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Fakultät für Gesundheitswissenschaften

Das Ehemaligen-Netzwerk

Uni-Halle
© Universität Bielefeld

Interview mit Tim Goswin

Vorstellung: Was machst du heute?

Ich bin derzeit in mehreren Bereichen tätig. Seit Anfang des Jahres 2025 bin ich Geschäftsführer meiner eigenen Softwarefirma in Bielefeld. Parallel dazu bin ich seit 2023 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule der Diakonie und lehre Themen wie Marketing, Controlling, Organisationsentwicklung und Strategieentwicklung. Daneben promoviere ich gerade an der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein im Bereich Medizinische Wissenschaft. Die Kombination aus Unternehmertum, Lehre und Forschung macht meinen Alltag sehr abwechslungsreich.

Beschreibe bitte deinen Werdegang: Was waren deine Stationen?

Mein Weg war nicht so geradlinig, und ich glaube, deshalb ist er nicht uninteressant. Nach meinem Wehrdienst bei der Bundeswehr habe ich 2013 bis 2016 meine Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht und im Anschluss mehrere Jahre als Dauernachtnachwache gearbeitet. In dieser Zeit habe ich berufsbegleitend einen Bachelor in Management an der Fachhochschule der Diakonie absolviert, den ich 2023 abgeschlossen habe.

Bereits 2021 übernahm ich meine erste Leitungsposition als Bereichsleitung in der Eingliederungshilfe. Von dort ging es in ein Traineeprogramm in der Altenhilfe, wobei ich innerhalb von zwei Jahren zwei Einrichtungen als Heimleitung übernahm. Parallel habe ich meinen Master of Health Administration an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld gemacht, ebenfalls berufsbegleitend. Seit 2025 arbeite ich nun hauptsächlich im Bereich Digitalisierung und Lehre.

Was waren Herausforderungen?

Eine große Herausforderung war sicherlich die Doppelbelastung aus Vollzeitarbeit und berufsbegleitendem Studium. Gerade in der Zeit als mein Sohn 2021 geboren wurde, musste ich lernen, Prioritäten zu setzen und sehr effizient mit meiner Zeit umzugehen, da auch Schlafmangel in der ersten Zeit sehr präsent war.

Ebenfalls war es eine Herausforderung, über einen so langen Zeitraum durchgehend motiviert zu bleiben und Leistung abzurufen, aber rückblickend verging die Zeit sehr schnell und es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt, dranzubleiben.

Was hat dich motiviert, an die Fakultät für Gesundheitswissenschaften zu kommen?

Für mich war es der logische nächste Schritt. Ich kam aus der Praxis, hatte jahrelange Erfahrung in der Pflege und in Leitungspositionen gesammelt, aber mir fehlte das wissenschaftliche Fundament, um das große Ganze besser zu verstehen. Wie funktioniert unser Gesundheitssystem? Wie steuert man komplexe Organisationen? Wie verbindet man betriebswirtschaftliches Denken mit dem Anspruch, gute Versorgung zu gewährleisten? Diese Fragen haben mich angetrieben. Außerdem wollte ich mir neue berufliche Möglichkeiten eröffnen sei es in der Forschung, in der Beratung oder der Lehre.

In meiner Familie haben mehrere in Bielefeld studiert und diese berichteten über eine sehr gute Ausbildung und somit war Bielefeld für mich gesetzt, die Fakultät für Gesundheitswissenschaften war für mich fachlich logisch, da ich aus der Pflege komme. Zudem hat mir ein Absolvent der Fakultät den MHA-Studiengang empfohlen.

Inwiefern hat das Studium deine Professionalität erweitert? (ggf. Bezug zur vorherigen Ausbildung aufzeigen)

Der Unterschied ist enorm. In meiner Ausbildung zum Altenpfleger habe ich gelernt, Menschen zu versorgen, das war handwerklich, praktisch, nah am Menschen. Das Studium hat mir dann die übergeordnete Perspektive gegeben. Ich verstehe jetzt, warum bestimmte Strukturen im Gesundheitswesen so sind, wie sie sind, und wo die Hebel für Veränderung liegen. Daneben verstehe ich Systeme und wie wechselseitige Abhängigkeiten innerhalb der Systemlogik wirken.

Konkret hat mir das Studium geholfen, strategischer zu denken. Wenn ich heute ein Problem sehe, frage ich mich nicht nur, wie ich es löse, sondern auch: Was sind die Ursachen? Welche Stakeholder sind beteiligt? Welche langfristigen Konsequenzen hat eine Entscheidung? Diese analytische Herangehensweise war vorher auch da, aber nicht so ausgeprägt. Außerdem hat das Studium meine Kommunikationsfähigkeit geschärft, ob in Verhandlungen, in der Lehre oder wenn ich komplexe Sachverhalte erklären muss.

Was würdest du deinem Erstsemester-Ich raten und sagen wollen – mit deiner Erfahrung von heute?

Drei Dinge würde ich mir sagen: Erstens – hab keine Angst vor dem wissenschaftlichen Arbeiten. Am Anfang wirkt alles fremd, die Fachbegriffe, die Methoden, das akademische Schreiben. Aber das lernt man und sobald man verstanden hat, dass es kein Geheimnis ist wie es funktioniert, macht es richtig Spaß.

Zweitens – nutze die Kontakte. Die Menschen, die du im Studium kennenlernst, Kommiliton*innen, Dozent*innen, Praktikumspartner*innen, das sind wertvolle Verbindungen. Manche meiner heutigen beruflichen Möglichkeiten sind genau daraus entstanden.

Und drittens – trau dir mehr zu. Ich habe damals oft gedacht: Kann ich das überhaupt? Schaffe ich das neben dem Job und der Familie? Zweifel sind normal und sie sprechen für den eigenen Anspruch an sich selbst. Die Antwort auf die Fragen ist: Ja, wenn man es wirklich will und bereit ist, auch Dinge zu erarbeiten, die nicht unmittelbar Nutzen versprechen. Also nicht zu viel zweifeln, sondern machen. Das Ergebnis wird schon passen, auch wenn man es noch nicht sieht.

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