
Die Reihe „Reflexionsraum“ des Rektorats widmet sich Themen, welche die Gesellschaft besonders beschäftigen. Hierzu lädt die Universität regelmäßig Wissenschaftler*innen ein, die zu aktuellen gesellschaftlichen Konfliktfragen einen Beitrag leisten können. Es ist ein Angebot an die Mitglieder der Universität, aber auch an die Stadtgesellschaft, sich mit fundierten wissenschaftlichen Analysen zu diesen Fragen zu befassen.
Was sagt das Grundgesetz über unsere Demokratie und wie trägt das Bundesverfassungsgericht dazu bei diese zu schützen? Was ist mit Demokratie tatsächlich gemeint, warum sind Grundrechte unverzichtbar und wie arbeitet ein unabhängiges Verfassungsgericht? Die Grundrechte, die hier verhandelt werden, gehen uns alle etwas an. Aber wie funktioniert das Gericht tatsächlich? Wie entsteht Konsens und was bedeutet das für die großen Kontroversen unserer Zeit – von Klimaschutz über Migration bis zu sozialer Gerechtigkeit, vom Datenschutz über die Meinungsfreiheit bis zur Gleichberechtigung? Wie schützt also das Verfassungsgericht die Demokratie – und warum müssen wir es schützen? Darüber spricht Susanne Baer, ehemalige Richterin des Bundesverfassungsgerichts, in diesem Reflexionsraum.
Der vierte Reflexionsraum dreht sich am 29. Januar 2026 um 18 Uhr s.t. im Hörsaal des Y Gebäudes um das Thema „Reform – Charisma – Verdeckung“. Es soll kritisch und selbstreflexiv diskutiert werden, ob und wie eigens produzierte Mechanismen in progressiven Institutionen unter anderem sexualisierte Gewalt und diskriminierende Praxen ermöglichen und legitimieren.
Die Universität Bielefeld startete 1969 als ambitioniertes Reformprojekt – interdisziplinär und innovativ. Diese Prinzipien prägen bis heute das Selbstverständnis der Universität. Gleichzeitig blieben Fragen interner Machtverhältnisse, exklusiver Männlichkeitsnetzwerke oder der Umgang mit sexualisierter Gewalt in den Anfangsjahren weitgehend unbeachtet – etwa in der Schulpädagogik. Bis heute gelten die Bemühungen der Schließung von Lücken zwischen institutionellem Anspruch und tatsächlichen Strukturen.
Der vierte Reflexionsraum zum Thema „Reform – Charisma – Verdeckung“ nimmt diese Spannung in den Blick. Der zentrale Begriff der Verdeckung beschreibt dabei das mehr oder weniger intentionale Verbergen, Verschleiern und Unsichtbarmachen von Taten, aber auch das Zementieren von bestehenden Ordnungen.
Die leitende These lautet: Je mehr sich Einrichtungen wie Reformuniversitäten auf der „guten“ und „richtigen“ Seite verorten, desto wacher müssen sie gegenüber ausgeblendeten, eigentlich abgewehrten Aspekten sein. Gerade Reformprozesse, die vor dem Hintergrund verkrusteter Strukturen einen inhaltlichen und kulturellen Aufbruch wagen, können anfällig für diese Art von Dynamiken sein.
Zugleich ziehen sie charismatische Personen an, die neue Wege initiieren und vorbereiten, ihre Machtposition jedoch auch entgrenzen können. In derartigen Konstellationen kann es zu Formen „wissender Ignoranz“ im Umfeld sowie einer „Verantwortungsdiffusion“ in komplexen, partizipativ angelegten Strukturen kommen.
Zum Podiumsgespräch mit Publikumsbeteiligung sind eingeladen:
Moderiert wird die Veranstaltung von den Professorinnen Dr. Barbara Thiessen (Dekanin der Fakultät für Erziehungswissenschaft) und Dr. Michaela Vogt (Prorektorin für Internationales, Diversität und Gesellschaft).
In dunklen Zeiten, vor dem Hintergrund sich immer weiter verhärtender Fronten im Nahostkonflikt, ist es umso wichtiger, sowohl weiter miteinander zu sprechen als auch einander weiter zuzuhören. Diese Ansicht vertritt Dr. Elisabeth Becker-Topkara von der Universität Heidelberg in ihrem Vortrag am Donnerstag, 10. Juli, um 18 Uhr im Hörsaal des CITEC der Universität Bielefeld. Der Vortrag trägt den Titel „Speaking and Listening in Dark Times: The University as a Space of Trust“ und wird auf Englisch gehalten.
Die Nahost-Expertin spricht in der Reihe „Reflexionsraum” des Rektorats. Diese Reihe widmet sich Themen, welche die Gesellschaft besonders beschäftigen. Hierzu lädt die Universität regelmäßig Wissenschaftler*innen ein, die zu aktuellen gesellschaftlichen Konfliktfragen einen Beitrag leisten können. Es ist ein Angebot an die Mitglieder der Universität, aber auch an die Stadtgesellschaft, sich mit fundierten wissenschaftlichen Analysen zu diesen Fragen zu befassen.
In ihrem Vortrag zeigt Elisabeth Becker-Topkara die Notwendigkeit von Diskursräumen auf, in denen sich Universitäten von Schlachtfeldern konkurrierender Ideologien in Zufluchtsorte für einen rigorosen, mutigen Dialog verwandeln müssen. Der Diskurs über Unterschiede hinweg muss aktiv gefördert werden. Sie schlägt hierfür das Konzept der „dritten Räume“ vor, in denen tiefes Engagement und Austausch ohne ideologische Zwänge stattfinden können und Pluralität, gemeinsames Lernen und die Notwendigkeit verantwortungsvoller Diskurse betont werden.
Der Vortrag fordert die gegenwärtigen Polarisierungen und Radikalisierungen heraus, indem er Ansätze anbietet, die die wesentliche Funktion der Universität als einen Ort stärken, an dem wir miteinander – und nicht nur übereinander – sprechen können. Die Universität soll ein Ort sein, an dem wir auch bei tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten versuchen, uns gegenseitig zu verstehen.
Dr. Elisabeth Becker-Topkara ist Freigeist Fellow am Max Weber Institut für Soziologie der Universität Heidelberg und Senior Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University. Sie forscht seit mehr als zehn Jahren über jüdisch-muslimische Beziehungen in Europa und den USA. Ihre jüngsten Arbeiten konzentrieren sich auf Strategien zur Erleichterung von Gesprächen nach dem 7. Oktober 2023.
Jan Philipp Reemtsma kommt am 6. November an die Universität Bielefeld. Sein Vortrag trägt den Titel „Gedanken über die historische Bedeutung des 7.10.2023“. In diesem Vortrag widmet er sich der Bedeutung des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023. Denn laut Reemtsma hat dieses Datum in der Geschichte der Kriege in der Moderne eine besondere Bedeutung. Vor diesem Hintergrund – so seine Einschätzung – seien auch die sogenannten „propalästinensischen“ Sympathiekundgebungen unmittelbar danach zu betrachten. Er verortet sie zudem in der Geschichte des Antisemitismus. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaalgebäude Y, Y-0-111.
Jan Phillip Reemtsma kommt auf Einladung des Rektorats der Universität nach Bielefeld und führt die Vortragsreihe „Reflexionsraum“ fort. Das Rektorat hatte diese Reihe initiiert, um einen Raum für gesellschaftlichen Austausch über gesellschaftlich relevante Themen und Konflikte zu schaffen. Regelmäßig werden Wissenschaftler*innen eingeladen, die zu aktuellen gesellschaftlichen Konfliktfragen einen Beitrag leisten können. Es ist ein Angebot an die Mitglieder der Universität, aber auch an die Stadtgesellschaft, sich mit fundierten wissenschaftlichen Analysen zu den aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu befassen.
Professor Dr. Jan Philipp Reemtsma, geboren 1952, ist Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und der Arno Schmidt Stiftung. Er ist außerdem Gründer und war bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen: Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts, Zivilisationstheorie, Geschichte der menschlichen Destruktivität.