Welche Themen und Fragen verdienen unsere Aufmerksamkeit, welche Ansätze und Perspektiven erscheinen besonders fruchtbar? Und wohin geht die Reise? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Kongresses, der im September 2026 in Bielefeld stattfinden wird. Let's talk!
Veranstaltet vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bielefeld (IZG) und vom Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG) mit Unterstützung des Fokusbereichs „Contestations of Gender and Democracy“ (ConGeD) der Universität Bielefeld
Seit 50 Jahren verändert die Frauen*- und Geschlechtergeschichte die Geschichtswissenschaft. Sie fordert gewohnte Narrative und Periodisierungen heraus und sprengt konventionelle Vorstellungen davon, was und wer zum Gegenstand historischer Untersuchungen werden kann. Sie stellt neue Fragen und bedient sich zu deren Beantwortung selbstbewusst, kritisch und kreativ des gesamten Repertoires historischer Methoden, Quellen und Theorien. Sie sichtet und sichert Materialien in und für etablierte und neue Archive. Sie nutzt die wachsenden Möglichkeiten der Digital Humanities. Sie reagiert auf die Herausforderungen der Gegenwart, greift Impulse aus den Nachbarwissenschaften auf und diskutiert Theorieangebote aus der feministischen Theorie, den Queer und Trans Studies und den post colonial studies. Sie setzt sich anerkennend, selbstkritisch und in intersektionaler Perspektive mit der eigenen (Entstehungs)Geschichte auseinander, inklusive der Ausschließungs- und Machtmechanismen, die auch die Frauen- und Geschlechtergeschichte und benachbarte Felder wie die Geschichte der Sexualitäten kennzeichnen.
Dieser Erfolgsgeschichte steht eine Infragestellung und weiterhin zu beobachtende Marginalisierung des gesamten Ansatzes gegenüber. Auch die gegenwärtigen Anfechtungen von Demokratie, Diversität und Geschlechtergerechtigkeit, die zunehmenden Angriffe auf Körper und Leben von Frauen und von queeren und trans*Personen weltweit, die erdrückenden Probleme des Klimawandels, der Kriege, der Armut und die wachsende soziale Ungerechtigkeit wirken sich auf die Frauen- und Geschlechtergeschichte in und außerhalb akademischer Kontexte aus. Frauen- und Geschlechtergeschichte in all ihren Facetten und Spielarten ist deshalb gerade heute relevanter denn je, muss sich aber auch neuen Fragen und Aufgaben stellen. Deshalb wollen wir uns Zeit für eine Bestandsaufnahme und die Entwicklung von Zukunftsperspektiven nehmen:
Wo steht die Frauengeschichte heute? Wie hat sie sich verändert und welchen Beitrag leistet sie weiterhin oder wieder zur Beantwortung drängender Fragen? Wo liegen die innovativen Potentiale der Geschlechtergeschichte? Was wurde bisher geleistet und wohin geht die Reise? Welche Forschungsthemen, welche methodischen und theoretischen Fragen brennen uns unter den Nägeln? Wo sehen wir Forschungsbedarfe? Wie können wir und wie wollen wir auf die gegenwärtigen (wissenschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und universitären) Herausforderungen reagieren? Wo bieten sich uns neue Kooperationsmöglichkeiten, neue Anknüpfungspunkte, neue Quellen der Inspiration? Wie verortet sich die deutschsprachige Frauen- und Geschlechtergeschichte international, epochal und interdisziplinär? Warum tut sich die sogenannte „allgemeine Geschichte“ weiterhin schwer mit der Rezeption der Ergebnisse der Frauen- und Geschlechtergeschichte? Und welche Inhalte und Narrative der Geschlechtergeschichte erreichen die Öffentlichkeit? Was bedeutet es für die Akteur*innen, Frauen- und Geschlechtergeschichte zu schreiben, sie zu lehren und zu studieren? Wer forscht wo und wie zu welchen Themen? Wer wird ausgeschlossen bzw. läuft Gefahr ausgeschlossen zu werden? Welche Auswirkungen haben Biographie und Herkunft, institutioneller Zusammenhang, politische Orientierung, geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung und generationelle Zugehörigkeit auf unsere Arbeit? Wie können wir uns in Zeiten von massiven Kürzungen im Universitätsbereich und der Einsparung ganzer Professuren für Frauen- und Geschlechtergeschichte behaupten und solidarisch zusammenarbeiten? Wie unterscheidet sich die Situation in Deutschland von der in anderen Ländern?
Wir freuen uns auf eine thematisch vielfältige, in methodischer und theoretischer Hinsicht inklusive, alle historischen Epochen umfassende Tagung, die die Frauen- und Geschlechtergeschichte in ihrer Vielfalt und Diversität abbildet. Wir wünschen uns Beiträge, die nicht nur neue empirische Forschungsergebnisse vorstellen, sondern diese selbstreflexiv im Feld der Frauen- und Geschlechtergeschichte verorten, methodische und theoretische Probleme benennen und/oder etablierte Ansätze und Begriffe hinterfragen, neue Theorieangebote zur Diskussion stellen und insgesamt zu einem kritischen Blick auf die Frauen- und Geschlechtergeschichte in ihrer disziplinären und interdisziplinären Verfasstheit und Verwobenheit einladen.
Wir bitten um Einreichung von Panelvorschlägen (3 Vorträge à 20 Minuten plus Einführung/Diskussionsleitung). Es können aber auch Einzelvorträge (20 min) und andere Formate, etwa Buchvorstellungen mit Diskussion oder Roundtable eingereicht werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Bei der Veranstaltung handelt es sich um einen Kongress für den Tagungsgebühren in Höhe von ca. 120 Euro anfallen werden. Dies gilt außer in Ausnahmefällen auch für Vortragende. Wir bitten dies bei der Bewerbung auf ein Panel zu berücksichtigen. Studierende und Menschen, die auf ein Soliticket angewiesen sind, werden für einem sehr viel niedrigeren Tagungsbeitrag teilnehmen können. Hier bemühen wir uns derzeit um die Einwerbung der entsprechenden Mittel.
Nähere Informationen ab September / Oktober 2025 auf www.genderhistory2026.de.
Frist für die Einreichung von Panel- und anderen Vorschlägen: 10. November 2025.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an geschlechtergeschichte2026@uni-bielefeld.de.