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Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten

Prof. (a.D.) Dr. Ulrich Seelbach

Campus der Universität Bielefeld
© Universität Bielefeld

Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten

Verantwortlich für das Projekt: Prof. (a.D.) Dr. Ulrich Seelbach

Prophetenkopf, Köln, Hansasaal

Volkssprachige 'Autoritäten' rechnen zur Gruppe der Kleineren lyrischen Formen. Während Reimsprüche, Epigramme, Distichen und Priameln zu kürzeren oder längeren Reihen gruppiert sein können, aber nicht müssen, gehört bei den 'Autoritäten' die Reihenbildung zwingend zum üblichen Erscheinungsbild. Es handelt sich um gereimte Zwei- oder Vierzeiler mit angegebener (oft fingierter) Urheberschaft, die jeweils einer im Mittelalter anerkannten Autorität als Sprecher (Gottvater, Propheten, Philosophen, Dichter) zugeschrieben wird. Das editorische Erfassen und Kommentieren dieser oft von einem Dutzend oder mehr solcher Sprecher verbürgten Verse ermöglicht Einblicke in die literarische Vermittlung von vormodernem Handlungs- und Orientierungswissen an einem konkreten und überschaubaren Beispiel. Die enge Verbindung mit graphischen Überlieferungen macht das Projekt zugleich zu einer Fallstudie für mittelalterliche Intermedialität (Text-Bild-Beziehungen).

Angestrebt wurde die gebündelte Erschließung aller deutschsprachigen Autoritäten, zugleich als Repertorium zur Gesamtüberlieferung wie als Gesamtedition. Ohne ein solches Repertorium wird man die lebensweltliche Verortung dieser Literatur kaum über Spekulationen hinausgehend beantworten können. Hierzu benötigt man

  • verläßliche Datierungen und Verortungen der Handschriften
  • eine Genealogie der Reihen
  • eine Überlieferungstypologie

und schließlich die Texte selbst für eine inhaltlich interpretierende Erschließung des 'Sitzes im Leben'.

Erschlossen werden sämtliche deutschsprachigen Autoritäten (gereimt) und zwar geordnet nach

  • der überlieferten Reihe,
  • der jeweils zu bestimmenden Leithandschrift,
  • den übrigen Überlieferungszeugen der Reihe.

Die aus vorhandenen Handschriftenkopien bzw. Literaturangaben zusammengestellten Exemplare von Autoritäten-Handschriften (meist auf zwei bis drei Seiten eingetragen) beziffern sich derzeit auf über 90 Einheiten. Einige Autoritäten-Reihen sind auch in Einblattdrucken inseriert. Es war Aufgabe des Projekts, die bisherige Erschließung der Handschriften (ca. 60 Texte) zu überprüfen, zu vervollständigen und weitere Überlieferungszeugen zu ermitteln. Die Streuüberlieferung ohne Autoritätennennung und die zur Edition der mehrfach überlieferten Reihen herangezogene Priamel-Überlieferung wird nicht ediert (sie wird nur im Apparat und im Repertorium verzeichnet). Die Recherche konnte nicht auf die reichhaltige Streu- und Einzelüberlieferung (in Handschriftendeckeln, als Schreibersprüche etc.) ausgedehnt werden (dies wäre ein uferloses Unterfangen).

Das Repertorium wurde analog zum Repertorium der Freidank-Überlieferung (Marburger Repertorien) und abgestimmt auf dessen Siglen digital zugänglich gemacht. Repertorium, Edition und Kommentar werden allerdings mit der Druckfassung ein plattformunabhängiges Speichermedium erhalten.

Das Projekt wurde 2005-2007 gefördert von der Deutschen Forschunggemeinschaft (s. DFG-Gepris).

(Letzte Änderung 8.9.2021)


Siglen und Handschriftenverzeichnis

Parallelüberlieferung von inhaltsgleichen Dicta ohne Sprecher-Nennung sind gekennzeichnet mit *Asteriskus. In Klammern die Siglen der Edition der Autoritätenfreidanke von Ines Heiser.

Mehrfach überlieferte Autoritätenreihen

A - Socrates: Es ist nur ein gott (3. V. 14. Jh.)

Gi1 Kö1 Mü6 Tr1 Wi1

B  - Salomo: Aller weisheit fundament (um 1400)

Be2 Be3 Be5 Dn Go Gr In Kp Le Lo Mü1 Mü2 Nü3 Ol Ox Pa2 Sa St1 St3 Up Wo2 Wo3 Wo4 Zü3

C  - Gott: Wer getauft ist und in rechtem glauben stat (um 1450)

Ba1 Ba2 (Ba3) Bb Bw Lo Mü3 Nü4 Rb St1 Ul2 Wi3 Wi4 Wo1 Zü1 (Zü2) Zü3

D - Seneca: Hett sunde nicht sunde namen (2. H. 15. Jh.)

Au1 Au2 Ba4  Lo Mü4 Nü1 Sg1 St1  Wi2 Wi3 Zü2


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