

Studierende wenden sich oft mit der Frage, ob sie „richtig“ lernen, an uns im SKILLS-Team. Für uns gibt es nicht das eine richtige und immer passende Lernen. Aber du kannst darauf vertrauen, dass du selbst bereits viel Erfahrung gesammelt hast und somit Expert*in für dein eigenes Lernen bist. Unbewusst wirst du bestimmt viele Techniken anwenden, um dir deinen Stoff aufzubereiten oder dir diesen einzuprägen. Vielleicht gibt es für dich klassische Lernzeiten und auch eine besondere Lernumgebung. Hierauf kannst du sehr gut aufbauen und in den eher stressigen Prüfungsphasen auf Bewährtes zurückgreifen. Trotz bester Bedingungen fühlt Lernen sich oft nicht effizient an, da es viele Wiederholungen braucht, um Inhalte zu erarbeiten und zu behalten, sowie unterschiedliche Zugänge notwendig sind, um Konzepte zu verstehen. Diese verschiedenen Schleifen helfen dir nicht nur beim Lernen, sie machen letztlich dein Lernen aus.
Es gibt jedoch einige hilfreiche Ansatzpunkte, mit denen du dich beschäftigen kannst, damit sich dein Lernen für dich richtig anfühlt und den höheren Anforderungen der Universität auch gerecht wird.
Unter Lernstrategien wird das strategische Verhalten verstanden, mit dem du dein Lernen selbst beeinflussen kannst (Mandl & Friedrich 2005, S. 11). Bei den Lernstrategien wird klassisch zwischen kognitiven, metakognitiven und ressourcenbezogenen Lernstrategien unterschieden. Nach Grund und Steuer (2023) beziehen sich kognitive Strategien „direkt auf die konkrete Arbeit mit dem Lernstoff“ (ebd., S. 151). Grundsätzlich geht es darum, sich beim Lernen kognitiv zu aktivieren.
Kognitive Lernstrategien umfassen daher die folgenden Aktivitäten:
| Aktivitäten | Beschreibung | Beispiel |
| Wiederholen | das wiederholte Durcharbeiten von Informationen, um sie im Gedächtnis zu verankern | Vokabeln mehrfach laut lesen oder schreiben, um sie auswendig zu lernen |
| Organisieren | das Strukturieren und Ordnen von Informationen, um sie leichter verständlich und abrufbar zu machen |
Erstellen von Mindmaps, um Zusammenhänge zwischen Konzepten zu visualisieren |
| Elaborieren | das Lernen und Behalten neuer Informationen durch Verknüpfung und tiefe semantische Verarbeitung | Lernen durch Erklären, bspw. von Begriffen, Theorien oder Konzepten |
Bei der Aufbereitung deines Lernstoffs kannst du die drei Aktivitäten durchlaufen: 1. Beim Erstellen von Karteikarten anhand deiner Mitschriften wiederholst du bereits den Lernstoff. 2. Indem du die Mindmaps oder Conceptmaps zu einzelnen Vorlesungen erstellst, organisierst du dein Wissen. 3. Wenn du dich mit einer Lerngruppe triffst und ihr euch bei der Aufbereitung des Stoffes gegenseitig erklärt, was ihr verstanden habt, findet Elaboration statt. Natürlich könntest du auch mit den Karteikarten von Kommiliton*innen arbeiten, die die Prüfung bereits gut bestanden haben. Aber sowohl in der Auseinandersetzung mit dem Stoff als auch bei der Erstellung der Lernmaterialien wirst du lernen.
Metakognitive Strategien sind hingegen „losgelöst vom konkreten Inhalt und umfassen Strategien zur Planung, Kontrolle bzw. Überwachung des Lernens und, falls nötig, zu dessen Regulation“ (Grund & Steuer, 2023). Bei den ressourcenbezogenen Strategien, die den effizienten Einsatz deiner Lernvoraussetzungen unterstützen, wird zwischen internen und externen Ressourcen unterschieden. Das lässt sich wie folgt visualisieren:

Oft greifen die Lernstrategien auch stark ineinander. So kann es sehr motivierend (interne Ressource) sein, wenn du deine Lernfortschritte sichtbar machst (metakognitive Lernstrategie). Zu deinem Lernfortschritt kann der Einsatz kognitiver Lernstrategien wie das Erstellen von Mindmaps oder Karteikarten entscheidend beitragen, ebenso wie das Lernen in einer Lerngruppe oder die bewusste Gestaltung deiner Lernumgebung (externe Ressourcen).
Wie du deine Prüfungsvorbereitung gestalten kannst, stellen wir dir in unseren =>Methoden für aktives Lernen vor. Alles, was dein Lernen aktiv macht und dich aus der Passivität herrausholt, kann sich positiv auswirken. Also: In der Vorlesung nicht nur der Lehrperson zuhören, sondern aktiv Fragen stellen, nicht nur mitschreiben, sondern eigene Gedanken notieren, nicht nur das Lehrbuch lesen, sondern die Inhalte zusammenfassen und ein eigenes Lernmaterial erstellen. Beim aktiven Lernen geht es darum, das Gelernte anzuwenden, zu diskutieren, Probleme zu lösen, Neues zu schaffen - also kognitiv aktiv zu sein. Lernstrategien, die dich in ein aktives Anwenden und Überprüfen bringen, sind nachweislich effizienter (Roelle et al., 2023, 51-120), indem sie die Wissenskonstruktions- und Selbstregulationsaktivitäten anregen.
Behnke, Y. K. (2025). Lernmythen aufgedeckt. Wie wissenschaftliche Evidenz effektives Lernen und Praxistransfer im Unternehmen fördert. Haufe. https://doi.org/10.34156/9783648183960
Grund, A. & Steuer, G. (2023). Motivation und Selbstregulation. Theoretische Grundlagen und ihre Anwendung in Lernkontexten. utb. https://doi.org/10.36198/9783838559759
Kulgemeyer, C. & Wittwer, J. (2022). Misconceptions in Physics Explainer Videos and the Illusion of Under-standing: An Experimental Study. International Journal of Science and Mathematics Education. doi.org/10.1007/s10763-022-10265-7
Lehner, M. (2015). Viel Stoff – schnell gelernt. Prüfungen optimal vorbereiten. Haupt.
Mandl, H. & Friedrich, H. F. (Hrsg.). (2005). Handbuch Lernstrategien. Beltz Juventa.
Pekrun, R.; Goetz, T.; Frenzel, A.C.; Barchfeld, P. & Perry, R.P. (2011). Measuring emotions in students' learning and performance: The Achievement Emotions Questionnaire (AEQ). Contemporary Educational Psychology, 36 (2011) 1, S. 36-48.
Roelle, J., Lachner, A. & Heitmann, S. (2023). Lernen. Theorien und Techniken. Schöningh.