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    Erfahrungsberichte aus der Universität Bielefeld

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Lernen in einem „experimentellen“ Semester

Dr. Nils Hasenbein, Beauftragter für Studienangelegenheiten in der Fakultät für Biologie

Bild zeigt die Bestandteile des Experimentierkastens
© Nils Hasenbein

„Die Kunst des Experimentierens zu erlernen, Lebensräume selber zu erleben und zu erkunden, Organismen mit dem Blick der Wissenschaft zu betrachten und verstehen zu lernen - dazu dienen in der Biologie Praktika, Übungen und Exkursionen.  Wie in allen Fächern, in denen das Erwerben praktischer Fähigkeiten einen untrennbaren Bestandteil der Ausbildung darstellt, ist ein Semester(-start) ohne Präsenzveranstaltungen für die Lehrenden in der Biologie eine besondere Herausforderung.

Es wird sich nicht alles ersetzen lassen, was in einem "normalen" Semester möglich wäre. Aber vielleicht doch mehr, als man zunächst denkt? Karsten Niehaus, Hanna Bednarz und Judith Kampe aus der Abteilung Proteom- und Metabolomforschung haben einen ihrer Kurse mit einem Experimentierkasten ausgestattet, mit dem die Studierenden zuhause Chlorophyll extrahieren und mit der mitgelieferten UV-Lampe zum Fluoreszieren bringen oder symbiontische Bakterien mit Pflanzen kultivieren können. Dabei berühren sie sogar - aus aktuellem Anlass - Themen der Infektionsbiologie. In einem anderen Kurs bestimmen die Teilnehmer*innen gemeinsam mit den Kursleiterinnen Caroline Müller und Rabea Schweiger im Online-Seminar Pflanzen. In wieder anderen Kursen werden Experimente abgefilmt, oder nehmen die Studierenden als "virtuelle Gäste" am Experiment im Labor teil.

Über geteilte Zoom-Bildschirme werden neue Programme erlernt, Tablets sind als virtuelle Tafel in einer Online-Vorlesung im Einsatz. Exkursionen führen die Studierenden in manchen Kursen eigenständig durch: Sie bestimmen Arten und dokumentieren Lebensräume mit ihrem Smartphone und besprechen "ihre" Exkursion im Online-Seminar nach. Studierende im Lehramtsstudium holen sich - verteilt über viele Gärten und Balkone, Kübel und Töpfe -  die Welt der Nutzpflanzen nach Hause und führen darüber ein digitales Portfolio. Im "digital vernetzten Garten" wachsen nun schon mehr als 50 Arten, und noch sind nicht alle Rückmeldungen zusammen.

Lehrende und Studierende, wir alle an der Fakultät, werden uns im Laufe des Semesters sicherlich oft wieder Präsenzlehre herbeiwünschen, weil manches nicht so gelingt wie gedacht - so ist das in jedem Experiment, und so wird es auch in diesem „experimentellen“ Semester sein. Aber wie bei guten Experimenten werden wir aus Gelingen und Scheitern Vieles lernen. Zusammen.“