• Medizinische Fakul­tät OWL

    Grafik vom Innovationszentrum Campus Bielefeld
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Forschungsprofil

Die Medizinische Fakultät OWL wird mit dem Forschungsprofil „Medizin für Menschen mit Behinderungen & chronischen Erkrankungen“ ein Thema von hoher medizinischer und gesellschaftlicher Relevanz adressieren. Vor dem Hintergrund des demografischen und epidemiologischen Wandels soll auf diesem Wege der unzureichenden Versorgung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen besondere Bedeutung eingeräumt werden.

Chronische Erkrankungen und Behinderungen konfrontieren das gesamte Versorgungssystem, von der (Allgemein-)Medizin bis hin zur Pflege, mit komplexen, interprofessionellen Fragen. Die Fakultät folgt daher einem translationalen Ansatz, der neben Grundlagenforschung und klinischer Forschung den Fokus auch auf die ambulante und stationäre Regelversorgung legt. Das Forschungsfeld kann dabei auf den etablierten und bewährten Strukturen und Netzwerken sowohl an der Universität Bielefeld als auch in der Region Ostwestfalen-Lippe insgesamt aufbauen. Zur Stärkung der Versorgungsforschung ist ein Netzwerk von niedergelassenen Praxen in Planung, die als Forschungspraxen gemeinsame Projekte mit der Fakultät realisieren.

Grafik Medizin für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen

Das Forschungsprofil „Medizin für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen“ umfasst die Forschungsschwerpunkte „Gehirn - Beeinträchtigung - Teilhabe“ und „Intelligente Systeme - Assistenz-Interprofessionelle Vernetzung“. Beide Schwerpunkte folgen dem Leitgedanken der Interdisziplinarität und bauen auf der Expertise der bestehenden Fakultäten in der Grundlagen- und Versorgungsforschung auf. Weitere wichtige Kooperationspartner sind in diesem Kontext die Kliniken des im Aufbau befindlichen Universitätsklinikums OWL, niedergelassene Haus- und Facharztpraxen und anderen Forschungseinrichtungen.

Im Forschungsschwerpunkt „Gehirn - Beeinträchtigung - Teilhabe“ werden die Wechselwirkungen zwischen neuropsychiatrischen/psychosomatischen Krankheitsbildern mit der Umwelt und dem Verhalten untersucht. Insbesondere geht es um damit verbundene funktionale Beeinträchtigungen und Behinderungen, deren Bewältigung und die Auswirkungen auf die Teilhabemöglichkeiten. Im Fokus stehen derzeit drei Krankheitsbilder bzw. Modellerkrankungen: Epilepsien, belastungs- und somatoforme Störungen und zerebrovaskuläre Erkrankungen.

Der Forschungsschwerpunkt „Intelligente Systeme - und Assistenz-Interprofessionelle Vernetzung“ fokussiert den immer mehr an Bedeutung gewinnenden Bereich der Interaktion mit technischen Systemen in Medizin und Pflege. Zentral ist hierbei die Forschung zur Gestaltung, Entwicklung und Erprobung intelligenter Systeme für Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Pflegeunterstützung und die Entscheidungsunterstützung von Ärzt*innen. Die innovative Verbindung von Interaktionsforschung und klinischer Forschung ist spezifisch für diesen Schwerpunkt.

In enger Anbindung an die Forschungsschwerpunkte werden derzeit die beiden zukunftsweisenden Perspektivfelder „Mikrobielle Diversität im Lebensraum Mensch“ und „Data Science für die medizinische Versorgung“ entwickelt. Im Perspektivfeld „Mikrobielle Diversität im Lebensraum Mensch“ soll die Funktion des Mikrobioms im gesunden Organismus sowie seine Rolle für Krankheitsentstehung und Therapieoptionen beforscht werden. Untersucht wird u.a. der Einfluss, den das Mikrobiom auf Entstehung und Therapie neuropsychiatrischer Erkrankungen und Beeinträchtigungen hat.

Ziel des Perspektivfeldes „Data Science für die medizinische Versorgung“ ist es, aus der Datenintegration und -analyse der verschiedenen Forschungs- und Versorgungsdaten neue Erkenntnisse zu Krankheitsentstehung, Prävention und individualisierter Therapie zu gewinnen und damit zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beizutragen. Hierbei sollen neben klinischen, epidemiologischen, bildgebenden und molekulargenetischen Daten auch Versorgungsdaten insbesondere aus dem ambulanten Bereich eine zentrale Rolle spielen. In Kooperation mit anderen deutschen Medizinstandorten wird dafür der Aufbau einer Dateninfrastruktur zur systematischen datenbasierten Unterstützung von medizinisch Forschenden und Akteur*innen im Gesundheitssystem angestrebt.

Für alle Forschungsschwerpunkte und Perspektivfelder spielen auch die Querschnittsthemen Medizinethik, Kommunikation und Akzeptanzforschung eine wichtige Rolle, da die Universität Bielefeld in diesen Bereichen bereits heute wissenschaftlich sehr aktiv ist. Diversitäts- und gendersensible Medizin soll als weiteres Querschnittsthema zentral verankert werden.

Das Forschungsprofil befindet sich im kontinuierlichen Auf- und Ausbau und wird in den nächsten Jahren schrittweise um weitere klinische Forschungsfelder ergänzt.