

Accessibility Testing Tools sind Programme, die bei der Barrierefreiheitsprüfung von Webseiten und digitalen Inhalten unterstützen können. Sie helfen, mögliche Barrieren einer Webseite automatisiert zu erkennen, die Menschen mit visuellen, auditiven, kognitiven oder motorischen Einschränkungen bei der Nutzung beeinträchtigen. Damit unterstützen Accessibility Testing Tools Entwickler*innen, Designer*innen und Unternehmen bei der Erstellung barrierefreier digitaler Angebote. Sie helfen dabei, die Richtlinien für barrierefreies Webdesign, wie beispielsweise die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), sowie gesetzliche Vorgaben einzuhalten.
Accessibility Testing Tools können allerdings nicht alle Kriterien eines Barrierefreiheitstest prüfen. Die manuelle Prüfung von Inhalten ist daher weiterhin notwendig. Beispielsweise kann ein Accessibility Testing Tool nur erkennen, ob eine Abbildung einen Alternativtext hat. Der Inhalt des Alternativtexts muss manuell überprüft werden.
Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Testing Tools. Diese Tools sind in unterschiedlichem Maße für die Barrierefreiheitsprüfung geeignet. Im Weiteren werden verschiedene Tools mit vorgestellt und die wesentlichen Unterschiede aufgezeigt.
Manuelle Testwerkzeuge erfordern zusätzlich menschliches Eingreifen, um die Zugänglichkeit einer Webseite zu überprüfen. Die Tools dienen hauptsächlich als Unterstützungswerkzeuge der manuellen Barrierefreiheitsprüfung. Beispiele für manuelle Accessibility Testing Tools sind: Screenreader, die Tastatur (zur Überprüfung der Bedienbarkeit einer Websiete ohne Maus) oder ein Farbkontrast-Checker.
Automatisierte Tools prüfen Webseiten selbstständig und erstellen einen Bericht über vorhandene Barrieren. Diese Tools werden meist als Erweiterung für den Browser oder über eine Programmierschnittstelle (API) genutzt und lassen sich somit gut in den Entwicklungsprozess integrieren.
Bekannte Automatisierungstools sind Axe, Wave und Siteimprove. Diese Tools werden von den Herstellenden als Browsererweiterung jeweils kostenfrei angeboten. Es handelt sich allerdings immer um Close Source Anwendungen – also proprietäre Anwendungen. Das bedeutet: Der Quellcode ist nicht öffentlich zugänglich.
Daher stellt sich die Frage: Gibt es auch leistungsfähige, kostenfreie Open Source Alternativen?
Im Folgenden wurden vier Open Source Accessibility Tools genauer betrachtet:
Die Bewertung der Tools erfolgte anhand folgender Kriterien:
AInspector ist ein Firefox-Add-on, das Webseiten anhand der WCAG (WCAG 2.0, WCAG 2.1 oder WCAG 2.2 Level A und AA) sowie ARIA-Regeln auf Basis der OpenA11y Evaluation Library auf Barrierefreiheit evaluiert. Die Ergebnisse sind übersichtlich nach Regelkategorien und WCAG-Richtlinien gegliedert.
AInspector ist ein umfassendes und benutzerfreundliches Open Source Tool für die Barrierefreiheitsprüfung im Firefox-Browser. Es bietet detaillierte Reports, klare Fehlermeldungen und eine vollständige Referenzierung der WCAG-Kriterien. Außerdem sind Einstellungsmöglichkeiten vorhanden, mit denen sich die Prüfstandards anpassen lassen.
Somit eignet sich AInspector sowohl für technische als auch für redaktionelle Prüfungen. Einziger Nachteil: AInspector ist nur für Firefox verfügbar und die Fehlermeldungen sind ausschließlich auf Englisch.
BAAT ist ein auf axe-core basierendes Open Source Skript, das als Bookmarklet oder Benutzerskript verwendet werden kann.
BAAT ist ein auf axe-core basierendes Open Source Tool, das sich als Bookmarklet oder Benutzerskript in verschiedenen Browsern einsetzen lässt. Es liefert solide Ergebnisse und bietet eine gute Grundlage für automatisierte Accessibility-Prüfungen.
Positiv sind die einfache Nutzung, die Exportfunktion des Reports in JSON sowie die Verlinkung zu Deque University, die weitere Erläuterungen und Hilfestellungen bieten. Die Fehlermeldungen sind knapp, aber klar formuliert.
Die GUI von BAAT ist zwar schlicht, allerdings fehlt die Anzeige der zugrundeliegenden direkten WCAG-Kriterien. Außerdem bietet BAAT nur wenig Filter- und Einstellungsoptionen.
Insgesamt ist BAAT ein praktisches Tool für schnelle Accessibility-Prüfungen.
QualWeb liefert präzise technische Analysen und verweist direkt auf die betroffenen Codezeilen. Das erleichtert die Korrektur im Entwicklungsprozess. Fehlende Handlungsempfehlungen und die Darstellung der WCAG-Kriterien über Rule-IDs erschweren jedoch die Interpretation der Ergebnisse. Zudem prüft das Tool nur nach WCAG 2.1 und ACT-Regeln, ohne ARIA oder WCAG 2.2 zu berücksichtigen. Insgesamt ist QualWeb ein hilfreiches Werkzeug für technische Prüfungen, sollte aber durch weitere Tools ergänzt werden. Es eignet sich für Entwickler*innen im laufenden Entwicklungsprozess.
Lighthouse ist ein in die Chrome DevTools integriertes Open Source Tool, das neben Performance, SEO und Best Practices auch die Barrierefreiheit bewertet.
Lighthouse ist ein in Chrome integriertes Tool, das sich für schnelle Accessibility-Prüfungen eignet. Es liefert verständliche Fehlermeldungen und verweist auf die Dokumentation der Deque University.
Die Fehlermeldungen enthalten zum Teil allerdings nur grobe Hinweise (z. B. „contrast issue“ ohne tiefere Analyse) und die WCAG-Referenzen sind teilweise unübersichtlich. Auch ein Export der Reports ist nicht möglich.
Insgesamt eignet sich Lighthouse für eine erste Einschätzung der Barrierefreiheit im Entwicklungsprozess.
| Tool | Browser | Export | WCAG-Referenzen | Handlungsempfehlungen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| AInspector | Firefox | JSON, CSV | vollständig | ja | anpassbare Prüfkriterien |
| BAAT | Firefox, Chrome, Edge | JSON | teilweise über Links | ja | nutzt axe-core |
| QualWeb | Chrome | JSON | über Rule-IDs | nein | direkter Codezeilen-Verweis |
| Lighthouse | Chrome | nein | indirekt | ja | Teil der Chrome DevTools |
Alle untersuchten Open Source Accessibility Testing Tools sind eine Unterstützung bei der Überprüfung der Barrierefreiheit von Webseiten.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Open Source Tools eine Alternative zu proprietären Anwendungen darstellen – vor allem für Organisationen, die Wert auf Datenschutz, Transparenz und Anpassbarkeit legen.