Wissenschaftlerinnen im Videoportrait

Die Reihe „Sichtbare Expertise“ stellt Wissenschaftlerinnen aus den Fokusbereichen der Universität Bielefeld im Rahmen kurzer Videointerviews vor. Wissenschaftlerinnen erzählen, welche Lücken sie in der Forschung entdeckt haben – und wie sie diese füllen.
Die Interviewreihe lädt dazu ein die Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld und die Vielfalt ihrer aktuellen Forschung kennenzulernen.
„Sichtbare Expertise“ ist ein gemeinsames Projekt des Gleichstellungsbüros und des Referats für Kommunikation. Die Interviews werden im Rahmen der Reihe „Forschungslücke“ auf dem LinkedIn Kanal der Universität Bielefeld veröffentlicht und anschließend permanent auf der Seite des Gleichstellungsbüros ausgestellt.
Konzept: Denise Gellrich, Jörg Heeren, Jochen Kopp und Lisa Steven

Bildschirmtext: Prof'in Dr. Cora Uhlemann Kosmologin
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Ich glaube, Forschung besteht sehr viel darin, irgendwie mutig Sachen auszuprobieren, damit dann auch zu scheitern und sich davon nicht abbringen zu lassen, sondern quasi aus dem Scheitern zu lernen.
Bildschirmtext: Woran forschen Sie?
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Als Kosmologin studiere ich die Architektur des Kosmos, insbesondere auf den größten Längen und Zeitskalen. Und mit dem Weltraumteleskop Euclid, wo wir hier so ein kleines Lego Modell haben, werden wir Milliarden von Galaxien über 1/3 des Himmels kartieren. Und das ist extrem spannend, weil damit können wir quasi das Skelett unseres Universums vermessen.
Bildschirmtext: Was finden Sie besonders spannend?
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Insbesondere interessiere ich mich für Regionen unterschiedlicher Dichte jenseits des Mittelmaßes. Insbesondere finde ich leere Region und so Ballungszentren sehr spannend und suche quasi wie können wir extra Informationen daraus holen um herauszufinden, was in unserem Universum drin ist und wie es sich in Zukunft entwickeln wird.
Bildschirmtext: Wie ist Ihr Thema relevant?
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Ich glaube, es ist extrem relevant, weil wir lernen sehr viel über die Daten. Im Endeffekt haben wir diese exquisiten Durchmusterungen. Wir haben Milliarden von Galaxien und am Ende ist das jetzt auch ein Problem von Big Data: Wie können wir quasi am effizientesten diese Bilder analysieren?
Ich möchte erreichen, dass wir mehr von den Daten benutzen können. Also insbesondere schmeißen wir quasi Daten weg, weil wir quasi die ganze Karte, die wir nehmen, einfach nur in eine Funktion zusammenquetschen. Und ich möchte erreichen, dass wir mehr Informationen rausholen und damit quasi mehr Physik aus den gleichen Daten holen können.
Bildschirmtext: Was war Ihre größte Herausforderung?
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Oh, ich glaube, es gibt viele Herausforderungen. Ich glaube, das Schlimmste an der Forschung ist Es gibt viele spannende Ideen, aber nie genug Zeit, die alle zu verfolgen. Das heißt, man muss irgendwie eine gute Balance finden. Was sind irgendwie spannende Sachen, die aber auch nicht zu viel Zeit kosten.
Bildschirmtext: Was macht Ihnen an der Forschung am meisten Freude?
Prof'in Dr. Cora Uhlemann: Aber was ich auch extrem spannend finde, ist die Arbeit mit jungen Menschen, also sowohl die Lehre als auch natürlich die Arbeit mit Doktoranden und Postdoktoranden in meiner Gruppe. Wenn wirklich Leute von unterschiedlichen Hintergründen kommen und ihre Ideen zusammenbringen: Das finde ich einfach extrem spannend.
Abblende: Logo des Gleichstellungsbüros der Universität Bielefeld, Label des Projekts "Sichtbare Expertise. Programm für Wissenschaftlerinnen", Label des Projekts "Die Forschungs_lücke"
On-screen text: Prof'in Dr Cora Uhlemann Cosmologist
Prof. Dr Cora Uhlemann: I believe that research is very much about courageously trying things out, then failing and not letting yourself be dissuaded, but learning from failure, so to speak.
On-screen text: What are you researching?
Prof. Dr Cora Uhlemann: As a cosmologist, I study the architecture of the cosmos, especially on the longest lengths and time scales. And with the Euclid space telescope, of which we have this small Lego model here, we will map billions of galaxies over 1/3 of the sky. And that is extremely exciting, because we can use it to measure the skeleton of our universe, so to speak.
On-screen text: What do you find particularly exciting?
Prof. Dr Cora Uhlemann: I am particularly interested in regions of varying density beyond the mean. In particular, I find empty regions and conurbations very exciting and am looking for how we can get extra information from them to find out what is in our universe and how it will develop in the future.
On-screen text: How is your topic relevant?
Prof. Dr Cora Uhlemann: I think it's extremely relevant because we learn a lot from the data. Ultimately, we have these exquisite surveys. We have billions of galaxies and in the end this is also a problem of big data: how can we analyse these images in the most efficient way?
I would like us to be able to use more of the data. In particular, we're basically throwing away data because we're just squeezing the whole map we take into one function. And I would like us to be able to extract more information and thus get more physics out of the same data.
On-screen text: What was your biggest challenge?
Prof. Dr Cora Uhlemann: Oh, I think there are many challenges. I think the worst thing about research is that there are lots of exciting ideas, but never enough time to pursue them all. That means you have to find a good balance somehow. What are kind of exciting things that also don't take too much time.
On-screen text: What do you enjoy most about research?
Prof. Dr Cora Uhlemann: But what I also find extremely exciting is working with young people, both teaching and, of course, working with PhD students and postdocs in my group. When people from different backgrounds really come and bring their ideas together: I just find that extremely exciting.
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On-screen text: Prof Dr Anna Oksuzyan Health scientist
Prof Dr Anna Oksuzyan: My research project "COMFAM" investigates the relationship between long commutes and well-being and health of all family members.
On-screen text: What objects have you brought with you today?
Prof Dr Anna Oksuzyan: So today I brought the train and the car, which are the most commonly used means of transportation when people have long commutes. And we have Emily, who is a high-skilled worker.
On-screen text: What is the aim of your research?
Prof Dr Anna Oksuzyan: The aim of this project to investigate what would be the consequences of commuting if Emily were a low-skilled worker. So what we investigate is potentially different effects of long commutes accross different social groups.
On-screen text: How did you come up with the topic?
Prof Dr Anna Oksuzyan: My research actually comes from observation everyday life, I think. Questions whether Long the commutes are related not only to commuters' health, but also health and well-being of their partners and their children. Because we can expect that there is a high demand for a very limited time and parents have to juggle between work and family. And last but not least, it is a unique opportunity to use the Covid-19 pandemic as a natural experiment to find out how the Covid-19 pandemic contributed to the well-being of commuters.
On-screen text: What do you enjoy most about your research?
Prof Dr Anna Okszuyan: Research is my passion. I love it. I think the most exciting is thinking about a research question and how to design the study. And often we get surprising results. And it's also fun to interpret them and put them into the general knowledge that we have.
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Bildschirmtext: Prof. Dr. Anna Oksuzyan Gesundheitswissenschaftlerin
Prof. Dr. Anna Oksuzyan: Mein Forschungsprojekt “COMFAM” untersucht den Zusammenhang zwischen langen Arbeitswegen und Wohlbefinden und Gesundheit von allen Familienmitgliedern.
Bildschirmtext: Was für Objekte haben Sie heute mitgebracht?
Prof. Dr. Anna Oksuzyan: Heute habe ich den Zug und das Auto mitgebracht, da diese die am häufigsten genutzten Fortbewegungsmittel sind, wenn die Menschen lange Arbeitswege haben.
Und wir haben Emily, die eine hochqualifizierte Arbeitskraft ist.
Bildschirmtext: Was ist das Ziel Ihrer Forschung?
Prof. Dr. Anna Oksuzyan: Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, welche Folgen das Pendeln hätte, wenn Emily eine gering qualifizierte Arbeitskraft wäre. Also was wir untersuchen sind die Auswirkungen langer Arbeitswege zwischen verschiedenen sozialen Gruppen.
Bildschirmtext: Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Prof. Dr. Anna Oksuzyan: Meine Forschung kommt durch die Beobachtungen des täglichen Lebens. Wir fragen danach, ob lange Arbeitswege nicht nur mit der Gesundheit der Pendler*innen, sondern auch mit ihren Partner*innen und Kindern zusammenhängt. Weil wir davon ausgehen, dass es eine hohe Nachfrage für eine sehr begrenzte Zeit gibt. Und Eltern müssen zwischen Beruf und Familie jonglieren. Und nicht zuletzt ist es eine einzigartige Gelegenheit, die Covid-19-Pandemie als natürliches Experiment um herauszufinden, wie die Pandemie sich auf das Wohlbefinden der Pendler*innen ausgewirkte.
Bildschirmtext: Was macht Ihnen an Ihrer Forschung am meisten Freude?
Prof. Dr. Anna Okszuyan: Forschung ist meine Passion. Ich liebe es. Ich denke, das Spannendste ist, über eine Forschungsfrage nachzudenken und darüber, wie die Studie gestaltet werden soll. Und oft erhalten wir überraschende Ergebnisse. Und es macht auch Spaß, sie zu interpretieren und in das einzufügen, in ein Allgemeinwissen, das wir haben.
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Bildschirmtext: Prof'in Dr. Barbara Caspers Verhaltensforscherin
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Und da hat mir einfach gefehlt, dass Leute genau hingeguckt haben!
Bildschirmtext: Woran forschen Sie?
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Meine Forschung ist im Prinzip so ein bisschen zweigeteilt. Das ist einmal die Frage: Wie kommunizieren Tiere miteinander? Und zwar welche Rolle spielt der Körpergeruch dabei? Und die andere Frage ist: Wie ändern Tiere ihr Verhalten? Oder welchen Einfluss hat die Umwelt auf das Verhalten von Tieren?
Bildschirmtext: Was ist das Ziel Ihrer Forschung?
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Was ich erreichen möchte, ist tatsächlich, dass wir genauer hingucken. Ich finde das total faszinierend zu sehen, dass zum Beispiel Zebrafinken als wahrscheinlich der best durchgeforschte Vogel der Welt ist, zumindest wenn es um Laborvögel geht, und wir trotzdem viele Dinge einfach auch jetzt noch nicht wissen.
Bildschirmtext: Gab es unerwartete Ergebnisse?
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Auf jeden Fall. Also zum Beispiel das erste wirklich unerwartete Ergebnis war, dass die Zebrafinken, mit denen wir arbeiten, dass die ihre Verwandten anhand des Geruchs erkennen können. Das war völlig neu und ist auch nach wie vor finde ich total faszinierend. Zumindest für mich. Auch das junge Zebrafinken schon mit einem Tag, also direkt nach dem Schlupf, in der Lage sind ihre Eltern am Geruch zu erkennen. Das finde ich auch nach wie vor total faszinierend.
Vor allem, dass sie das auch noch können, wenn wir sie in ein anderes Nest getauscht haben, dann können sie immer noch ihre Mutter erkennen, obwohl sie niemals diese Mutter irgendwie auch nur erfahren haben. Also das ist ja, das ist tatsächlich was, was ich immer noch unglaublich finde.
Bildschirmtext: Hatten Sie Vorbilder?
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Es gab viele Vorbilder tatsächlich im Sinne von tolle Wissenschaftler*innen. Aber es gab wenig Vorbilder, die ein Leben so wie ich mir das zumindest vorgestellt haben, eben gar nicht diese Frage zu stellen Karriere oder Familie, sondern für mich war klar, irgendwie sollte beides gehen.
Oder ich wollte zumindest nicht das eine für das andere lassen.
Bildschirmtext: Gab es etwas, das Ihnen in der Forschung gefehlt hat?
Prof'in Dr. Barbara Caspers: Also, mir hat gefehlt zu dem Zeitpunkt, als ich mit meiner Forschung anfing, dass eigentlich im Lehrbuch stand: Vögel können überhaupt nicht riechen. Was ich als unglaublich merkwürdig empfunden habe, weil ich vorher mit Säugetieren gearbeitet habe, wo man weiß, dass die einen guten Geruchssinn haben.
Und wir wissen auch von Fischen, dass sie einen guten Geruchssinn haben. Also warum sollten bitteschön Vögel jetzt keinen haben? Irgendwie merkwürdig.
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On-screen text: Prof'in Dr. Barbara Caspers Behavioural researcher
Prof. Dr Barbara Caspers: What was missing to me, was simply people taking a closer look.
On-screen text: What are you researching?
Prof. Dr Barbara Caspers: My research is basically divided into two parts. One is the question: How do animals communicate with each other? And what role does body odour play in this? And the other question is: How do animals change their behaviour? Or what influence does the environment have on the behaviour of animals?
On-screen text: What is the aim of your research?
Prof. Dr Barbara Caspers: What I want to achieve is that we take a closer look. I find it totally fascinating to see that zebra finches, for example, are probably the best-researched birds in the world, at least when it comes to laboratory birds, and yet we still don't know many things even now.
On-screen text: Were there any unexpected results?
Prof. Dr Barbara Caspers: Definitely. For example, the first really unexpected result was that the zebra finches we are working with can recognise their relatives by smell. That was completely new and I still find it totally fascinating. At least for me. It is also fascinating that at the age of one day, so directly after hatching, young zebra finches are able to recognise their parents by smell . I still find that totally fascinating.
Especially that they can still do this when we have moved them to another nest, they can still recognise their mother, even though they have never even experienced this mother in any way. So that's really something that I still find incredible.
On-screen text: Did you have any role models?
Prof. Dr Barbara Caspers: There were many role models in the sense of great scientists. But there weren't many role models who imagined a life like I did, at least not regarding the question of career or family, but for me it was clear that somehow both should be possible. Or at least I didn't want to leave one for the other.
On-screen text: Was there something that you missed in your research?
Prof. Dr Barbara Caspers: Well, what I missed when I started my research was that the textbook actually said that birds can't smell at all. Which I found incredibly strange, because I had previously worked with mammals, where we know that they have a good sense of smell. And we also know that fish have a good sense of smell. So why wouldn't birds have one now? Kind of strange.
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