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    Erfahrungsberichte aus der Universität Bielefeld

    © Universität Bielefeld

„Was für ein Aufwand! Aber zugleich: welch ein Genuss!“

Lara Venghaus, Projektleiterin des Universitätsorchesters Bielefeld

© Nick Dering

„Konzerte in Zeiten von Corona – was zunächst wie der Titel zu einem Bericht über die prekäre Lage der Kultur in diesen Tagen anmutet, ist im Uniorchester Realität geworden. Eigentlich war Mitte März schon alles besiegelt: unsere Veranstaltungsreihe, die einmal pro Monat während der Vorlesungszeit ein hochkarätiges Kammerkonzert im Audimax bietet, würde in diesem Sommersemester nicht nur am Umbau des Audimax, sondern auch an Corona scheitern. Das würde einen Einnahmeausfall für das Orchester bedeuten, da die Spenden am Ausgang immer der Orchesterarbeit zu Gute kommen. Aber für die Musiker, die in dieser Reihe stets ohne Honorar auftreten würde immerhin kein zusätzlicher Verlust entstehen. Dennoch bekam ich am sprichwörtlichen eigenen Leib zu spüren, welche Auswirkungen dieses Virus auf die Kulturszene heraufbeschwor. Und ich machte mir, wie viele andere Orchestermitglieder auch, Sorgen um unsere Solisten und Dozenten, die von ihren Konzerteinnahmen und vom Unterrichten leben müssen.

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Fördervereins entstand die Idee, die Kammerkonzertreihe in einen Livestream zu verlegen – aber so, dass die Ausführenden ein Honorar für Ihren Auftritt erhalten sollten. Nach vielen Überlegungen, wie wir die Konzerte unter Einhaltung der Coronaschutzverordnung realisieren könnten, kam zufällig ein rettender Kontakt zu Stande. Kanal 21, Bielefelds lokaler Fernsehsender, hat eine OWL-Kulturbühne eingerichtet und bietet Musikern der Region die Möglichkeit, im Livestream aufzutreten. Ein Telefonat später war bereits alles in trockenen Tüchern – allerdings in anderen Dimensionen als ursprünglich geplant: ab dem 4. Mai bis zu den Sommerferien sollte nun jeden Montag um 18 Uhr ein Livestream-Kammerkonzert aus dem Fernsehstudio von Kanal 21 gesendet werden. Meine Aufgabe bestand jetzt darin, Sponsoren zu suchen, weitere Musiker anzusprechen, die die übrigen Konzerttermine übernehmen würden sowie einen Flügel zu mieten. Kanal 21 wiederum kümmerte sich um jedwede Technik. Es gelang schnell: in kürzester Zeit waren Anträge gestellt und positiv beschieden (herzlichen Dank an dieser Stelle an die Stiftung der Sparkasse Bielefeld, die Rudolf-August Oetker-Stiftung, den Stadtverband Laienmusik und, last but not least, den Förderverein des Universitätsorchesters). Pianohaus Kemp sorgte für den Flügel und weitere Musiker waren schnell im Boot, sodass tatsächlich eine hochkarätige Konzertreihe geboren war.

In der Vorbereitung lief nun vieles wie sonst auch: Pressemitteilungen erstellen und versenden, die Kommunikation mit den Künstlern, die Vorbereitung des Programmheftes, das war alles wie gewohnt. Doch vor Ort im Fernsehstudio waren ganz andere, neue Abläufe vonnöten als gewöhnlich im Audimax. Als ich für das Konzert „Cello doppio“ am 11. Mai um 17 Uhr im Fernsehstudio eintraf, war das Team schon seit dem Vormittag beschäftigt, Licht aufzubauen, Kameras einzustellen, Mikrofone auszurichten, Kabel zu legen. Auch die Musiker waren schon lang vor Ort zur Probe und zum Soundcheck. Herr Rehlmeyer, der Geschäftsführer des Kanals und ich hatten kurz Gelegenheit, Ablauf und Moderation zu besprechen (auch sprechen will geübt und vorbereitet sein – welche Kamera filmt mich? Wohin soll ich gucken? Wie nah muss ich ans Mikrofon?), dann ging es auch schon los. Nach der Moderation wurde die Bühne freigeräumt – logistisch nicht einfach, wenn es schnell gehen soll man zugleich Abstand voneinander halten muss – und dann traten die Musiker auf. Ich durfte das Konzert aus der Bild- und Tonregie verfolgen. Was für ein Aufwand! Da saß ein Bildregisseur vor einem Mikro, wies die Kameramänner an, was sie aufnehmen sollen, und wechselte von Kamera zu Kamera je nachdem, was in der Musik gerade passierte. Bin ich froh, dass das für gewöhnlich meine Augen unangewiesen übernehmen! Aber zugleich: welch ein Genuss! Aus dieser Nähe kann ich die Kollegen sonst nicht beobachten. Am Montag darauf durfte ich in dem Konzert „Liederabend“ dann als Sängerin mit Michael Hoyer am Klavier selbst erleben, wie sich so ein Auftritt ohne Publikum und Interaktion für ausführende Musiker anfühlt.“