

Das Projekt NiME - Nachhaltigkeit in Berufen der Metall- und Elektroindustrie - ist ein Transfer des Modellversuchs NaReLe (Nachhaltige Resonanzräume in der Lebensmittelindustrie). In diesem Modellversuch wurde ein Lernaufgabenkonzept entwickelt, das darauf abzielte, Nachhaltigkeit systematisch in die berufliche Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik zu verankern. NiME knüpft daran an, indem das NaReLe-Lernaufgabenkonzept zu einem Fortbildungskonzept für Ausbildungspersonal in der Metall- und Elektroindustrie weiterentwickelt wurde, insbesondere mit Blick auf die Berufe Industriemechaniker:in, Industriekaufleute und Elektroniker:in für Automatisierungs- und Systemtechnik.
Für eine nachhaltige Entwicklung kommt der Metall- und Elektroindustrie eine Schlüsselrolle zu: Sie ist in hohem Maße energie- und ressourcenintensiv, prägt globale Lieferketten und technologische Infrastrukturen und beeinflusst damit ökologische wie soziale Entwicklungen weit über den eigenen Betrieb hinaus. Zugleich bietet sie vielen Menschen qualifizierte Arbeitsplätze und verfügt über ein erhebliches Potenzial, durch Innovationen, neue Produktionsweisen und veränderte Arbeitsorganisation zu einer sozial-ökologischen Transformation beizutragen. Diese Transformation ist jedoch nicht konfliktfrei. Fragen der Energieeinsparung, der Automatisierung, der Gestaltung von Lieferketten oder der Arbeitsorganisation berühren immer auch Interessen, Machtverhältnisse und Mitbestimmungsstrukturen im Betrieb. Nachhaltige Entwicklung ist daher nicht nur eine technische oder organisatorische Aufgabe, sondern eine politische Gestaltungsfrage, die Aushandlung, Beteiligung und demokratische Kompetenzen erfordert. Vor diesem Hintergrund richtet NiME den Fokus gezielt auf die berufliche Ausbildung und das Ausbildungspersonal. In der Ausbildung werden nicht nur fachliche Kompetenzen vermittelt, sondern auch Haltungen, Orientierungen und Vorstellungen davon entwickelt, wie Arbeitswelt gestaltet werden kann und soll. Die berufliche Ausbildung ist damit ein zentraler Ort politischer Sozialisation im Kontext von Arbeit.

Ziel des Fortbildungskonzepts ist es, nachhaltige Entwicklung eng an den betrieblichen Alltag in der Metall- und Elektroindustrie anzubinden. Nachhaltigkeit soll erfahrbar werden – was im konkreten Handeln, in Arbeitsprozessen und in betrieblichen Entscheidungen sichtbar wird. Beschäftigte sollen ihre eigene Praxis und die des Betriebs erkunden, reflektieren und als veränderbar wahrnehmen. Dabei geht es insbesondere um das Verstehen von Zielkonflikten, Widersprüchen und Unsicherheiten, die nachhaltiges Handeln im Betrieb begleiten.
Politische Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung verbindet Fachlichkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie miteinander. Die Teilnehmenden setzen sich mit Fragen auseinander wie: Wer entscheidet über nachhaltige Maßnahmen im Betrieb? Welche Interessen stehen sich gegenüber? Welche Handlungsspielräume haben Auszubildende und Ausbildungspersonal? Und wie können Konflikte konstruktiv und sachlich bearbeitet werden? Die Auseinandersetzung mit solchen Fragen stärkt die Fähigkeit, sich als handlungsfähige Akteur:innen in Betrieb und Gesellschaft zu begreifen.

Das Vorhaben baut methodisch auf dem Konzept nachhaltiger Resonanzräume auf, die an die Bedarfe der Metall- und Elektroindustrie angepasst werden. Die zu entwickelnden Konzepte beziehen sich auf die exemplarischen Berufsbilder Industriekauf-mann/-frau, Industriemechaniker:in sowie Elektroniker:in für Automatisierungstechnik. Zu Beginn erfolgt eine zweifache branchenspezifische Status-quo-Analyse der Bedingungen, Chancen und Grenzen der (betrieblichen) BBNE: Einerseits durch die Konkretisierung von Praxisbedarfen aus Perspektive von an der Ausbildung beteiligten Gruppen, andererseits durch die Aufarbeitung curricularer Anforderungsdimensionen. Hierauf aufbauend wird das didaktische Konzept resonanzorientierter Lernaufgaben in kollaborativ ausgerichteten Arbeitsprozessen iterativ für die Metall- und Elektroindustrie angepasst und ein adaptives, modulares Workshopkonzept inkl. zugehöriger Bildungsmaterialien für und mit Gatekeeper:innen umgesetzt, evaluiert, reflektiert und unter Berücksichtigung der praxisbezogenen Erfahrungen der Teilnehmenden erweitert. Die Distribution und Verstetigung des erweiterten Workshopkonzepts erfolgt durch Train-the-Trainer-Schulungen für Multiplikator:innen und Bildungsreferent:innen der IG Metall sowie als Online-Bildungsangebot über das WAP-Portal der IG Metall.

Als Ergebnis liegt adaptiv konzipiertes Bildungsmaterial zur Durchführung von Train-the-Trainer-Schulungen und als onlinegestütztes Selbstlernangebot für betriebliches Berufsbildungspersonal vor, das auf einer ganzheitlichen nachhaltigkeitsorientierten Lernaufgabenkultur aufbaut und die politisch-kulturellen Dimensionen der BBNE integriert. In konkreten Ausbildungssettings einsetzbare Lehr-Lern-Materialien werden durch didaktisch-methodische Kommentierungen flankiert und eröffnen so Selbstlernprozesse für das ausbildende Personal, welches dazu befähigt wird, ihren Auszubildenden reflexive, selbstgesteuerte und kreative Lernprozesse zu ermöglichen.
Wir haben ein Interview mit Leando geführt, in dem wir unsere Arbeit am NiME-Projekt vorstellen. Weiterlesen
Vom 13.1.-15.1.2025 hat das Projekt NiME im Judenbildungszentrum der IG Metall am Schliersee einen Nachhaltigkeits-Workshop mit Berufsbildungspersonal aus der Metall- und Elektroindustrie durchgeführt. Weiterlesen
Für eine nachhaltige Berufsbildungspraxis ist qualifiziertes Ausbildungspersonal unabdingbar – damit einher geht ein Bedarf an entsprechenden Fort- und Weiterbildungskonzepten. Ein solches wird im BMBF- und ESF-geförderten Projekt „NiME – Nachhaltigkeit in Berufen der Metall- und Elektroindustrie“ partizipativ entwickelt und evaluiert. In dem Beitrag „Mitgestaltung der Nachhaltigkeits-Transformation in der Metall- und Elektroindustrie“ aus der Ausgabe 04-24 des online-Magazins DENK-doch-MAL stellen Stella Heitzhausen und Florian Dück erste Ergebnisse des NiME-Projekts vor. Weiterlesen

Prof. Dr. Bettina Zurstrassen
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Das Projekt „NiME – Nachhaltigkeit in Berufen der Metall- und Elektroindustrie“ wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf - zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
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