Das Ehemaligen-Netzwerk

Aktuell arbeite ich als Referentin für Erste Hilfe beim Deutschen Roten Kreuz, Landesverband Baden-Württemberg. In dieser Rolle bin ich sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene aktiv, engagiere mich in Gremien, pflege Kontakte zur Industrie und zu unseren Kreisverbänden. Ich bin sehr glücklich in meinem Job – er vereint viele Themen, die mir am Herzen liegen.
Schon vor meinem Studium war ich im Gesundheitswesen tätig: Ich habe eine Ausbildung zur Orthopädiemechanikerin und Bandagistin in einem Sanitätshaus absolviert. Diese Zeit hat mein Interesse an Gesundheit und Prävention nachhaltig geprägt.
Damals hat mich jedoch gestört, dass ich Patient*innen oft erst dann betreuen konnte, wenn es eigentlich schon zu spät war – wenn Schmerzen oder Einschränkungen bereits vorhanden waren. Ich wollte auf die Seite der Prävention wechseln und entschied mich deshalb für ein Studium der Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld.
Nach dem Studium war die größte Herausforderung, überhaupt einen Job zu finden. Ich habe an der Zahl 100 (!) Bewerbungen geschrieben – auf die meisten erhielt ich keine Rückmeldung, auf andere nur Absagen. Schließlich fand ich über die Agentur für Arbeit eine Stelle bei einer großen Krankenkasse im übergeordneten Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement.
Ich wurde nach dem Vorstellungsgespräch direkt eingestellt, zunächst über einen Personal Dienstleiter. Nach einem halben Jahr wurde ich übernommen. Nach zwei Jahren bekam ich einen entfristeten Vertrag.
Insgesamt war ich dort elf Jahre als Referentin tätig – in einem Unternehmen mit damals rund 7.000 Mitarbeitenden an über 400 Standorten deutschlandweit. Diese Zeit war fachlich lehrreich, aber persönlich oft frustrierend. Die Krankenkasse sah den Arbeits- und Gesundheitsschutz leider nicht als Teil ihres Kerngeschäfts. Es gab ständige Umstrukturierungen und Führungswechsel – in elf Jahren hatte ich sieben verschiedene Vorgesetzte.
Trotzdem habe ich viel gelernt: Gremienarbeit, die Zusammenarbeit mit Führungskräften, Betriebsräten, Schwerbehindertenvertretungen und Gleichstellungsbeauftragten. Ich habe gelernt, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen – von der Geschäftsleitung bis zu den Mitarbeitenden.
2022 wurde der Wunsch nach Veränderung so stark, dass ich mich initiativ beim Deutschen Roten Kreuz beworben habe. Warum genau das DRK? Das kann ich bis heute schwer in Worte fassen – aber ich wusste einfach: Da will ich hin.
Heute bin ich dort angekommen – als Referentin für Erste-Hilfe-Programme beim DRK-Landesverband Baden-Württemberg. Alles, was ich bei der Krankenkasse gelernt habe – Gremienarbeit, Netzwerkarbeit, Kommunikation – hilft mir heute enorm. Ich konzipiere und moderiere Fortbildungsveranstaltungen und trete selbstbewusst auf, auch gegenüber hochrangigen Persönlichkeiten, etwa wenn ich sie als Keynote Speaker für unsere Veranstaltungen anfrage.
Ich sehe meinen beruflichen Weg heute wie einen Baukasten: Viele kleine Puzzleteile, die ich auf meinen Stationen gesammelt habe, ergeben nun ein stimmiges Gesamtbild. Ich bin flexibel, kann spontan agieren und muss mich nicht mehr an starre Protokolle klammern.
Das Studium in Bielefeld hat mich sofort angesprochen: Die große Bandbreite an Themen und die interdisziplinäre Ausrichtung waren genau das, was ich gesucht hatte. Nach einer Campusbesichtigung war ich begeistert – die Uni wirkte wie eine kleine Stadt für sich, mit allem, was man braucht: Dönerladen, Friseur, Sparkasse. Ich habe mich dort sofort wohlgefühlt.
Sei zuversichtlich – manchmal erkennt man erst im Rückblick, welche Schritte entscheidend waren. Auch wenn du das Gefühl hast, in die falsche Richtung zu laufen: Jeder Schritt trägt zu deiner persönlichen Entwicklung bei. Gerade das, was sich wie Scheitern anfühlt, kann dich am meisten wachsen lassen.
Sei nachsichtig mit dir selbst. Und klammere dich nicht zu sehr an einmal gesetzte Ziele – sei offen dafür, sie zu hinterfragen und neu zu definieren.