

Wie viel Zeit steht dir in einer typischen Woche überhaupt zur Verfügung, um an Aufgaben arbeiten zu können? Insbesondere in der Vorlesungszeit ist es sehr sinnvoll, den eigenen Stundenplan gut zu kennen. So kannst du regelmäßig freie Zeitfenster identifizieren und routiniert für wiederkehrende Aufgaben nutzen.
Du hast keinen Überblick über deine Woche? Dir fällt es schwer einzuschätzen, wie viel freie Zeitfenster dir für die Bearbeitung deiner Aufgaben zur Verfügung stehen? Dann kann die Übung 3 für dich interessant sein.

Neil Fiore (2012) hat in seinem Buch „Vorbei mit der Aufschieberei!“ mit dem Anderen Kalender eine Planungshilfe entwickelt, die gegen Prokrastination eingesetzt werden kann. Ihm geht es dabei v.a. darum, aus der Negativspirale eines „Ich muss!“ herauszufinden und zu einem „Ich kann und ich will!“ zu gelangen.
Der Ausgangspunkt hierfür besteht oft in einer unrealistischen Planung, bspw. dem Vorhaben: „Ich muss den ganzen Tag für meine Prüfung lernen“. Dieses Ziel ist nicht nur als „ich muss“ formuliert, sondern schier unerreichbar. So ist Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung fast vorprogrammiert, die dann ein schlechtes Gewissen verursacht, das zur Bestrafung und dem Streichen von Freizeit führt, um dann noch mehr Druck zu verspüren und sich für den nächsten Tag noch mehr vorzunehmen. Um aus dieser Negativspirale herauszufinden, drückt Fiore gewissermaßen die Stopp-Taste und schlägt eine umgekehrte Planung vor. Alles, was feststeht, von Schlaf- über Mahlzeiten, wird sichtbar gemacht. Ganz bewusst wird Freizeit eingeplant, bevor sie verdient wurde oder gestrichen werden kann. Dahinter steht die Überzeugung Fiores: „Wenn wir hochwertige produktive Arbeit für wichtige Aufgaben leisten wollen, müssen wir uns mit dem ganzen Herzen der Erholung und der Entspannung hingeben.“ (Fiore, 2012)
Nutze den Wochenplan und trage folgende Punkte für die beginnende oder nächste Woche ein:
Trage bewusst keine Arbeitszeiten für deine Aufgaben ein!
So erhältst du einen guten Überblick über deine Woche. Es wird übersichtlicher, wenn du farbige Kodierungen für die verschiedenen Kategorien nutzt. Das kann dann bspw. so aussehen:
Anhand deiner Markierungen kannst du nun sehr gut freie Zeitslots identifizieren (im Plan rosa markiert). Nimm nun deine To-do-Liste zur Hand und überlege:
Deine Arbeitszeiten trägst du immer erst dann ein, wenn du mindestens 30 Minuten am Stück an einer Aufgabe gearbeitet hast. Das hat einen positiven psychologischen Effekt: So wird sichtbar, wie viel Zeit du an Aufgaben tatsächlich gearbeitet hast, und nicht, was du dir alles vorgenommen, jedoch nicht geschafft hast.
Rückblickend auf die Woche kannst du folgende Fragen zur Auswertung nutzen:
Du wirst staunen, wie viel du in diesen kurzen Zeitfenstern schaffen kannst und wie du Schritt für Schritt deinen Zielen näherkommst! Der andere Kalender ist dabei sehr gut mit der Pomodoro-Technik (Verweis auf: Wie komme ich ins Arbeiten) kombinierbar.
Wenn du die Aufgaben stärker an deinem Biorhythmus ausrichten möchtest, aber noch keine Vorstellung von deinen Leistungshochs und -tiefs hast, dann mach die folgende Übung.
Biorhythmus und Leistungskurven sind stark individuell ausgeprägt. Wenn immer möglich, ist es gut, eher mit als gegen den eigenen Biorhythmus zu leben. Um herauszufinden, wie es um das eigene Leistungsvermögen bestellt ist, hilft es, sich selbst zu beobachten und Momente heller Wachheit und aufkommender Müdigkeit zu notieren. Die Normkurve sieht etwa so aus:
Von Lerchen und Eulen, also Frühaufstehern und Nachtmenschen, ist oft bildlich die Rede. Wo findest du dich am ehesten wieder?
Günstig kann es sein, einen recht gleichmäßigen Rhythmus, also ähnliche Schlaf- und Aufstehzeiten zu haben. So sind Leistungshochs und -tiefs im Tagesverlauf verlässlicher und können gezielter für bestimmte Aufgaben eingeplant werden:
Die Erkenntnisse, die du über die Beobachtung deiner Leistungskurve gewinnst, kannst du dann mit deinem Wochenplan und insbesondere deinen freien Zeitfenstern abgleichen und dich für bestimmte Aufgaben zu einer bestimmten Zeit entscheiden.