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Inklusive Medienbildung in einer mediatisierten Welt: Medienpädagogische Perspektiven auf ein interprofessionelles Forschungsfeld

Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik (DGfE)

Organisiert durch Anna-Maria Kamin, Jens Holze und Melanie Wilde (Universität Bielefeld), am Donnerstag, 22. und Freitag, 23. September 2022 an der Universität Bielefeld und online (Keynotes).

Fragen um (digitale) Medien und deren Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe können in der medienpädagogischen Auseinandersetzung bereits auf eine lange Tradition zurückblicken. So sind Emanzipation und Partizipation von Heranwachsenden und Erwachsenen in der Tradition einer handlungsorientierten Medienpädagogik als grundlegende Zieldimensionen von Theoriebildung und Praxis zu verstehen (vgl. Schell 2005). Einen festen Platz im wissenschaftlichen Diskurs nehmen darüber hinaus theoretische und empirische Arbeiten zu Medien und sozialer Ungleichheit, (Bildungs-)Benachteiligungen oder belasteten Lebenslagen ein, wobei auch die Rolle der Medienpädagogik selbst in den Blick genommen wird (z. B. Niesyto 2009; Kamin und Meister 2016; Paus-Hasebrink 2017).

Seit nunmehr zehn Jahren ist – angeregt durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtkonvention – eine Zuspitzung der Diskussion im Hinblick auf Verbindungen zwischen medienpädagogischen und inklusiven Ansätzen auszumachen, die sich im Konzept der «Inklusiven Medienbildung» festmachen (vgl. Schluchter 2015; 2012; Bosse 2012; Bosse, Kamin, und Schluchter 2019; Bosse, Schluchter, und Zorn 2019). Medienbildung unter der Perspektive von Inklusion setzt in diesen Ausführungen an einem weitem Inklusionsverständnis an, welches die Vielfältigkeit des Menschseins in den Blick nimmt und alle Menschen einbezieht. Gleichwohl werden besondere Bedarfe von Gruppen, die häufig Erfahrungen von Marginalisierung, Entrechtung, Benachteiligung und Ausschluss machen, in den Blick genommen. Differenzlinien bilden dabei u. a. soziale und/oder kulturelle Herkunft, Bildung, Gender, Alter oder Behinderung (vgl. Bosse u. a. 2019). Verbunden hiermit sind zum einen medienbezogene Fragen nach Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt, zum anderen werden Chancengleichheit, Anti-Diskriminierung und Strukturen sowie Mechanismen des sozialen Ausschlusses im Bildungssystem und in der Gesellschaft insgesamt thematisiert (Maurer und Schluchter 2013). Inklusion ist insofern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, inkludierende Verhältnisse zu schaffen, zu betrachten und nicht ein Sonderproblem einzelner Gruppen (vgl. Kronauer 2013).

Angesichts aktueller Medienentwicklungen ist die Schaffung von Teilhabemöglichkeiten als Voraussetzung für Inklusion zunehmend an Digitalität und digitale Infrastrukturen gebunden. So können bestehende materielle, kulturelle und soziale Unterschiede sowie Mediennutzungspräferenzen und -erfahrungen zu einer Reproduktion von Ungleichheit in der Gesellschaft führen (vgl. u. a. 2007; Niesyto 2009). Digitalisierungsprozesse, wie algorithmenbasierte Zugangssteuerungs- und Ratingprozesse (z. B. in Form von personalisierten Informationsanzeigen, Social Profiling), können zu kumulativen Benachteiligungen führen und bestehende Unterschiede ökonomischer und gesellschaftlicher Teilhabemöglichkeiten noch verstärken (vgl. Kutscher 2019, 382). In der Folge kann eine ungleiche Beteiligung an Informationen, Bildung und Meinungsäusserung entstehen, sodass im Zugang zu und im Besonderen im Umgang mit Medien soziale Ungleichheiten weitgehend reproduziert werden (vgl. Niesyto 2009).

Nicht nur die handlungsorientierte Medienpädagogik, sondern auch Diskussionen um Verschränkungen zwischen Medienbildung und Inklusion betonen hingegen die Chancen zur Teilhabe und Partizipation in einer digitalisierten Welt. So können digitale Medien unterschiedliche Funktionen zur Teilhabe aller – darunter barrierefreie Zugänglichkeit, Anschluss an assistive Technologien und individuelle Förderung und Diagnostik – übernehmen (vgl. Liesen und Rummler 2016). Darüber hinaus eröffnet der Erwerb einer umfassenden Medienkompetenz und der chancengerechte Einsatz digitaler Medien in Bildungskontexten nicht nur Teilhabechancen im Hinblick auf die Wahrnehmung von Bildungschancen, sondern auch zur gleichberechtigten Beteiligung und Mitgestaltung an öffentlicher Kommunikation. Zudem können mediale Darstellungsformen die Vielfalt des Menschseins abbilden sowie stereotypen und stigmatisierenden Bildern entgegenwirken (vgl. Bosse et al. 2019).

Wir wollen vor diesem Hintergrund im Rahmen der Herbsttagung «Inklusive Medienbildung in einer mediatisierten Welt: Medienpädagogische Perspektiven auf ein interprofessionelles Forschungsfeld» der Sektion Medienpädagogik diese Mechanismen, seien es Benachteiligungen und Exklusionsrisiken, oder auch die Potenziale einer «Inklusiven Medienbildung» thematisieren und laden Sie daher herzlich ein, sich mit Ihren Beiträgen zu beteiligen. Bei der Inklusiven Medienbildung handelt es sich um ein Forschungsfeld, welches interprofessionell besetzt ist. Es wird u. a. durch Medien-, Sonder- sowie Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Medien- und Rehabilitationswissenschafterinnen und -wissenschaftlern, (Fach-)Didaktikerinnen und -Didaktiker sowie Informatikerinnen und Informatiker bearbeitet. Diese interprofessionelle Betrachtungsweise soll Gegenstand der Tagung sein. Weiter soll die Veranstaltung Gelegenheit zum intensiven fächerübergreifenden Austausch bieten.

 

Das Tagungsprogramm finden Sie in unserem ConfTool unter https://www.conftool.com/mpaed2022/sessions.php . Das Programm befindet sich aktuell in Bearbeitung, die Angaben sind daher noch vorläufig.

Wir baten um Einreichungen, die folgende Themen (direkt oder indirekt) adressieren:

  • Theoretische Auseinandersetzungen mit medienpädagogischen Begrifflichkeiten und Konzepten in der Perspektive von Inklusion und Teilhabe, u. a. Inklusive Medienbildung.
  • Empirische Arbeiten im Kontext von Medien, Inklusion und Teilhabe mit Bezug auf verschiedene pädagogische Handlungsfelder/Bildungskontexte, u. a. Schule, Beruf, Frühe Bildung, Erwachsenenbildung, kulturelle Bildung, Soziale Arbeit.
  • Gestaltung von (Medien-)Bildungskonzepten unter der Perspektive von Inklusion und Teilhabe, u. a. digitale Barrierefreiheit und/oder Universal Design.
  • Zugänglichkeit von und Teilhabe durch (Bildungs-)Medien, u. a. Open Educational Resources (OER).
  • Digitale Technologien vor dem Hintergrund von Teilhabe und Benachteiligungen, u. a. Algorithmen, künstliche Intelligenz (KI).
  • Professionalisierung (medien-/päd. Fachkräfte) unter der Perspektive von Teilhabe/Inklusion in (medien-)pädagogischen Handlungsfeldern, u. a. in Hochschule, Schule, Erwachsenenbildung, Sozialer Arbeit.

Neben Einreichungen zum aktuellen Thema der Herbsttagung besteht die Möglichkeit zur themenunabhängigen Präsentation z. B. von (Zwischen-)Ergebnissen aus laufenden Forschungsprojekten, die einem eigenen Panel im Programm versammelt sein können. Die Beiträge der Herbsttagung werden den Kern des Jahrbuchs Medienpädagogik 20 formieren. Daher sind Autorinnen und Autoren aufgerufen, ihre Beiträge bereits frühzeitig zu verschriftlichen, um den Veröffentlichungsprozess zu verkürzen. Sie können sich entweder mit einer Präsentation (30 Min. Vortrag + 15 Min. Diskussion) oder einem Poster (One-Minute-Pitch) an der Tagung beteiligen. Beiträge sollten bereits im Abstract entsprechend ausgewiesen werden.

Interessierte sind eingeladen, Abstracts im Umfang von 500 Wörtern (exkl. Literatur) für Poster und Einzelvorträge sowie von insgesamt 1500 Wörtern für Panels (Manteltext und Einzelabstract) bis zum 31. März 2022 über https://www.conftool.com/mpaed2022 einzureichen.

Die Mitteilung über die Annahme der Abstracts erfolgte im Juni 2022.

Bosse, Ingo. 2012. «Partizipation von Menschen mit Behinderungen». In Schriften zur Medienpädagogik Bd. 47. Partizipation und Engagement im Netz: Neue Chancen für Demokratie und Medienpädagogik, herausgegeben von Klaus Lutz, Eike Rösch, und Daniel Seitz, 47:177–86. München: kopaed.

Bosse, Ingo, Anne Haage, Anna-Maria Kamin, Jan Schluchter. 2019. «Medienbildung für alle: Medienbildung inklusiv gestalten: Positionspapier der Fachgruppe Inklusive Medienbildung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK)». In Schriften zur Medienpädagogik: Bd. 55. Medienbildung für alle: Digitalisierung, Teilhabe, Vielfalt, herausgegeben von Marion Brüggemann, Sabine Eder, und Angela Tillmann. München: kopaed.

Bosse, Ingo, Anna-Maria Kamin, und Jan-René Schluchter. 2019. «Medienbildung für alle: Inklusive Medienbildung – Zugehörigkeit und Teilhabe in gegenwärtigen Gesellschaften». In Schriften zur Medienpädagogik: Bd. 55. Medienbildung für alle: Digitalisierung, Teilhabe, Vielfalt, herausgegeben von Marion Brüggemann, Sabine Eder, und Angela Tillmann, 55:35–52. München: kopaed.

Bosse, Ingo, Jan-René Schluchter, Anne Haage, und Anna-Maria Kamin. 2019. «Medienbildung für alle: Medienbildung inklusiv gestalten: Positionspapier der Fachgruppe Inklusive Medienbildung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK)». In Schriften zur Medienpädagogik: Bd. 55. Medienbildung für alle: Digitalisierung, Teilhabe, Vielfalt, herausgegeben von Marion Brüggemann, Sabine Eder, und Angela Tillmann. München: kopaed.

Bosse, Ingo, Jan-René Schluchter, und Isabel Zorn. 2019. Handbuch Inklusion und Medienbildung. Weinheim: Beltz Verlagsgruppe.

Iske, Stefan, Alexandra Klein, Nadia Kutscher, und Hans-Uwe Otto. 2007. «Virtuelle Ungleichheit und informelle Bildung. Eine empirische Analyse der Internetnutzung Jugendlicher und ihre Bedeutung für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe». In Grenzenlose Cyberwelt? Zum Verhältnis von digitaler Ungleichheit und neuen Bildungszugängen für Jugendliche, 65–91. Wiebaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-90519-8_4 .

Kamin, Anna-Maria, und Dorothee Meister. 2016. «Digital unterstütztes Lernen in Pflegeberufen unter entgrenzten Bedingungen: Ein gestaltungs- und entwicklungsorientiertes Forschungsprojekt». In Jahrbuch Medienpädagogik 13: Vernetzt und entgrenzt - Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien, herausgegeben von Kerstin Mayrberger, 213–29. Wiesbaden: Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-658-16432-4_14 .

Kronauer, Martin. 2013. «Soziologische Anmerkungen zu zwei Debatten über Inklusion und Exklusion». In Zugänge zu Inklusion. Erwachsenenbildung, Behindertenpädagogik und Soziologie im Dialog, herausgegeben von Reinhard Burtscher, Eduard Jan Ditschek, Karl-Ernst Ackermann, Monika Kil, und Martin Kronauer, 17–25. Bielefeld: Bertelsmann.

Kutscher, Nadia. 2019. «Digitale Ungleichheit als Herausforderung für Medienbildung». Die deutsche Schule 111(4): 379–90. https://doi.org/10.31244/dds.2019.04.02 .

Liesen, Christian, und Klaus Rummler. 2016. «Digitale Medien und Sonderpädagogik. Eine Auslegeordnung für die interdisziplinäre Verbindung von Medienpädagogik und Sonderpädagogik». Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 4 (April): 6–12. http://www.szh.ch/bausteine.net/f/50765/Liesen_Rummler_160406.pdf.

Maurer, Björn, und Jan-René Schluchter. 2013. «Filmbildung und Inklusion. Bestandsaufnahme und Perspektiven». In Medienbildung in einer sich wandelnden Gesellschaft, herausgegeben von Björn Maurer, Petra Reinhard-Hauck, Jan-René Schluchter, und Martina von Zimmermann, 147–79. München: kopaed.

Niesyto, Horst. 2009. «Digitale Medien, soziale Benachteiligung und soziale Distinktion». MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung 17 (Medien und soziokulturelle Unterschiede): 1–19. https://doi.org/10.21240/mpaed/17/2009.06.23.X .

Paus-Hasebrink, Ingrid. 2017. Langzeitstudie zur Rolle von Medien in der Sozialisation sozial benachteiligter Heranwachsender: Lebensphase Jugend. 1. Aufl. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.

Schell, Fred. 2005. «Aktive Medienarbeit». In Grundbegriffe der Medienpädagogik, herausgegeben von Jürgen Hüther und Bernd Schorb, 4. Aufl., 9–16. München: kopaed.

Schluchter, Jan-René. 2012. «Medienbildung als Perspektive für Inklusion». merz – Medien und Erziehung 52(1): 16–21.

Schluchter, Jan-René. 2015. Medienbildung als Perspektive für Inklusion. Modelle und Reflexionen für die pädagogische Praxis. München: kopaed.

Die Tagung wird organisiert durch Prof.‘in Dr. Anna-Maria Kamin, Vertr.-Prof. Dr. Jens Holze und Melanie Wilde, M.A. (Universität Bielefeld).

Das Tagungsteam erreichen Sie unter der folgenden E-Mailadresse:

mpaed2022@medienpaed.com

 

Wir sind bemüht, unsere Veranstaltungen so barrierearm wie möglich zu gestalten. Sie helfen uns dabei, wenn Sie uns etwaigen Unterstützungsbedarf vorab mitteilen.

 

Wir bieten in Absprache mit dem Familienservice der Universität Bielefeld eine Kinderbetreuung für teilnehmende Eltern unserer Konferenz an. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf und teilen uns mit wie alt ihre Kinder sind und in welchem Umfang Sie eine Betreuung wünschen.

Wir empfehlen eine frühzeitige Hotelbuchung und konnten für die folgenden Hotels Kontingente sichern.

Die Buchungen können via E-Mail oder telefonisch mit Angabe des Buchungscodes "Erziehungswissenschaft" erfolgen.

 

B&B Hotel City

Europapapl. 2 in 33613 Bielefeld

bielefeld-city@hotelbb.com

0521/304330

buchbar bis 21.07.2022

 

B&B Hotel Ost

Detmolder Str. 314 in 33605 Bielefeld

bielefeld-ost@hotelbb.com

0521/9223520

buchbar bis 21.07.2022

 

Brenner Hotel Bielefeld

Otto-Brenner-Str. 135 in 33607 Bielefeld

info@brenner-hotel.de

0521/29990

buchbar bis 21.08.2022

 

Senator Hotel Garni

Sonderburgerstr. 3 in 33605 Bielefeld

kontakt@senator-bielefeld.de

0521/164580

buchbar bis 21.08.2022

 

Waldhotel Brands Busch

Furtwänglerstraße 52 in 33604 Bielefeld

info@brands-busch.info

0521/92110

buchbar bis 15.08.2022

Die Tagungsanmeldung erfolgt über das Conftool unter folgendem dem Link. Die Tagung wird als Präsenzveranstaltung geplant. Keynotevorträge werden zusätzlich über einen Online-Dienst gestreamt.


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