 den Gay-Lussac/Humboldt-Preis und den Sir Geoffrey Wilkinson Preis, Amsterdam, 2008 den Centenary Prize der Royal Society of Chemistry in London und 2012 den mit 1,2 Millionen Euro dotierten ERC-Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) – ein Zeichen seiner aktiven Forschung über die Emeritierung hinaus.


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Die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld trauert um
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller,
14. Februar 1938 – 28. Februar 2024.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller
Achim Müller

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Achim Müller wurde am 14. Februar 1938 in Detmold geboren. Er studierte Chemie und Theoretische Physik an der Universität Göttingen und promovierte dort 1965 bei Prof. Dr. Oskar Glemser im Bereich der experimentellen Thermochemie mit der Arbeit „Beiträge zur Untersuchung von Reaktionen zwischen Oxiden und Wasserdampf“. Bereits zwei Jahre später habilitierte er sich 1967 über ein Thema aus dem Bereich der Schwingungsspektroskopie und erhielt die venia legendi von der gleichen Universität. Im Jahr 1971 folgte er einem Ruf an die Universität Dortmund und schließlich 1977 an die Universität Bielefeld, an der er auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 weiter erfolgreich wissenschaftlich tätig war.

Seine Forschungsinteressen in der Anorganischen Chemie waren breit gefächert und reichten von der Übergangsmetallchemie, der Spektroskopie, der Bioanorganischen Chemie, der Magnetochemie und der Nanowissenschaft/Materialwissenschaft bis hin zu Darstellungen chemischer und naturwissenschaftlicher Sachverhalte in allgemein verständlicher Form sowie der Beschäftigung mit wissenschaftsphilosophischen Fragestellungen. Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte er sich in der Anorganischen Chemie vornehmlich mit Übergangsmetall-Thioanionen und Metall-Sulfidocluster.

Seit den frühen 1990er Jahren haben Achim Müller und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spektakuläre Beiträge zur Chemie der Polyoxometallate (kurz POMs) geleistet, beginnend mit einer Reihe von Arbeiten über die Strukturen und magnetischen Eigenschaften von Polyoxovanadat-Anionen. Durch die Erkennung der gemeinsamen Polyoxomolybdat-Bausteine begannen sie Wege zu finden, um noch größere Baugruppen zu konstruieren. Die erste davon war 1995 das als „Bielefelder Riesenrad“ bekannt gewordene Mo154, das zwei Jahre intensiver Arbeit zur Bestimmung von Ladung und Protonierungen und schließlich der korrekten chemischen Formel erforderte. Sie erkannten zudem, dass ähnliche Spezies auch Bestandteil der bis dahin schlecht verstandenen Molybdänblau-Lösungen waren, die bereits seit den frühen Arbeiten von Carl Wilhelm Scheele in den siebziger und achtziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts bekannt waren. Später beschrieben Achim Müller und seine Arbeitsgruppe den riesigen Cluster Mo368, den sie aufgrund seiner Form „Nano-Igel“ nannten. Ein weiterer spektakulärer Erfolg war die Synthese von hohlen ikosaedrischen Polymolybdaten, den so genannten Kepleraten.

Seit der Entdeckung und Strukturaufklärung dieser Riesencluster war es Achim Müllers Ziel, die Funktionalität solcher Nano-Materialien gezielt durch Variation der Struktur auf Basis der Reaktionsbedingungen und der Reagenzien beeinflussen zu können. Seine Arbeiten zeigen, wie man mit Hilfe der kugelförmigen Keplerate neue Phänomene untersuchen kann, wobei u. a. zelluläre Prozesse und der Ionentransport durch Zellmembranen modelliert werden können. Weitere Arbeiten befassten sich mit der Untersuchung und Kontrolle von Wasserstrukturen im Inneren der Riesenringe und -kugeln und die Existenz von durch Wasserstoffbrückenbindungen gebundenen Polyedern zu zeigen, die als Modelle für bulk Wasser postuliert wurden. Seine späteren Arbeiten befassten sich mit der Bildung von noch nie dagewesenen, mehrere Nanometer großen Vesikeln mit hydrophiler Oberfläche, gebildet aus den Polyoxomolybdatringen und -kugeln – einen neuen gelösten Zustand anorganischer Ionen.

Achim Müller hat die bekannte Chemie der Polyoxometallate in neue Dimensionen geführt und Denkansätze für Eigenschaften und Anwendungen dieser Verbindungen eröffnet. Etwa fünfzig Postdocs, Gastprofessor*innen und sowie Humboldt-Preisträger*innen wurden von Achim Müller nach Bielefeld geholt, um mit ihm gemeinsam interdisziplinär zu forschen. Viel dazu beigetragen hat das „Zentrum für interdisziplinäre Forschung“ (ZiF) an der Universität Bielefeld, das es ihm ermöglichte, Chemiker*innen, Physiker*innen, Biologen*innen, Mathematiker*innen und Philosoph*innen zu einer Reihe von Workshops zusammenzubringen. Seine wissenschaftlichen Ergebnisse sind in mehr als 900 Publikationen dokumentiert.

Achim Müller genoss ein hohes Renommee in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und weltweite Anerkennung, nicht nur ausgedrückt durch eine Ehrenprofessur (La Plata) und fünf Ehrendoktorwürden (Wroclaw, Sibiu, Cluj, Russ. Acad. Sci., Paris), sondern auch durch eine Reihe von Lehraufträgen und Preisen, z. B. an den Universitäten von Arizona, Kentucky, South Carolina und der Texas A&M University, den Emerson Center Award der Emory Universität, Atlanta (USA), der Lewis-Vorlesung an der Universität von Cambridge (UK), den Elhuyar-Goldschmidt-Preis der Spanischen Königlichen Gesellschaft für Chemie, die Wilhelm Manchot-Forschungsprofessur an der Technischen Universität München und die Jean-Perrin-Vorlesung in Paris. Nicht zu vergessen seine Wahl in zahlreiche nationalen und internationalen Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften. So wurde er im Jahr 1994 zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Seit 1998 ist er Mitglied der Academia Europaea und seit 2002 gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin. 2000 bekam er den Alfred-Stock-Gedächtnispreis der GDCh, 2001 den Gay-Lussac/Humboldt-Preis und den Sir Geoffrey Wilkinson Preis, Amsterdam, 2008 den Centenary Prize der Royal Society of Chemistry in London und 2012 den mit 1,2 Millionen Euro dotierten ERC-Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) – ein Zeichen seiner aktiven Forschung über die Emeritierung hinaus.

Die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld trauert um
Prof. Dr. Eckehard V. Dehmlow,
25. Mai 1933 – 15. Dezember 2022.

Prof. Dr. Eckehard Dehmlow
Eckehard Dehmlow

Eckehard V. Dehmlow studierte von 1952 bis 1959 Chemie an der Freien Universität Berlin und promovierte 1961 mit einer Dissertation über "Stereochemische Untersuchungen in der Chinolizidin- und Dekalinreihe" an der Technischen Universität Berlin bei Ferdinand Bohlmann.

1962 war er Postdoktorand bei Harry H. Wasserman an der Yale University, New Haven, CT (USA) und kehrte danach an die TU Berlin zurück, wo er sich 1968 über "Synthese, Eigenschaften und Bildungsmechanismen von Cyclopropen- und Cyclobuten-Derivaten" habilitierte.

Von 1979 bis 1998 war er Professor für Organische Chemie an der Universität Bielefeld. Seine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrierten sich auf organisch-chemische Synthese, wobei Dehmlow insbesondere für seine Arbeiten über Phasentransfer-Katalyse bekannt ist, sowie für Arbeiten zur Carben-, Keten- und Allen-Chemie.

Wir nehmen Abschied von unserem Kollegen, Freund und Lehrer Prof. Dr. Thomas Dierks, der am 7.7.2020 plötzlich verstarb.

Prof. Dr. Thomas Dierks
Thomas Dierks

Der Biochemiker Prof. Dr. Thomas Dierks ist international anerkannt für seine Forschung zur Aufklärung seltener erblicher Stoffwechselerkrankungen und zur Entwicklung therapeutischer Ansätze. Bedeutende Entdeckungen gelangen ihm während und nach seiner Habilitation an der Universität Göttingen gemeinsam mit seinem Mentor Prof. Dr. Kurt von Figura. Er entdeckte mit dem Formylglycin eine neue Form der Proteinmodifizierung. Darüber hinaus klärte er den Krankheitsmechanismus der Multiplen Sulfatase-Defizienz (MSD) auf. Es handelt sich dabei um eine sehr schwere lysosomale Speichererkrankung, bei der Biomakromoleküle nicht abgebaut werden und sich daher ansammeln. Verursacht wird sie durch einen Defekt des Formylglycin generierenden Enzyms (FGE), das alle Mitglieder der Familie der Sulfatasen aktiviert. Seit seiner Berufung als Professor für Biochemie an die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld im November 2004 erweiterte er sein Arbeitsgebiet. Seine Forschung ermöglicht den Einsatz von FGE zur Verbesserung der Herstellung von Sulfatasen im Rahmen einer Enzymersatztherapie dieser lysosomalen Speichererkrankung. Prof. Thomas Dierks entdeckte auch die spezifische Rolle von zwei dieser Sulfatasen im Abbau langkettiger Zuckerstrukturen. Auf dieser Grundlage gelang es, eine neue Form der Mucopolysaccharidose zu identifizieren. Außerdem erlauben seine Arbeiten neue Ansätze zur Entwicklung von selektiven Krebstherapeutika mittels Biokonjugation von Antikörpern mit Toxinen in Zusammenarbeit mit Prof. Norbert Sewald und Prof. Kristian Müller von der Universität Bielefeld.

Thomas Dierks war ein engagierter Vorgesetzter und Kollege, der sich gerne persönlich um alles kümmerte. Er hatte immer ein offenes Ohr für die wissenschaftlichen und persönlichen Nöte seiner Mitarbeiter.

Als enthusiastischer und beliebter Hochschullehrer war er maßgeblich an der Umstellung des Biochemiestudiengangs auf das Bachelor-Master-System beteiligt. Er konnte junge Menschen für die Forschung begeistern. Als Bielefelder Kontaktperson der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) rief er die Ortsgruppe der junior GBM ins Leben. Er unterstützte, motivierte und knüpfte ein Netzwerk zwischen Studierenden, Wissenschaftlern und der Industrie. Stets setzte er sich für die Belange der Fakultät ein, unter anderem in den Jahren 2011–2013 als Dekan.

Er hinterlässt eine große Lücke in der Fakultät, den Arbeitsgruppen Biochemie I und Biochemie III und in unseren Herzen.

Wir trauern mit seiner Frau Ingeborg Müller-Dierks, seinen Söhnen Sebastian und Dominik Dierks und seiner ganzen Familie.

Die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld trauert um Prof. Dr. Hans Brockmann, der am 24.12.2019 unerwartet verstorben ist.

Hans Brockmann wurde am 23. August 1936 in Göttingen geboren. Er studierte Chemie an den Universitäten Freiburg und Göttingen und wurde 1963 in Göttingen mit einer Arbeit "Zur Kenntnis der Anthracyclinone" promoviert. Nach einem einjährigen PostDoc-Aufenthalt an der Stanford University (bei Carl Djerassi) wechselte er an die Technische Universität Braunschweig, wo er 1970 mit dem Thema "Zur Stereochemie der Chlorophylle" habilitiert wurde (Mentor: Hans-Herloff Inhoffen).

Nach zwischenzeitlicher Leitung der "Abteilung Niedermolekulare Naturstoffe" bei der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung GBF (Stöckheim/Braunschweig) wurde Hans Brockmann 1975 an die Universität Bielefeld berufen. Er gestaltete den Aufbau der damals noch sehr jungen Fakultät Chemie wesentlich mit und war Mitglied zahlreicher Kommissionen, in der frühen Zeit auch als Dekan. Befasste er sich anfangs in seiner Forschung mit der Isolierung, Strukturaufklärung, Stereochemie und auch mit der Synthese von Naturstoffen, insbesondere von Bacteriochlorophyllen, so wechselte er danach in ganz anderes Arbeitsgebiet und widmete sich in den letzten fünfzehn Jahren intensiv wissenschaftlichen Fragestellungen der Klebstoffchemie.

Seine Forschungsergebnisse publizierte er in hoch angesehenen wissenschaftlichen Journalen und bereits 1996 wurde Prof. Brockmann vom Institut für Organische Chemie und Biochemie der tschechischen Akademie der Wissenschaften die Ehrenplakette "Jan Evangelista Purkyne" verliehen.

In Hans Brockmanns Arbeitsgruppe haben etwa 50 Doktorandinnen und Doktoranden erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen und er betreute auch viele Studierende aus anderen Ländern. Stets achtete er darauf, dass die wissenschaftlichen Arbeiten und Ergebnisse seiner Mitarbeiter auch einen Bezug zur Lebenswelt und zur Anwendung haben sollten. Er gab seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern große Freiräume für eigene Ideen und Entfaltungen und setzte sie nie unnötig unter Druck, war aber immer gegenwärtig, wenn sein Rat und seine Unterstützung benötigt wurden. Diese guten Kontakte pflegte er weit über seine Emeritierung im Jahr 2001 hinaus - entweder bei den jährlichen Weihnachtstreffen mit den Ehemaligen oder auch beim regelmäßigen Kaffeetrinken in der NMR-Abteilung.

Lehre war für Hans Brockmann eine Passion, der er mit Begeisterung und hohem Engagement nachging und nicht umsonst besetzte er bei der studentischen Evaluierung oft die höchsten Ränge.

Nach seiner Emeritierung war er noch als Gutachter tätig und bis 2009 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Swiss Bonding Konferenz. Ansonsten widmete er sich seiner großen Familie und unternahm noch zahlreiche Reisen im In- und Ausland.

Hans Brockmann wird jedoch nicht nur als Hochschullehrer und Forscher im Gedächtnis bleiben, sondern auch wegen seiner persönlichen Ausstrahlung, seiner Menschlichkeit und Kollegialität. Wir verlieren mit ihm einen angesehenen Kollegen und Lehrer.


Jochen Mattay

Der Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Manfred Eigen (*1927 in Bochum, †2019 in Göttingen) war langjährig interfakultativ mit der Universität Bielefeld verbunden.

Prof. Dr. Manfred Eigen
Manfred Eigen 1999 in Bielefeld
(Foto: N. Langohr, Universität Bielefeld)

Im Alter von fast 92 Jahren ist am 6. Februar 2019 der Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen verstorben. Manfred Eigen gilt als einer der vielseitigsten deutschen Naturforscher und genialen Denker mit legendärer Ausstrahlung weit über seine eigenen Fachgebiete der Physikalischen Chemie und der Biophysikalischen Chemie hinaus.

Der Universität Bielefeld ist Professor Manfred Eigen in vielfältiger Weise verbunden. So wurde 1983 die Infrastruktur der Fakultät für Chemie mit der Lehreinheit Biophysikalische Chemie erweitert. Sein erstes deutsches Ehrendoktorat erhielt Manfred Eigen 1985 von unserer Universität, für seine besonderen Verdienste bei der integrativen Gesamtschau naturwissenschaftlicher Disziplinen und geisteswissenschaftlicher Entwicklungen.

Manfred Eigen erhielt - erst 40-jährig - den Chemie-Nobelpreis 1967 für die Messung und Analytik ultra-schneller chemischer Reaktionen. Die auch medizin-therapeutisch so fruchtbar gewordene Evolutive Biotechnologie, für die der Chemie-Nobelpreis 2018 an drei US-Amerikanische Forscher verliehen wurde, basiert auf Eigens biophysikalisch-molekularer Evolutionstheorie und seinen grundlegenden Arbeiten von 1984. Manfred Eigen ist der Gründer des renommierten Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie (Karl-Friederich- Bonhoeffer-Institut) in Göttingen. Neben Wissenschaft galt Manfred Eigens Leidenschaft der Musik. Als begabter Pianist spielte er unter anderem als Solist bei Mozart-Aufnahmen des Kammerorchesters Basel (unter Paul Sacher) und dem New Orchestra of Boston (unter David Epstein).

Weltweit berühmt sind Manfred Eigens Winterseminare. Das nun schon legendäre Manfred- Eigen-Winterseminar, im Jahre1966 gegründet und ab 1976 im Sport(und Seminar)hotel Klosters (Schweiz) organisiert, versammelte alljährlich die Elite der Wissenschaft, darunter 40 Nobelpreisträger, viele davon mehrere Male. Das seither kontinuierlich weitergeführte Winterseminar ist wohl einzigartig in der Verbindung von anspruchsvoller Wissensvermittlung und ausgleichendem Wintersport. Besondere Höhepunkte waren auch die Abend-Konzerte, die von Seminarteilnehmern gestaltet wurden, und Abend-Vorträge mit Themen aus Kunst und Literatur sowie Archegeologie von Troja und Alt-Kleinasien.

Das Winterseminar wurde (nach Eigens Emeritierung) von 1995 bis 2010 von der Fakultät für Chemie (Physikalische und Biophysikalische Chemie) organisiert. Das Winterseminar hatte nachhaltigen Einfluss auf viele Bielefelder Wissenschafts-und Lehrbereiche sowohl der Biophysik, Biologie und Biotechnologie als auch der Biochemie, Bioorganischen und Bioanorganischen Chemie und der Physikalischen und Biophysikalischen Chemie.

Das Manfred Eigen Winterseminar war eine besonders geschätzte und beliebte Lehreinheit des hiesigen interfakultativen Graduierten-Kollegs Strukturbildungsprozesse, initiiert vom Universitäts-Schwerpunkt Mathematisierung. Die direkte Begegnung mit Manfred Eigen war auch ein besonderes Erlebnis für die Kollegiatinnen und Kollegiaten, die mit Kurzvorträgen und Posterbeiträgen aktiv das Seminar mitgestalteten.

Wir trauern um den Verlust dieses einzigartigen Wissenschaftlers und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Für die Fakultät für Chemie.
Prof. Dr. Eberhard Neumann
(Professor a.D. für Physikalische und Biophysikalische Chemie)

Die Fakultät für Chemie trauert um Herrn Professor Dr. Wolfgang Leuchtenberger, der am 2. Oktober 2018 im Alter von 74 Jahren verstarb.

Herr Prof. Leuchtenberger war neben seiner Haupttätigkeit als Industriechemiker in verschiedenen Forschungspositionen bei der Degussa AG bzw. Degussa-Hüls-AG sowie dem daraus entstandenen Unternehmen Evonik Industries AG der Universität Bielefeld und im Besonderen dabei der Fakultät für Chemie eng verbunden.

Seit 1985 war er in der Lehre im Rahmen von Lehraufträgen zu biotechnologischen Verfahren zur Produktion von Aminosäuren und zur Technischen Biochemie tätig. In Anerkennung seiner Dienste wurde er im Jahre 1993 zum Honorarprofessor an der Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld ernannt. Sein Forschungsinteresse galt insbesondere der Chemie der Aminosäuren als sowohl für die organische Chemie als auch Biochemie bedeutendes Wissenschaftsgebiet. Hierbei hat Herr Prof. Leuchtenberger wegweisende Pionierarbeit zur industriellen biokatalytischen und fermentativen Herstellung solcher Verbindungen geleistet und wesentlich zur Etablierung solcher im industriellen Produktionsmaßstab genutzter biotechnologischer Verfahren beigetragen.

Neben seinen großen Verdiensten in Forschung und Lehre war Herr Prof. Leuchtenberger sehr engagiert in der Degussa-Stiftung / Evonik-Stiftung tätig, in dessen Rahmen eine Vielzahl von Studierenden großzügig gefördert werden konnten.

Neben seinen Leistungen in Forschung und Lehre war Herr Prof. Leuchtenberger aber auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit und ein großartiger Mensch, dessen Herzlichkeit alle, die ihn kannten, sehr schätzten.

Wir werden Herrn Prof. Dr. Wolfgang Leuchtenberger in dankbarer Erinnerung behalten.

Die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld trauert um Prof. Dr. Wilhelm Knoche, der nach kurzer schwerer Krankheit am 2.5.2018 verstorben ist.

Prof. Dr. Wilhelm Knoche
Wilhelm Knoche
Universitätsarchiv/Klaus Halbe
Wilhelm Knoche war vom 01.10.1981 bis 28.02.2003 Professor für physikalische Chemie an der Universität Bielefeld und hat sich in der Forschung mit der Thermodynamik und Geschwindigkeit von schnellen chemischen Reaktionen in Lösung beschäftigt. Er ist Mitautor eines der wichtigsten Bücher auf diesem Gebiet (Strehlow, Knoche: Fundamentals of Chemical Relaxation) und viele apparative Entwicklungen im Bereich der Untersuchung schneller Reaktionen gehen auf Wilhelm Knoches Bielefelder Arbeitsgruppe zurück.
Wilhelm Knoche war einer der Mitinitiatoren der sogenannten FRIS-Tagungen (Fast Reactions in Solution) und war auf diesem Gebiet international bekannt und geschätzt. Er hat außerdem wichtige Beiträge zur Internationalisierung der Fakultät geleistet und hat vor allem einen regen Austausch mit den Universitäten Santiago de Compostela, Salamanca, Burgos und weiteren initiiert.
In Wilhelm Knoches Arbeitsgruppe haben mehr als 35 Doktorandinnen und Doktoranden erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen und er betreute ein Vielzahl von Studierenden aus anderen Ländern. Auch einige erfolgreiche Postdoktoranden wurden von ihm begleitet.
Lehre war für Wilhelm Knoche eine Passion, der er mit Begeisterung und hohem Engagement nachging. Oft fand man ihn in seinem Büro im Gespräch mit Studierenden, wobei er sein breites Fachwissen und seine Erfahrung auch bei notwendiger Beratung in schwierigen Situationen stets selbstverständlich einbrachte. Zugleich sah er sich in der Lehre besten fachlichen Standards verpflichtet, die auch die mathematischen Aspekte der physikalischen Chemie betrafen: auf präzise Beschreibungen und Herleitungen z.B. in Thermodynamik und Kinetik legte er großen Wert.
Wilhelm Knoche wird jedoch nicht nur als Hochschullehrer und Forscher im Gedächtnis bleiben, sondern auch wegen seiner persönlichen Ausstrahlung, seiner Menschlichkeit und Kollegialität.
Auch nach seiner Pensionierung blieb Wilhelm Knoche der Universität Bielefeld stets eng verbunden und wir verlieren mit ihm einen angesehenen Kollegen und Lehrer.

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