Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Recht und Ästhetik

Termin: 11. - 13. Februar 2013

Leitung: Jörn Reinhardt (Hamburg, GER)

Die Veranstaltung war als Arbeitstagung konzipiert. Auf der Grundlage im Vorfeld verfasster Texte diskutierten Rechtswissenschaftler und Philosophen mit Literatur- und Medienwissenschaftlern über Verbindungslinien von Recht und Ästhetik. Im Mittelpunkt stand die Diskussion der geschriebenen Texte. Eine längere Abschlussdiskussion diente dazu, sich grundsätzlicher über den Forschungsansatz zu verständigen, der darauf zielt, philosophische Ästhetik sowie ästhetische Theorie und rechtswissenschaftliche Grundlagendiskussionen produktiv aufeinander zu beziehen.
Einen thematischen Schwerpunkt der Tagung bildete die Form/Inhalt- bzw. Form/Material-Unterscheidung. Die Thematisierung von Formierungs- und Formungsprozessen ist ein zentraler Topos der Ästhetik, die Formen und Gehalte, Herstellungen und Darstellungen in ihrem Zusammenhang versteht. Wie dieser Zusammenhang allerdings mit Blick auf das Recht im Einzelnen auszubuchstabieren ist, wurde kontrovers diskutiert. Eva Schürmann erläuterte die Interdependenz von Inhalt und Form anhand des Stilbegriffs und zeigte auf, was es heißen kann, Rechtskritik als Stilkritik durchzuführen. Christoph Menke begriff das Ästhetische wie auch die moderne Form der Rechte als wesentlich (selbst-)reflexiv und arbeitete - unter Hinweis auf Schlegels Konzept der Transzendentalpoesie - strukturelle Analogien der Selbstreflexion in Recht und Ästhetik heraus. Fabian Steinhauer knüpfte mit der Kulturtechnikanalyse ebenfalls an die selbstreflexive Struktur des Rechts und seiner Medien an.
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt untersuchte die Relevanzen ästhetischer Wahrnehmungsweisen und Welterschließung für das Verständnis rechtlichen Urteilens und Entscheidens. Das Ästhetische kann - je nach Verständnis - als Beeinträchtigung oder auch als eine notwendige Komplementierung rechtlichen Urteilens und rechtlicher Rationalität aufgefasst werden. Die produktiven Möglichkeiten betonte etwa Joachim Lege. Ästhetik bezeichne das "Vermögen, in einem Rechtsfall die bessere Lösung als solche zu erkennen und wahrzunehmen". Ludger Schwartes Konzeption 'sinnlicher Rationalität' zielte in einem wesentlich anspruchsvolleren Sinn auf eine Erweiterung der Rechtsfindung und ihrer institutionellen Kontexte. Schwartes Modell eines 'verkörperten Rechts' wies zudem auf ein Problemfeld hin, das wiederum von mehreren Beiträgen bearbeitet wurde, nämlich das des Verhältnisses von Möglichkeits- und Wirklichkeitsdenken. Grundprobleme der philosophischen Ästhetik ließen sich auf diese Weise für Fragen des Rechts produktiv machen. Inwieweit sich aus der Beschäftigung mit dem Recht auch produktive Impulse für die Ästhetik ergeben, konnte im Rahmen der Tagung nur punktuell aufgegriffen, aber nicht mehr systematisch ausgearbeitet werden. Die Diskussion wird fortgesetzt. Die Veröffentlichung eines Teils der Beiträge ist in Vorbereitung.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Andreas von Arnauld (Münster, GER), Johanna Bergann (Weimar, GER), Bertram Keller (Rostock, GER), Christian Klein (Wuppertal, GER), Sigrid G. Köhler (Münster, GER), Joachim Lege (Greifswald, GER), Stefan Martini (Münster, GER), Christoph Menke (Frankfurt am Main, GER), Francesca Raimondi (Frankfurt am Main, GER), Eva Schürmann (Magdeburg, GER), Ludger Schwarte (Düsseldorf, GER), Fabian Steinhauer (Weimar, GER), Lukas Werner (Wuppertal, GER), Tim Wihl (Berlin, GER)



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