Willkommen auf der Homepage des Forschungsprojekts „Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Professorinnen in den Disziplinen Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie (SiWaProf)“ (auf Englisch: Women in Sport Economics, Management, and Sociology – WISE MS), welches vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR; damals BMBF) gefördert wird.

Prof. Dr. Pamela Wicker
Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft
pamela.wicker@uni-bielefeld.de

Dr. Lara Lesch
Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft
lara.lesch@uni-bielefeld.de

Dr. Katrin Scharfenkamp
Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft
katrin.scharfenkamp@uni-bielefeld.de
Da Sportsoziologie, Sportmanagement und Sportökonomie relativ junge wissenschaftliche Disziplinen sind, die sich erst seit den 1990er Jahren herausgebildet haben und in denen die meisten Professuren erst in den letzten 10 bis 15 Jahren besetzt wurden, lassen sich historische Gründe nur in begrenztem Umfang als Ursache für die Unterrepräsentation von Frauen auf Professuren anführen. Ein Blick auf den englischsprachigen, internationalen Raum (d.h. Nordamerika, Australien) zeigt, dass sich die Zahl der Professorinnen in der Sportökonomie ebenfalls an einer Hand abzählen lässt. Allerdings ist der Frauenanteil in Professuren im Sportmanagement und in der Sportsoziologie deutlich höher als in Deutschland. Somit können fachspezifische Merkmale allein nicht für die geringen Professorinnen-Anteile in Deutschland verantwortlich sein. Folglich dürften andere Aspekte wie die Sichtbarkeit und die Wahrnehmung von Wissenschaftlerinnen eine Rolle bei der Vergrößerung des Gender Gaps nach dem Studium spielen.
Vor diesen Hintergründen ist das Projekt in vier Module aufgeteilt – drei empirische, von Forschungsfragen geleitete Module und ein praktisches Umsetzungsmodul.
Modul 1: Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Professorinnen in der universitären Lehre und Betreuung
Wie sichtbar sind Professorinnen in den Disziplinen Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie in der universitären Lehre und Betreuung? Wie werden sie wahrgenommen und wie wirkt sich ihre Präsenz auf die Karriereentscheidungen junger Wissenschaftler*innen aus?
Dieses Modul analysiert die Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Professor*innen in den Disziplinen Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie, indem es die Rollenerwartungen und möglichen Vorurteile in diesen Disziplinen untersucht. Darüber hinaus werden die Relevanz und die Vorbildfunktion von Professor*innen für Student*innen und Nachwuchswissenschaftler*innen im Hinblick auf die Entscheidung für einen Studiengang oder eine akademische Laufbahn beleuchtet.
Als Methode dient eine quantitative Online-Befragung von Student*innen, Doktorand*innen und Postdoktorand*innen. Ziel dieser Studie ist es, den Grad an Übereinstimmung zwischen den Merkmalen der Positionen und den Geschlechterrollen zu messen und daraus ggf. das Ausmaß möglicher Geschlechterstereotype abzuleiten. Zudem werden mögliche Geschlechterstereotype in der Sportökonomie, im Sportmanagement und in der Sportsoziologie direkt erfasst. Außerdem soll die Studie herausfinden, inwieweit die Präsenz von Professorinnen generell dazu beiträgt, mehr (weibliche) Nachwuchswissenschaftlerinnen zu gewinnen, und ob die Sichtbarkeit bestimmter Merkmale hierfür besonders relevant ist.
Modul 2: Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Professorinnen auf wissenschaftlichen Konferenzen
Wie sichtbar sind Professorinnen auf wissenschaftlichen Konferenzen in den Disziplinen Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie und wie werden sie wahrgenommen?
Die Präsentation von Forschungsergebnissen auf wissenschaftlichen Konferenzen und die Diskussion von Projekten sind von großer Bedeutung für die Veröffentlichung hochwertiger Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Darüber hinaus dient die Teilnahme an Konferenzen den Teilnehmer*innen als Plattform zum Aufbau und zur Erweiterung ihres beruflichen Netzwerks. So erfahren Kolleg*innen mehr über aktuelle Projekte und Erkenntnisse und können sich über gemeinsame Forschungsinteressen bei neuen Projekten austauschen und vernetzen. Zudem sind Konferenzen ein wichtiger Bestandteil für die Präsenz junger Wissenschaftler*innen im Netzwerk und somit von großer Bedeutung für deren Karriereentwicklung. Bislang gibt es vergleichsweise wenige Studien zu wissenschaftlichen Konferenzen.
Wie in Modul 1 befasst sich der Fragebogen mit der Wahrnehmung von Professor*innen, indem er Eigenschaften erfasst, die der Rolle als Wissenschaftlerin im Kontext einer Konferenz und den Geschlechterrollen zugeschrieben werden. Diese Eigenschaften lassen sich mit Modul 1 verknüpfen, sind jedoch an den Konferenzkontext angepasst.
Modul 3: Sichtbarkeit von Professorinnen durch Publikationen und Zitationen
Wie sichtbar sind Professorinnen durch Publikationen in den führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften der Sportökonomie, des Sportmanagements und der Sportsoziologie und wie oft werden ihre Artikel im Vergleich zu männlichen Kollegen zitiert?
Mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede beim Publikationserfolg und bei den Zitationen wurden bereits aus verschiedenen Perspektiven und für verschiedene Disziplinen untersucht. So belegen zahlreiche Studien, dass Frauen im Durchschnitt weniger veröffentlichen als ihre männlichen Kollegen und auch weniger zitiert werden, was zu einer geringeren Sichtbarkeit ihrer Forschungsergebnisse führt. Interdisziplinäre, internationale Studien deuten darauf hin, dass der Aufstieg von Frauen im Wissenschaftssystem mit einer Vergrößerung der geschlechtsspezifischen Kluft hinsichtlich der Publikationsproduktivität und der Zitationswirkung einhergeht. Insgesamt wurden geschlechtsspezifische Unterschiede beim Publikationserfolg zugunsten der Männer in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie Mathematik, Chemie, Biologie und Psychologie nachgewiesen – in Bezug auf Zitationen allerdings nur teilweise. Ursachen für die festgestellten geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Publikationserfolg und bei den Zitationen könnten eine geringere Spezialisierung von Frauen in ihren Forschungsbereichen, ein höherer Zeitaufwand für die Lehre sowie familiäre Verpflichtungen und Kinderbetreuung sein. Eine weitere Ursache könnte darin liegen, dass nur wenige Frauen hochrangige Positionen wie Professuren bekleiden und daher über weniger prestigeträchtige Kooperationsnetzwerke verfügen als Männer.
Das Modul untersucht den Publikationserfolg und die Zitationen von WissenschaftlerInnen in den Disziplinen Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie sowie mögliche Geschlechterunterschiede. Für die Datenerhebung werden Publikationen in 9 Zeitschriften für den Zeitraum 2006 bis 2020 katalogisiert: Dazu gehören die beiden einzigen sportökonomischen Zeitschriften (Journal of Sports Economics, International Journal of Sport Finance), die drei führenden internationalen Fachzeitschriften im Sportmanagement (Sport Management Review, Journal of Sport Management, European Sport Management Quarterly) und die zwei einschlägigen Zeitschriften in der Sportsoziologie (European Journal for Sport and Society, International Review for the Sociology of Sport). Außerdem werden für die Sportökonomie noch alle Artikel mit Sportbezug aus den Zeitschriften Contemporary Economic Policy und Economic Inquiry in die Analyse einbezogen. Die Datenerhebung erfolgt auf Publikationsebene (u.a. Autorenreihenfolge, Zusammensetzung des Autor*innenteams wie z.B. Frauenanteil, Thema der Publikation, Zitationen) und auf Autor*innenebene (u.a. Geschlecht, Land der auf der Titelseite ausgewiesenen Institution, H-Index).
Modul 4: Präsentation der Forschungsergebnisse auf wissenschaftlichen Kongressen und Erstellung einer Website
Auf der Grundlage der empirischen Ergebnisse aus den Modulen 1 und 2 wurden im Jahr 2023 und 2024 im Rahmen von jeweils drei (inter-)nationalen Konferenzen Workshops (einschließlich Symposien und Round-Table-Formaten) zum Thema „Frauen in der Sportökonomie, Sportmanagement und Sportsoziologie“ organisiert, die sich an interessierte (junge) Wissenschaftler*innen richteten und sich mit der Sichtbarkeit sowie der Selbstwahrnehmung und der Außenwahrnehmung von Professorinnen in den drei untersuchten Bereichen (universitärer Kontext, Konferenzen, Publikationen/Zitate) befassen.
Alle Workshops waren durch zwei wesentliche Programmelemente gekennzeichnet. Zu Beginn jedes Workshops fand ein Inputvortrag zur inhaltlichen Erörterung ausgewählter Ergebnisse aus den Modulen 1-3 statt. Begleitet wurden die Input-Präsentationen durch interaktive, anonyme Live-Befragungen, die es ermöglichten, Abstimmungsergebnisse sofort grafisch ausgewertet zu präsentieren. Im Anschluss an den Inputvortrag fand eine Podiumsdiskussion mit Wissenschaftler*innen mit direktem Themenbezug bzw. einer konkreten Expertise statt. Eine Übersicht gibt nachstehende Tabelle:
Darüber hinaus wurde eine englischsprachige (und damit international relevante) Website für „Frauen in Sportökonomie, -management und -soziologie“ eingerichtet, um die Forschungsleistungen von Frauen in diesen Disziplinen sichtbarer zu machen. Sie richtete sich vor allem an Wissenschaftlerinnen mit Ambitionen im deutschsprachigen Raum, ist jedoch aus Gründen der internationalen Sichtbarkeit in englischer Sprache verfasst (ehemaliger Link: www.wisems.org). Mit dem Ziel, als Plattform für die Vernetzung zu dienen, wurde außerdem ein Twitter-/X-Account @wisems_bi sowie ein LinkedIn-Account „WISEMS SiWaProf“ eingerichtet, um interessierte Sportwissenschaftler*innen über diese sozialen Medien mit relevanten Informationen zu versorgen.
Lesch, L., Scharfenkamp, K., & Wicker, P. (2023). The perceived role fit of women and men academics: evidence from the social sports sciences. Frontiers in Psychology, 14, 1239944. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1239944
Lesch, L., Scharfenkamp, K., & Wicker, P. (2024). Women and men professors as role models and their effect on academics’ career decisions. Sport Management Education Journal, 18(2), 122-135. https://doi.org/10.1123/smej.2023-0009
Wicker, P., Scharfenkamp, K., & Lesch, L. (2022). Publication and citation analysis of articles published in the European Journal for Sport and Society, 2004-2020. European Journal for Sport and Society, 19(4), 295-304. https://doi.org/10.1080/16138171.2022.2133412
Scharfenkamp, K., Lesch, L., & Wicker, P. (2024). Who you publish with matters: The effects of authorship composition on citations of sports economics publications. International Journal of Sport Finance, 19(4), 227-241. https://doi.org/10.32731/ijsf.194.112024.03