
Die Didaktik der Vielfalt geht von einer heterogenen Schüler:innenschaft aus und verfolgt das Ziel, sowohl individuelles als auch kooperatives Lernen zu ermöglichen und zu fördern. Sowohl die Art und Weise, wie Aufgaben von den Lehrkräften konzipiert und eingebracht werden, als auch die Frage nach der Enaktierung der Aufgaben durch die Lernenden nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Ein zentrales Prinzip von Aufgaben im Sinne einer Didaktik der Vielfalt ist es, sich an den unterschiedlichen Interessen der Schüler:innen zu orientieren. Den Schüler:innen wird regelmäßig die Möglichkeit gegeben, im Sinne der Ko-Konstruktion und der Angebotsdifferenzierung selbst passende Aufgaben zu wählen und diese ausgerichtet an eigenen Bedürfnissen und Bedarfen mitzugestalten. Dies kann u.a. durch die Arbeit an den sogenannten Lerndörfern realisiert werden, in denen Projektthemen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Zugänge, Arbeitsweisen und Abstraktionsniveaus strukturiert werden.
In einem Unterricht, der die Didaktik der Vielfalt verfolgt, werden die unterschiedlichen Lernniveaus und Vorerfahrungen aller Schüler:innen anerkannt. Das Lernen findet in sozialer Eingebundenheit statt. Die Gestaltung pädagogischer Beziehungen spielt dafür ebenso wie das fachlich anspruchsvolle Lernen eine zentrale Rolle. Lernsituationen werden von den Lehrkräften so strukturiert, dass den Schüler:innen unterschiedliche Wege des Verstehens aufgezeigt werden: Dabei können Kompetenzen wie Argumentieren, Urteilen, Erkunden, Ordnen und Imaginieren (von der Groeben, 2014) adressiert werden.
Der Lernstoff wird in Fundamentum und Additum aufgeteilt: Während das Fundamentum ein für alle erreichbares und verbindliches Minimum darstellt, bietet das Additum individuelle Vertiefungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten.
Neben der Aufgabenvielfalt und den unterschiedlichen Lernwegen ist die gemeinsame Kommunikation über das Lernen in sozialer Eingebundenheit zentral: Dies gelingt durch eine wertschätzende Feedbackkultur, die die Lernprozesse der Schüler:innen individuell begleitet und eine prozessorientierte fortlaufende Diagnostik integrativ in den Unterricht einbettet. Schule wird dabei als Erfahrungsraum verstanden, in dem sich alle Schüler:innen als selbstwirksam erleben und lebensweltlich bedeutsame Lernerfahrungen machen können (von der Groeben, 2013, 2014).
Literatur
Groeben, A. v. d. (2013). Verschiedenheit nutzen. 1. Aufgabendifferenzierung und Unterrichtsplanung. Cornelsen Scriptor.
Groeben, A. v. d. (2014). Verschiedenheit nutzen. 2. Umgang mit Leistung und Schulentwicklung. Cornelsen Scriptor.
Groeben, A., v. d. & Kaiser, A. (2012). Werkstatt Individualisierung. Unterricht gemeinsam verändern. Bergmann + Hebig.
Liebe Kollegien interessierter Schulen,
im Schuljahr 2025/26 startete an den Universitäten Bielefeld und Mainz das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierte Projekt DiVa zur Förderung diversitätssensiblen Unterrichts.
Das Projekt bezieht sich auf die zertifizierte Fortbildung „Werkstatt Lernen: individuell und gemeinsam“ (von der Groeben & Kaiser), im Rahmen derer die „Didaktik der Vielfalt“ mit den Teilnehmenden gemeinsam erarbeitet, erprobt und reflektiert wird. Ziel ist es, Maßnahmen des Umgangs mit Vielfalt in der Schule und im Unterricht nachhaltig zu implementieren. Im Fokus steht sowohl die Förderung von fachlichen als auch die von überfachlichen Kompetenzen aller Schüler:innen.
Die Zielgruppe des DiVa-Projektes sind Kolleg:innen für Deutsch und Mathematik in den fünften und sechsten Jahrgängen inklusiver Schulen, die diese Fortbildung a) entweder schon besucht haben und zu den erfahrenen Schulen gehören oder b) im Projektzeitraum daran teilnehmen werden und zu den neu einsteigenden Schulen gehören. Zur Zielgruppe gehören weiter die Schüler:innen der fünften Jahrgänge, ihre Eltern sowie die Schulleitungen der inklusiven Schulen.
Für dieses Projekt würden wir Ihre Schule gerne als Kooperationsinstitution gewinnen.
Worum geht es?
Im Projekt „Didaktik der Vielfalt. Erforschung, Entwicklung und Transfer diversitätssensibler Unterrichtskonzepte (DiVa)“ wird untersucht, wie das fachliche und das emotional-soziale Lernen in dem Unterrichtskonzept „Didaktik der Vielfalt“ lernwirksam und diversitätssensibel gefördert wird. Dabei werden konkrete Maßnahmen zur Unterrichtsgestaltung analysiert und die Sichtweisen der Lehrkräfte und Schüler:innen auf den Unterricht rekonstruiert.
Studienablauf – Was genau erwartet Sie?
Ertrag für Sie als teilnehmende Schule
Der mögliche Ertrag für Sie als teilnehmende Schule bezieht sich auf die Rückmeldung zu den verschiedenen erhobenen Daten und auf die Impulse, die sich daraus für die Schul- und Unterrichtsentwicklung ergeben können.
1. Quantitative Befragung zur Lernentwicklung
Sie erhalten von uns klassenweise Rückmeldungen zum schulischen Wohlbefinden, zur Unterrichtswahrnehmung, und zur Kompetenzentwicklung Ihrer Schüler:innen zu Beginn des 5. Jahrgangs, am Ende des 5. Jahrgangs und am Ende des 6. Jahrgangs. Diese Daten können für die datenbasierte Unterrichtsentwicklung genutzt werden. Um Ihnen diese Daten unter Berücksichtigung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen zur Verfügung stellen zu können, würden wir einen Kooperationsvertrag miteinander abschließen, den wir vorbereiten. Die Daten bereiten wir für Sie auf und besprechen Sie gerne mit Ihnen.
2. Unterrichtsanalyse: Qualitative Unterrichtsforschung und Unterrichtsentwicklung
Die qualitative Forschung basiert auf der Videografie des Unterrichts in zwei Lerngruppen, die möglichst im Deutsch- und Mathematikunterricht stattfinden soll. Die Erhebung findet mit sehr kleinen hochwertigen Kameras statt, mit der man sich den Unterricht aus verschiedenen Perspektiven anschauen kann. Sie profitieren von einer gemeinsamen Interpretation und den Möglichkeiten für einen kollegialen Austausch.
3. Interviews: Erhebung der Sichtweisen von Lehrkräften
Im Anschluss an die Videografie führen wir an einem der Folgetage ein Interview mit der unterrichtenden Lehrkraft bzw. dem Team zu ihren Perspektiven auf den videografierten Unterricht.
4. Gruppendiskussionen mit Schüler:innen
Unmittelbar im Anschluss an die Videografie möchten wir kleine Gruppendiskussionen mit einigen Schüler:innen Ihrer Lerngruppen durchführen, um auch diese Perspektive auf den Unterricht einzufangen.
5. Entwicklungskonferenzen
Ausgewählte und aufbereitete Ausschnitte aus den Videos werden – natürlich in Absprache mit den jeweiligen Lehrkräften – zusammen mit den Befragungsdaten in Entwicklungskonferenzen eingebracht, um gute Beispiele und ertragreiche Förderstrategien im Rahmen der Didaktik der Vielfalt herauszuarbeiten. Auf dieser Grundlage soll das didaktische Konzept gemeinsam weiterentwickelt werden.
Alle am Projekt beteiligten Lehrkräfte sind herzlich dazu eingeladen, als Praxispartner:innen und gemeinsam mit den Fortbildner:innen an den Entwicklungskonferenzen teilzunehmen. Die Beteiligung an den Entwicklungskonferenzen soll Reflexionsgelegenheiten bieten und zur weiteren eigenen Professionalisierung beitragen. Sie ist aber nur ein Angebot und keine verpflichtende Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt. Ziel ist es, auf Grundlage des Materials beispielhafte, anonymisierte Fallvignetten zu erstellen, die für die Fortbildungen ebenso wie für die Schulen und ihre Entwicklungsprozesse verfügbar gemacht werden.
Wie werden Ihre Daten geschützt?
Wir gehen sorgsam und vertraulich mit Ihren Daten und denen ihrer Schüler*innen um und halten die Datenschutzbestimmungen ein. Alle Daten werden pseudonymisiert.
Wir würden uns sehr freuen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.
Ihr DiVa-Projektleitungsteam
Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose, Dr. Sabine Geist, Dr. Sandra Grüter, Prof. Dr. Anja Hackbarth, Prof. Dr. Miriam Lüken, Prof. Dr. Anja Müller, Thomas Makowski