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Gezielte Prävention von Hospitalisierungen aufgrund unerwünschter Arzneimittelereignisse


Akronym: TARGET-ADE

Studiendesign: explorative Cluster-randomisierte Studie mit Prozessevaluation

Laufzeit: 01.02.2025 – 31.01.2028

Status: Laufend

Ethikvotum: Ethik Kommission der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Aktenzeichen: folgt

Förderung: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (01VSF24022) keine Förderung durch pharmazeutische Industrie oder Medizingerätehersteller

Team Standort Bielefeld:

  • Projektleitung: Svetlana Puzhko, MD, PhD / Prof. Marjan van den Akker, PhD
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Kerstin Bernartz, M. Sc. Public Health; Svenja Claaßen, M. Sc. Public Health, Dr. Ana Isabel González González, Leyla Polat, M. Sc. Public Health, Dr. Erand Llanaj
  • Studienassistentinnen: Stephanie Picker-Huchzermeyer, Helga Nolte, Sophia Gillehsen

Hintergrund:

In vielen Studien wurden Interventionen entwickelt und evaluiert, die darauf abzielen, eine an-gemessene Verschreibung von Medikamenten und eine Reduktion von Nebenwirkungen zu erreichen, unter anderem durch Medikationsüberprüfungen. Die meisten dieser Maßnahmen wurden jedoch im Praxisalltag nicht dauerhaft umgesetzt. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Interventionen ohne die Beteiligung von Patient*innen und Gesundheitsfachkräften entwickelt wurden und daher nicht gut in den Versorgungsalltag passen. Daher konnte die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund unerwünschter Arzneimittelereignisse bisher nicht reduziert werden.

Genau hier setzt das TARGET-ADE-Projekt an: Wir entwickeln Maßnahmen zur Identifikation von Hochrisikopatient*innen und zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Die Interventionen zielen darauf ab, Hausärzt*innen bei der sicheren Verschreibung und Überwachung von Medikamenten und Patient*innen bei der Anwendung dieser zu unterstüt-zen. Dies ist besonders wichtig bei Medikamenten, die mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse verbunden sein können.

Fragestellung:

  • Wie müssen Interventionskomponenten aussehen, damit sie in einer Hausarztpraxis implementiert werden können?
  • Sind die entwickelten Interventionskomponenten unter Routinebedingungen in der Hausarztpraxis machbar?
  • Können durch die Intervention messbare Verhaltensänderungen bei Hausärzt*innen und Patient*innen (z. B. beim Deprescribing) erzielt werden?

Projektbeschreibung:

Die Intervention richtet sich an Patient*innen mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelereignisse, wie etwa gastrointestinale Blutungen, eine Verschlechte-rung von Herzinsuffizienz, oder Stürze oder Frakturen.

Ziel ist es, Veränderungen im Verschreibungs-, Überwachungs- und Selbstmanagementverhal-ten sowohl bei Patient*innen als auch bei Gesundheitsfachkräften zu fördern, um den Umgang mit Medikamenten zu verbessern, die mit diesen Risiken verbunden sind.

Gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München wird die Studie in drei Arbeitspaketen umgesetzt (TargetADE - Statistisches Beratungslabor StaBLab - LMU München) Im Rahmen von Arbeitspaket (AP) 3 wird in Bielefeld ein Interventionskonzept zur Steigerung der AMTS entwickelt und erprobt. Dieses Arbeitspaket umfasst zwei Teilbereiche:

Erster Teilbereich:

Zunächst werden Interventionsmaßnahmen, die sich in anderen Studien als wirksam erwiesen haben, im Austausch mit Vertreter*innen aller an der Intervention beteiligten Gruppen entwickelt, darunter Hausärzt*innen, Fachärzt*innen, Apotheker*innen, Medizinische Fachangestellte, sowie Patient*innen. Dies erfolgt im Rahmen einer Reihe von Interviews und Workshops. Ein solcher partizipativer Ansatz stellt sicher, dass die Maßnahmen auf die Bedürfnisse von Patient*innen und Hausärzt*innen zugeschnitten sind und sich mit dem hausärztlichen Praxisalltag sowie dem Alltag der Patient*innen vereinen lassen.

Zweiter Teilbereich:

Die anschließende Pilotstudie ab Sommer 2026 erfolgt in einem zweiarmigen, cluster-randomisierten Design in rund 20 Hausarztpraxen in OWL mit insgesamt etwa 160 Patient*innen. Cluster-randomisiert bedeutet, dass die Hausarztpraxen zufällig der Interventions oder der Kontrollgruppe zugeordnet werden. Ein Cluster besteht aus einer Hausarztpraxis. Alle zugehörigen Studienteilnehmenden werden entsprechend der Gruppenzugehörigkeit behandelt.

Zur Identifikation der Zielgruppe werden Screening- Verfahren genutzt, die eine gezielte Ansprache von Hochrisikopatient*innen ermöglichen. Im Rahmen der Studie werden die vorher entwickelten Maßnahmen erprobt. Veränderungen im Verhalten und Einstellungen zum Um-gang mit Medikamenten mit erhöhtem Risiko für unerwünschte Arzneimittelereignisse nach der Intervention, sowie die Umsetzbarkeit der Intervention werden mithilfe quantitativer Fragebögen und qualitativer Interviews untersucht. Dabei stehen Aspekte wie die Akzeptanz, die Machbarkeit im Praxisalltag, sowie die subjektiv wahrgenommene Relevanz der Maßnahmen im Fokus.


Externe Projektpartner:

  • LMU Klinikum, Institut für Allgemeinmedizin, Prof Dr. Tobias Dreischulte
  • Institut für Statistik, Ludwig-Maximilians-Universität München, Johannes Piller

Partizipative Interventionsentwicklung: Die Maßnahmen werden gemeinsam mit Hausärzt*innen, Apotheker*innen, Spezialist*innen (Geriater, Innere Medizin und Notfallmedizin), Medizinischen Fachangestellten und Patient*innen entwickelt.

Patient*innenbeteiligung: Patient*innen sind Teil der partizipativen Interventionsentwicklung.

Richtlinien zur Datenfreigabe:
Nach Abschluss der Studie werden die Daten im institutionellen Repositorium der Universität Bielefeld (PUB) im Einklang mit den Bielefelder Resolutionen zu Open Access gespeichert.

Weitere Informationen zur TARGET-ADE-Studie finden Sie in unserem Studienflyer.

TARGET-ADE – Studienflyer herunterladen (PDF)

Kontakt:
Wenn Sie Interesse an der Studienteilnahme oder Fragen haben, sprechen Sie uns gerne an per Email über forschung-allgemeinmedizin@uni-bielefeld.de .

Stichwörter: Unerwünscht Arzneimittelereignisse, Multimedikation, Medikationssicherheit, Arzneimittelversorgungsqualität, interprofessionelle Zusammenarbeit, Versorgungsforschung

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